Kategorie: Technik

Videoproduktion Aufbaukurs: „Mich überzeugte das knackige Format“

Ein Feedback kriege ich immer wieder auf meine Kurse:

„Schön, dass es nicht so technisch war!“

Viele Leute haben etwas Angst vor der technischen Seite der Videoproduktion. Die vielen Einstellungen, die bei einer Kamera möglich sind (und auch auf dem Smartphone bei Video-Apps wie Filmic Pro), können schon abschreckend wirken…

Gute Videos auch ohne viel Technik

Mittlerweile ist es möglich, mit einem Minimum an technischem Wissen ansprechende Videos zu produzieren. Dies hängt damit zusammen, dass Videocams gute Automatik-Einstellungen haben und auch Smartphones eine tolle Videoqualität liefern.

Ich konzentriere mich in meinen Kursen deswegen gerne auf anderes: Grundlagen der Bildgestaltung, Interviewtechnik, und wie man mit Video Geschichten erzählt.

Geschichten erzählen mit Video

Das ist der Schwerpunkt bei meinen Aufbaukursen. Der Aufbaukurs richtet sich an Leute, welche die Basics bereits mitbringen. Das heisst, sie kommen mit ihrer Ausrüstung gut zurecht und haben erste Erfahrungen im Filmen.

Im Aufbaukurs lernst Du, wie man ein informatives, schönes Video plant und dreht. Dazu gehen wir (max. 4 Teilnehmende) jedes Mal zu Besuch in eine Firma, in der etwas produziert wird. Dann haben wir Bewegung vor der Kamera, ohne dass wir viel inszenieren müssen. Letztes Mal waren wir in der ältesten Kerzenfabrik der Schweiz: Hongler Kerzen AG in Altstätten SG.

Einer der Teilnehmer, Bernhard Schreck, ist für den Kurs extra aus Wien angereist.

Es hat mich wunder genommen, wie er den Kurs erlebt hat, und ich habe ihm nachträglich ein paar Fragen gestellt. Nach dem Interview findest Du auch das Video, das er im Aufbaukurs gedreht hat.

Bernhard Schreck: „In kurzer Zeit das Wichtigste gelernt“

Zur Person: Bernhard Schreck ist in der Werbebranche tätig und hatte bis vor wenigen Jahren eine eigene Firma für Werbeartikel. Er lebt und arbeitet ganz in der Nähe von Wien.

Judith: Bernhard, als Du Dich für meinen Aufbaukurs angemeldet hast, habe ich mich speziell gefreut. Du kommst nämlich aus Wien und bist nur für den Kurs in die Schweiz gereist. Wie bist Du überhaupt auf meinen Aufbaukurs aufmerksam geworden?

Bernhard: Es war ganz einfach: Ursprünglich hat Frau Google mir geholfen Dich zu finden 🙂 Der Basiskurs war einfach spitze, und zum Aufbaukurs hatte ich Zeit. Damit gab es eigentlich keine weiteren Fragen. Und meine Erwartungen an den Aufbaukurs wurden nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen.

Was hat Dich überzeugt, Dich ausgerechnet für diesen Kurs anzumelden und dafür so weit zu reisen?

Mich überzeugte das knackige Format, in möglichst kurzer Zeit Ergebnisse zu erzielen. Da brauche ich kein Diplom und kein Zeugnis.

Was war das Wichtigste, das Du im Kurs gelernt hast?

Wie setze ich eine Idee filmisch um? Was ist der rote Faden? Wie richte ich meine Fragen danach aus? Welche einfachen Stilmittel setze ich ein? Wie schneide und vertone ich den Film mit einfachen Mitteln?

Wie wirst Du das alles nun umsetzen?

Ich werde das Gelernte in meinem neuen Blog über Werbeartikel umsetzen.

Wem würdest Du diesen Kurs empfehlen?

Jeder, der in möglichst kurzer Zeit das Wichtigste zum Thema Film lernen will.

Hongler Kerzen waren grossartige Gastgeber für den Aufbaukurs. Auch sonst lohnt es sich wirklich, mal in der Fabrik und im dortigen Laden vorbeizugehen!

