Kategorie: Q&A

Q&A: Welche Ausrüstung eignet sich für Webinars?

Hallo Judith,

Dein Blog ist super! Ich bin schon lange auf der Suche nach einem Mikrofon u.a. fürs Filmen mit dem iPhone 7 und habe mit Deinem Ratgeber eine super Übersicht bekommen. Danke!

Bevor ich ein Mikrofon kaufe, habe ich aber noch eine Frage. Ich plane ein Webinar zum Thema Backen, also einen Online-Kurs mit Video. Ich habe vor, eine Person zu filmen, die mir im Abstand von ca. 2 Metern gegenüber steht und Kuchen bäckt und dabei erklärt, was sie macht.

1. Welches Mikrofon?

Bei einem Lavaliermic müsste das Kabel entsprechend lang sein. Oder soll ich besser ein Funkmikro verwenden? Würde das Ganze auch mit einem Richtmikrofon funktionieren, das z.B. auf dem Handy steckt oder auf dem Tisch steht? Vielleicht gibt es dann aber Nebengeräusche, weil auf dem Tisch auch die Backutensilien stehen…

Am liebsten möchte ich ein Mikro, das ich auch an meiner DSLR-Kamera (Canon 5D Mark II) oder mit einer GoPro nutzen kann.

2. Welche Kamera?

Was sagst Du dazu, das Webinar mit dem iPhone 7 zu filmen? Sollte ich lieber die DSLR-Kamera verwenden?

Zum Beispiel mit dem Tonor-Richtmikrofon, oder mit dem Røde VMMICRO? Diese kann ich dann aber vielleicht nicht am iPhone nutzen. Oder gibt es dazu einen Adapter?

Es wäre mir super hilfreich wenn Du mir helfen würdest. Welche Mikrofon-Kamera-Kombination würdest Du mir empfehlen?

Viele Grüsse aus N.,

F.

Hallo F.

Vielen Dank für Dein Mail und Dein Feedback. Das sind ziemlich viele Fragen 😉 Aber ich versuche, da mal etwas eine Übersicht hinein zu geben.

Webinar-Software spielt eine Rolle

Weisst Du schon, über welchen Streamingdienst bzw. mit welcher Software Du das Webinar machst? Das kann ausschlaggebend sein. Die meisten Webinare werden mit Webcams aufgenommen. Da eine andere Kamera anzuschliessen, ist nicht so einfach. Oft braucht es extra Hardware und dann spielt auch das Betriebssystem noch eine Rolle: Windows oder Mac? Auf dem Smartphone kannst Du sehr einfach ein Live-Video für Facebook streamen, was z. Bsp. eine einfache Variante sein könnte.

1. Welches Mikrofon?

Funkstrecke ist besser als Kabel

In diesem Setting würde ich eher nicht mit einem Lavaliermikrofon mit Kabel arbeiten. Mit der 6m-Verlängerung von Røde würde es zwar wahrscheinlich gehen. Aber der Bäcker bewegt sich ja – im dümmsten Fall stolpert er während dem Webinar noch über das Kabel.

Ich würde deshalb an Deiner Stelle ein Lavaliermikrofon mit Funkstrecke nehmen. Die Funkstrecke kann ich mit jeder Kamera mit XLR oder Klinkenstecker verbinden. Mit dem richtige Adapter kannst Du die Funkstrecke auch an Deinem Smartphone anschliessen.

Vor wenigen Wochen habe ich einige Funkstrecken vorgestellt. Lese dazu meinen Blogeintrag „Kabellose Mikrofone: Funkstrecken und Bluetooth“.

Pro und Kontra Richtmikrofon

Du könntest ein Richtmikrofon verwenden (z.B. Røde VidMic Go), und dieses auf der Kamera befestigen. Die Canon 5D Mark II hat einen Mikeingang, Du kannst das Richtmikrofon damit verbinden und darauf befestigen. Für das Smartphone brauchst Du einen Übergangsstecker TRS – TRRS. Warum, erkläre ich im Blogeintrag „Hilfe – mein Mikrofon funktioniert nicht!“. Und Du brauchst eine extra Halterung, damit Du das Richtmikrofon befestigen kannst. Der Vorteil ist, dass Du kein Kabel mit Deinem Protagonisten vor der Kamera verbinden musst.

Umgekehrt ist es, wenn Du ein Mik für das Smartphone hast (z. Bsp. Røde Smart Lav+). Dann kannst Du dieses mit einem TRRS – TRS-Adapter auch an eine Videokamera anschliessen.