Mehr Informationen über meine Kurse findest Du hier. Der nächste Aufbaukurs findet am 22. März 2018 statt. Wir gehen in die Schreinerei und Drechslerei „Pilatusholzwurm“. Die fliegenden Hobelspäne garantieren tolle Videoshots 🙂 Mein nächster Videoproduktion Starterkurs ist bereits ausgebucht. Aber am 19. März hat es noch freie Plätze.

 

PDF-Ratgeber „Musik für Online-Videos“

Wenn Du regelmässig eigene Videos produzierst und auf YouTube, Vimeo oder Facebook hochlädst, sind Musik-Urheberrechte ein Thema, das Dich interessieren sollte. Dazu habe ich einen PDF-Ratgeber. Dieser hilft Dir im juristischen Dschungel weiter und enthält auch Tipps, wo Du lizenzfreie Musik bekommst.

Untertiteln mit Aegisub: So funktioniert es

In meinem letzten Blogpost habe ich 8 Möglichkeiten beschrieben, um SRT-Untertitel („Hilfe, was ist das??“) für ein Video zu erstellen.

Eine dieser Möglichkeiten stelle ich Dir heute mit einem Tutorial genauer vor.

Es ist eine Open-Source-Software namens Aegisub.

Das Programm ist kostenlos und für Mac und Windows erhältlich.

Aegisub wurde ursprünglich für Karaoke entwickelt: Es ging darum, Songtexte in Musikvideos so einzubetten, dass sie zeitlich genau mit dem Gesang übereinstimmten.

Viele Einstellungen möglich

Das Programm ist zwar intuitiv gestaltet, doch es hat sehr viele Einstellungen und Möglichkeiten. Meine Mitarbeiterin Andrea Wildisen musste sich zuerst zurechtfinden und herausfinden, welche dieser vielen Einstellungen wir überhaupt brauchen.

Mit meinem Video-Tutorial ersparst Du Dir das ganze Ausprobieren, Du kannst die Einstellungen gleich von uns übernehmen.

Ich zeige Dir darin:

  • meine Empfehlungen bezüglich Voreinstellungen
  • meinen Workflow beim Untertiteln
  • den Export der fertigen SRT-Datei.

 

Die erwähnten Voreinstellungen siehst Du im Screenshot unten:

Nützliche Funktionen in Aegisub

Andrea erstellt immer wieder Untertitel für mich. Sie hat in der Vergangenheit einige Programme dazu ausprobiert.

Aegisub hat sie am meisten überzeugt, weil es im Gegensatz zu anderen Programmen Funktionen vereint, die man für einen optimalen Workflow benötigt.

Zentral: Es gibt bei Aegisub Tastaturkombinationen (Shortcuts) für die wichtigsten Schritte. Das ermöglicht ein schnelles Arbeiten.

Zwei weitere Stärken von Aegisub:

1. Übersicht über die Zeichenzahl

Damit Untertitel einfach und angenehm lesbar sind, dürfen es nicht zu viele Wörter auf einmal sein.

Der „Character Counter“ ist ein Zähler, der während des Schreibens die Anzahl Zeichen pro Zeile überprüft. Wenn es zu viele werden, um noch gut lesbar zu sein, wird eine Warnung angezeigt.

Auch die „characters per second“ werden gezählt, also die Zeichen, welche pro Sekunde eingeblendet werden. Auch hier erscheint eine Fehlermeldung, wenn es für die Lesbarkeit zu schnell geht.

Die maximale Zeichenzahl lässt sich individuell einstellen:

2. Unterschiedliche Arbeitsbereiche

Mit getrennten, aufeinander folgenden Arbeitsbereichen kommt Struktur in den Prozess. So kannst Du Dich besser auf jeden einzelnen Schritt fokussieren:

Bei der Transkription konzentrierst Du Dich auf das Untertitel-Feld. Du fügst den Text ein und schaust dabei, dass Du nicht zu viele Zeichen pro Linie verwendest.

Danach schaust Du im Untertitel-Gitter nach, ob die Zeichen pro Sekunde okay sind. Falls nötig, kannst Du die einzelnen Untertitel korrigieren.

Beim Spotting (genaues zeitliches Einsetzen der Untertitel) konzentrierst Du dich voll auf die Audio-Spur.

Am Schluss hast Du nochmals alle Untertitel im Überblick. Du schaust sie Dir auf dem Video-Player an und kontrollierst, ob alles passt. Falls nötig, sind Anpassungen möglich.

Download-Link

Wenn Du öfters Videos untertitelst, die einige Minuten dauern, lohnt es sich, Aegisub kennenzulernen.

Zum Download des Programms geht’s hier, und zur aktuellen Version Aegisub 3.2 gibt es ein (englischsprachiges) Benutzerhandbuch hier.

 

Filmst Du regelmässig? Wenn Du Tipps möchtest, um Dich als Moderator oder Deine Interviewpartner ins beste Licht zu rücken, hol Dir meinen Ratgeber „Gutes Licht für Deine Videos“ (PDF).

SRT-Untertitel erstellen:
8 Möglichkeiten

In meinem letzten Blogeintrag habe ich 5 Gründe für Untertitel aufgezählt und das SRT-Format vorgestellt. Mit diesem Format können die Zuschauer Deiner Videos selber einstellen, ob, in welcher Sprache und in welcher Darstellung sie Untertitel anschauen wollen.

Jetzt geht es darum, was das für Dich als Videoproduzent/in heisst: Wie erstellst Du Untertitel? Und welche Tools bieten YouTube, Facebook und Co. dafür?

Vorgehen je nach Zweck des Videos

Ich stelle Dir 8 Möglichkeiten vor, wie sich Untertitel erstellen lassen. Je nachdem, wie professionell Du arbeitest und was Du mit Deinen Videos bezweckst, eignet sich die eine oder andere Möglichkeit besser.

Wenn Du zum Beispiel vor allem auf YouTube einen Vlog betreibst, kannst Du die Untertitel direkt auf der Plattform erstellen (Möglichkeit Nr. 3).

Wenn Du für Kunden Videos produzierst und diese in Adobe Premiere Pro schneidest (wie ich häufig), kannst Du in diesem Schnittprogramm auch Untertitel erstellen (Möglichkeit Nr. 2).

Wenn Du keine Zeit hast, um Untertitel zu erstellen, und diese auch nicht für einen Kunden brauchst, kannst Du trotzdem die Variante offen lassen, dass die YouTube-Community das Video im Nachhinein für Dich untertitelt (Möglichkeit Nr. 5). Vielleicht hast Du ja Fans in einer anderen Sprachregion, die Dein Video gerne für ihre Bekannten zugänglich machen wollen?

Wir sprechen dabei immer von SRT-Untertiteln. Wenn Du Dir nicht sicher bist, was das ist, lies doch noch schnell den zweiten Teil meines letzten Blogeintrags.

Jetzt aber fertig um den Brei geredet.

So kannst Du SRT-Untertitel erstellen:

1. Mit Hilfe einer Untertitel-Software

Meine Mitarbeiterin Andrea Wildisen erstellte in den letzten Wochen für mich und meine Kunden viele Untertitel. Sie hat einige Programme ausprobiert. Am liebsten arbeitet sie mit dem Programm Aegisub, ursprünglich ein Karaoke-Programm. Es läuft auf Mac und Windows und ist gratis. Im nächsten Blogeintrag werde ich dazu ein ausführlicheres Tutorial machen.

Nur für Mac erhältlich ist „Subtitles theEditor“. Das Lieblingsprogramm von Thinh-Lay Bosshart, einer Expertin in Sachen Barrierefreiheit und Untertitelung.

Neben diesen beiden gibt es verschiedene andere Programme, mit denen Du Untertitel erstellen kannst. Netzwelt.de hat kürzlich eine Liste von geeigneten Programmen veröffentlicht.

 

2. In Adobe Premiere Pro

Wenn ich ein Video in Adobe Premiere Pro schneide, mache ich die Untertitel auch gleich dort. Neben .srt kann die fertige Untertiteldatei danach auch in anderen Dateiformaten exportiert werden.

Hier eine Seite von Adobe, welche die Arbeit mit Untertiteln in Adobe Premiere Pro ausführlich erklärt, und hier ein Video-Tutorial.