Vorsicht beim Richtmikrofon: Viele Vlogger arbeiten mit Richtmikrofon. Die sind aber nah bei der Kamera und in einem ruhigen Raum. Wird die Distanz zum Richtmikrofon grösser, nimmt das Rauschen zu und die Präsenz der Stimme ab. Wenn es viele Hintergrundgeräusche hat, z. Bsp. der Arbeitprozess des Bäckers sehr laut ist, versteht man das Gesprochene nicht mehr gut. Deshalb empfehle ich selber keine Richtmikrofone. Die Regel ist: Das Mikrofon muss zur Tonquelle. Das Richtmikrofon erfüllt diese Regel nicht. Wenn die Umgebung sehr laut ist, z. Bsp. in einem Maschinenraum, braucht es sogar ein Handmikrofon. Siehe dazu meinen Blogbeitrag: Hand- oder Lavaliermikrofon? Für was eignet sich welches Mikrofon?

2. Welche Kamera

GoPro – für die spezielle Perspektive

Ich finde GoPro als Action-Cam super für unerwartete Perspektiven: Auf dem Helm in einer Eishöhle, in der Luft, unter Wasser etc. Oder in Deinem Fall an der Knetmaschine befestigt, den Teig filmend oder wie auch immer. Dort wo ich mit einer anderen Kamera auch nicht gut hinkomme. Und dort wo es keine „Botschaft“ gibt, also niemand spricht. Die GoPro keinen Mikrofoneingang. Es gibt Mikrofone für die GoPro, welche Du über den USB Stecker anschliessen kannst. Das kann Sinn machen, wenn Du in einer Eishöhle bist und gleich kommentieren willst, was Du jetzt gerade tust und man dabei noch Deine angestrengte Atmung hört. In Deinem Falle geht es aber ja nicht um dieses extreme Live-Ergebnis:-) Sondern der Inhalt der Worte ist das Wichtige. Der Ton ist extrem wichtig, im Idealfall hörst Du mit dem Kopfhörer mit (Bei Interviews trage ich immer einen Kopfhörer, um die volle Kontrolle über den Ton zu haben). So viel ich weiss, hast Du auf dem Display der GoPro nicht einmal einen Audiopegel für ein wenig Kontrolle über den Ton.

 

Canon 5D Mark II – Schöne Bilder

Mit der Canon Spiegelreflexkameras machst Du die schönsten Bilder. Du hast viel Tiefenunschärfe, was den meisten Leuten gefällt. Du kannst in den Settings auch einen Audiopegel einschalten, damit Du visuelle Kontrolle über den Ton hast. Bei diesem Modell kannst Du aber nicht gleichzeitig ein Mikrofon anschliessen und mit dem Kopfhörer mithören. Profis benutzen eine externe Audiobox, damit sie Mikrofon und Kopfhörer anschliessen können, aber das alles gleichzeitig an einem Computer anzuschliessen für eine Live-Session wird ganz schön kompliziert. Die Herausforderung hier ist vor allem das Streaming. 

iPhone 7 – Direkt ins Internet streamen

Mit dem iPhone hast Du gegenüber der Spiegelreflexkamera ein wenig Verlust bei den Gestaltungsmöglichkeiten des Bildes. Wenn Du Dich aber nicht gewohnt bist, mit der Canon zu filmen, behältst Du mit dem iPhone wahrscheinlich besser die Schärfe. Du kannst, wie oben beschrieben, alle möglichen Mikrofone benutzen. Es gibt beim Filmen Apps mit Audiopegel oder sogar die Möglichkeit einen Kopfhörer anzuschliessen. Beide Möglichkeiten muss aber die benutzte App bieten. Das einfachste bei dieser Kamera ist der Live Stream. Du kannst ohne Umwege direkt ins Internet streamen. Es gibt auch Webinar Apps für das iPhone wie ClickMeeting, ich habe aber noch nie eine solche App ausprobiert.

3. Eine mögliche Ausrüstung:

– Ein Livestream in Facebook mit dem iPhone 7 (anstatt mit Webinar-Software)
– Mikrofon: Funkstrecke von Røde und ein TRS zu TRRS Stecker.
– Wenn Du mit dem iPhone 7 filmst, brauchst Du noch den Adapter für den Lightning-Anschluss.
– Ich empfehle Dir, je nach Dauer des Webinars, auch einen Doppelstecker für Lightning zu verwenden, damit gleichzeitig Strom geladen werden kann. (Siehe Blogbeitrag „Darum brauchen iPhone-Filmer drei Lightining-Anschlüsse“.)