 

3. Untertitel von Profis machen lassen

Im deutschsprachigen Raum und auch für Schweizerdeutsche Videoinhalte gibt es Diction, einen zuverlässigen und guten Service, den ich auch schon genutzt habe. Sie machen normalerweise nur Übersetzungen, auf Anfrage auch SRT-Untertitel. Auch Easytranslate und Redsmoke machen Untertitelungen.

Dieser Service hat natürlich seinen Preis.

 

4. YouTube, Facebook: Direkt auf der Plattform

YouTube bietet neben den automatisch generierten und von der Community erstellten Untertiteln auch die Möglichkeiten, Untertitel selber, quasi „manuell“ einzufügen.

Auch auf Facebook ist dies möglich, Du musst jedoch einen etwas mühsamen Umweg über die Funktion „automatisch generieren“ gehen und die erstellten Untertitel danach korrigieren.

Auf Vimeo kannst Du nur fertige Untertiteldateien hochladen. Auch in Wistia kannst Du nicht direkt Untertitel erstellen. Dort gibt es jedoch die Option, SRT-Dateien hochzuladen und diese nachträglich direkt auf der Plattform zu bearbeiten.

Untertitel-Tool von YouTube

5. (Halb-)Automatisch erstellte Untertitel

Auf YouTube sind manchmal ziemlich schlechte Untertitel zu sehen. Das kann daran liegen, dass sie automatisch erzeugt wurden.

YouTube bietet für zehn verschiedene Sprachen, u.a. Deutsch, die Option zum automatischen Erstellen von Untertiteln. Das heisst, dass Dein Video durch ein Spracherkennungs-Programm läuft und dieses „transkribiert“, was gesagt wird.

Facebook bietet diese Funktion bisher nur auf Englisch an. Auf Vimeo und Wistia gibt es sie (noch?) gar nicht.

Sowohl bei YouTube als auch bei Facebook kannst Du die Untertitel überprüfen und korrigieren, bevor sie dem Video hinzugefügt werden.

Dies ist auch nötig, denn auch wenn die Spracherkennung immer besser wird, ist sie von der Perfektion zum jetzigen Zeitpunkt noch weit entfernt. Dessen muss man sich bewusst sein, wenn man automatische Untertitel erstellen lässt.

 

6. Alternative: Die Community nutzen

Auf YouTube kannst Du auch die Community für Dich arbeiten lassen. Dazu musst Du nur die entsprechende Funktion für Deine Videos freischalten und eine entsprechende „Infokarte“ erstellen (das sind die kleinen bunten „Post-its“, die jeweils am Rand der Videos erscheinen). Zum Beispiel: „Würde bitte jemand mein Video auf Arabisch übersetzen?“

Dann können interessierte Personen unentgeltlich Untertitel schreiben oder von anderen erstellte Untertitel überprüfen. Du kannst sie danach freischalten. Hier die Anleitung von YouTube/Google dazu.

Auf der Crowd-Idee basiert auch Amara: Amaras Mission ist, dass Video-Inhalte in möglichst vielen Sprachen zugänglich gemacht werden. Freiwillige untertiteln so zum Beispiel TED Talk-Videos.

7. Online auf Amara.org

Amara ist eine coole Organisation für Barrierefreiheit im Netz, die, wie bereits erwähnt, nach dem Crowd-Prinzip funktioniert und daneben auch einen Untertitel-Service anbietet.

Es gibt auf Amara aber auch die praktische Möglichkeit, selber Untertitel zum fertigen Video zu erstellen.

Die Untertiteldateien, die Du auf Amara erstellt hast, kannst Du danach mit YouTube synchronisieren und/oder als SRT-Datei herunterladen.

Einen Haken hat die Sache: Das Video muss bereits online sein, damit ich es mit Amara untertiteln kann. Für Facebook-Videos ist dies also keine Möglichkeit.

Bei YouTube und Vimeo kann man die Videos schon mal hochladen, aber ungelistet lassen, bis die Untertitel fertig sind.

Geschäftlich kommt für mich Amara deswegen meistens nicht in Frage. Meine Kunden möchten als Produkt Videodateien und nicht einen Link. Für nicht-geschäftliche Videos wäre dies aber kein Problem.