 

Ich hoffe das hilft, um etwas mehr den Durchblick zu haben.

Herzliche Grüsse
Judith

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Q&A: Wie erzeuge ich geringe Tiefenschärfe beim Filmen mit Smartphone?

Hallo Judith,

Ich habe eine Frage zum Fokus. Wie kriege ich geringe Tiefenschärfe hin?

Manchmal gelingt es mir, auf ein Objekt im Vordergrund zu fokussieren, sodass der Hintergrund unscharf wird. Aber dann kann ich nicht zwischen den beiden Ebenen wechseln. Manchmal schaffe ich es auch gar nicht, überhaupt einen unscharfen Hintergrund hinzubekommen.

Gibt es da eine besondere Herangehensweise oder Tricks? Hat es eventuell etwas mit der Belichtung zu tun, oder mit meinem iPhone? Ich komme da nicht weiter.

Vielen Dank für deine Hilfe. 

Liebe Grüße aus Deutschland

S.

Hallo S.,

vielen Dank für Dein Mail und Deine Anfrage. Ich benutze für die geringe Tiefenschärfe den Begriff „Tiefenunschärfe“, denn dies beschreibt meiner Meinung nach besser und verständlicher, worum es geht. Tiefenunschärfe ist ein Effekt, der ganz vielen Leuten gefällt. Das Hauptobjekt kommt schön zur Geltung, und man kann einen unruhigen Hintergrund kaschieren. Die Gestaltungsmöglichkeiten beim Filmen sind also grösser.

Mit dem Smartphone bringst Du nicht so viel Tiefenunschärfe hin wie etwa mit einer DSLR-Kamera, aber dazu noch etwas später. Um aber grundsätzlich einen unscharfen Hintergrund zu erzeugen, kannst Du folgendes ausprobieren:

Nahe heran ans Objekt

Nimm ein Glas und stelle es auf einen Tisch (oder etwas ähnliches), der relativ weit von der Wand weg ist. Nun gehe mit dem Smartphone möglichst nah ans Glas heran, damit es richtig gross im Bild ist. Das Glas soll das Bild aber nicht ganz füllen, der Hintergrund soll noch zu sehen sein.

Tippe das Glas auf dem Bildschirm an. Der Fokusrahmen auf dem Display bewegt sich dann dorthin und das Glas wird scharfgestellt. Wenn Du genug weit weg bist vom nächsten Hintergrund, wird dieser jetzt unscharf. So erzeugst Du Tiefenunschärfe.

 

Ich bin nah am Glas, der Hintergrund ist weit weg, ich habe Tiefenunschärfe.

 

Ich bin nicht mehr nah am Glas und habe gleich viel weniger Tiefenunschärfe.

Fokus manuell verschieben

Nun tippe auf den Hintergrund, damit dieser scharfgestellt wird. Jetzt sollte das Glas eher unscharf sein.

Glas ist unscharf, der Hintergrund ist scharf.

Du kannst so auch während dem Filmen zwischen Vorder- und Hintergrund wechseln, wie Du es in Deiner Frage beschreibst.

Eine sogenannte „Schärfenfahrt“, bei der sich der Fokus langsam von einer Ebene zur anderen verschiebt, kriegst du leider mit der iPhone-Kamera-App nicht richtig hin. Wenn Du das möchtest, empfehle ich dir zum Beispiel die App Filmic Pro: Sie verfügt über einen „Slider“ für den Fokus. Den kannst du langsamer verschieben, wenn Du eine Schärfenfahrt erhalten möchtest.

Wie bekomme ich eine geringe Schärfentiefe?

Die Tiefenschärfe wird durch vier Faktoren beeinflusst: Sensor der Kamera – Abstand zum Objekt – Brennweite – Blendenzahl.

Je grösser der Sensor der Kamera ist, desto mehr Unschärfe kann ich ins Bild bringen. Im Smartphone steckt ein kleiner Sensor. Wie oben gezeigt, kannst Du jedoch mit dem Smartphone auch mit Nähe zu einem Objekt Tiefenunschärfe produzieren.

Die Brennweite bei einer Kamera veränderst Du, indem Du zoomst. Je grösser die Brennweite ist, desto geringer ist die Tiefenschärfe. Das heisst, je näher Du heranzoomst, desto unschärfer wird der Hintergrund. Die meisten Smartphones haben aber keinen optischen Zoom, also keine Linse, bei der die Brennweite verändert werden kann.

Ist die Blende weit offen, hast Du eine kleine Blendenzahl und Tiefenunschärfe. Das iPhone 7 hat eine Blende von f1,8, was eigentlich eine sehr kleine Blende ist. Trotzdem ist es schwierig, den Hintergrund unscharf zu halten. Das zeigt, dass die Blende nicht der wichtigste Faktor in Bezug auf die Tiefenschärfe ist, auch wenn das oft geglaubt wird.

Das iPhone hat einen kleinen Sensor, und schon das macht Tiefenunschärfe schwierig; die kleine Brennweite durch den fehlenden Zoom kommt noch dazu. Viel besser für Aufnahmen mit Tiefenunschärfe geeignet als Smartphones sind Kameras mit Wechselobjektiven (DSLR, Systemkameras, Cinema Cameras). Dank grossem Sensor und kleiner Brennweite bringe ich auch mit einer f4 Blende mehr Tiefenunschärfe ins Bild als mit dem Smartphone mit der f1.8 Blende. 

Wenn Du noch mehr darüber erfahren willst, wie Tiefenschärfe funktioniert, empfehle ich Dir den entsprechenden Artikel bei digitaler-fotokurs.de. Er ist etwas ausführlicher, aber doch nicht zu technisch.

Ablenkung reduzieren mit Tiefenunschärfe

Der schöne Effekt der Tiefenunschärfe kann auch nützlich sein: Gerade gab ich eine Schulung bei der Firma Adesso. Die Teilnehmenden diskutierten, ob sie ihre Statements mit dem Smartphone oder mit einer Canon EOS 100D aufnehmen sollten.

Ich plädierte für die Canon, gerade wegen der Möglichkeit der Tiefenunschärfe. Die Interviews wurden nämlich in einem Büro aufgezeichnet, das heisst, es waren Bilder und Bücherregale an den Wänden. Diese können Kontraste und Struktur ins Bild geben, damit wird das Bild spannend. Mit dem Smartphone gefilmt, sieht man aber jeden Buchstaben und jeden Strich – und das lenkt von der sprechenden Person ab.

Mit der Canon-DSLR-Kamera und der entsprechenden Blendenzahl verschwindet der Hintergrund und die Person oder das Objekt im Vordergrund erhalten im Video die ganze Aufmerksamkeit.

Wenn Du mit dem Smartphone beim Interview einen unscharfen Hintergrund hinkriegen willst, musst Du doch recht nah ran:

Schau mir ins Auge, Kleiner 🙂

Zwei verschiedene Brennweiten beim iPhone 7 Plus

Das iPhone 7 Plus besitzt zwei Linsen statt nur eine. Deshalb kann ich die Brennweite verändern. Die erste Linse ist ein Weitwinkel mit einer Brennweite von 28 mm (wie die Linse beim iPhone 7). Die zweite Linse ist ein Teleobjektiv und hat eine Brennweite von 56 mm. Wenn ich also von der ersten auf die zweite Linse wechsle, kann ich zweifach zoomen, bekomme also mehr Tiefenunschärfe:

Das Glas ist zwar grösser im Bild, aber ich war mit der Kamera weiter weg als bei den Bildern vorher.

Porträtmodus beim iPhone 7 Plus

Die Dualkamera des iPhone 7 Plus kommt vor allem beim „Porträtmodus“ zum tragen. Das Teleobjektiv fokussiert den Kopf des Gesprächspartners, das Weitwinkelobjektiv bildet den Hintergrund ab und die Software kombiniert danach die beiden Fotos und macht den Hintergrund unscharf. Dank diesem Modus kann ein viel stärkerer Tiefeneffekt („Bokeh“) erzeugt werden.

Poträtmodus beim iPhone 7 Plus.

 

Aufnahme nur mit Teleobjektiv des iPhones 7 Plus.

 

Aufnahme mit Weitwinkellinse des iPhones 7 Plus. Wegen der hohen Tiefenschärfe kommen mehr Informationen ins Bild, und wegen des Weitwinkels auch mehr in der Breite. Somit habe ich viel mehr Ablenkung.

Leider funktioniert der Porträtmodus nur beim Fotografieren. Beim Filmen bräuchte es wegen der vielen Aufnahmen pro Sekunde sehr viel Rechenleistung. So ist dieser Vorteil im Videobereich (noch) nicht nutzbar.

Lieber S., die Antwort wurde jetzt ausführlicher als ich geplant hatte 🙂 Gib mir doch ein Feedback, ob das Experiment mit dem Glas geklappt hat! Und Du lieber Blogleser, liebe Blogleserin auch.

Herzlich

Judith

 

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