 

8. Im Text-Editor

SRT-Dateien sind Textdateien. Mit der nötigen Kenntnis kannst Du sie also auch in einem Text-Editor erstellen, während du parallel dazu das Video laufen lässt und die genauen Einblende-Zeiten notierst.

Noch einmal der Screenshot aus meinem letzten Blogeintrag:

 

Wichtig: Die Endung der SRT-Datei muss stimmen!

Der Dateiname muss dem SRT-Standard entspricht. Jede Sprache bekommt eine andere Endung:

Das sieht folgendermassen aus:

Dateiname.Sprachcode_Ländercode.srt

Eine Liste der Sprach- und Ländercodes findest Du zum Beispiel auf Facebook. (Die Schweiz existiert dort nicht, also wähle für Deutsche Untertitel „de_DE“.)

 

Achtung: Untertitel für weniger bekannte Player

Manche Firmen verwenden einen weniger bekannten oder einen eigenen Video-Player auf der Website. Dann sind die Möglichkeiten und Vorgaben unterschiedlich.

Ein Beispiel: Für einen Kunden machte ich Videos mit dazugehörigen SRT-Untertiteldateien. Der Kunde verwendet auf seiner Website einen Flash-Player namens „Flowplayer“. Dieser erfordert WebVTT-Untertitel, welche im Video eingebettet sind. Meine Mitarbeiterin Andrea hat unsere SRT-Datei in ein vtt-File umgewandelt und mit SubtitleEdit die Untertitel in das Video eingebettet. Das Resultat ist eine mp4-Datei mit einem „versteckten“ SRT-File.

 

Nützliche Links zu den einzelnen Plattformen

In diesem Blogeintrag habe ich vor allem auf YouTube und Facebook Bezug genommen, die beiden beliebtesten Videoplattformen. Dazu kommen Vimeo, ebenfalls ein grösserer Anbieter, und Wistia, wo ich einige meiner Videos hosten lasse.

Alle diese Plattformen haben FAQ- oder Hilfe-Seiten zum Thema Untertitel, wo Du noch genauere Infos bekommst. Hier die Liste mit den Links:

YouTube

Facebook

Vimeo

Wistia (Englisch)

 

Noch ein paar Tipps mehr? Klicke auf das Bild unten, um Dir 9 Tipps für bessere Videos zu holen.

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Zubehör: So wird aus Deinem Smartphone eine Profikamera

Aus Deinem Smartphone kannst Du eine Profi-Kamera machen: Du brauchst dazu nur das richtige Zubehör.

So holst Du beim Filmen viel mehr heraus und Deine Videos wirken professioneller.

Dafür braucht es gar nicht viel!

Meine Tipps habe ich in einem PDF zusammengestellt. In diesem Blogeintrag (oder im Video, wenn Du Dir lieber das anschaust) erkläre ich, wozu welcher Gegenstand dient.

Kontrollierte Kameraführung statt verwackelte Bilder

Mit einem Stativ erhältst Du ein ruhigeres, kontrollierteres Bild, als wenn Du das Smartphone von Hand festhältst.

Für Interviews oder Moderationen ist ein Stativ unverzichtbar: Du kannst schliesslich nicht gleichzeitig filmen und vor der Kamera stehen – ausser natürlich, Du machst ein „Selfie-Video“.

Stative gibt es diverse Modelle, zum Beispiel von Velbon.

Wichtig: Um Dein Smartphone auf einem Stativ festzumachen, brauchst Du einen Adapter. Der Adapter von Manfrotto, den ich benutze, ist universal: Er passt auf jedes Stativ und eignet sich für Smartphones in verschiedenen Grössen. Sogar mein iPhone 7 Plus passt gerade noch rein.

Klarer Ton – direkte Message

Du willst, dass Deine Botschaft gehört wird! Ein Mikrofon steigert die Tonqualität Deines Videos massiv.

Wenn Du nur mit dem internen Mikrofon des Smartphones arbeitest, werden auch sämtliche Umgebungsgeräusche aufgezeichnet. Die Stimme geht dann oft ein wenig unter und ist nicht mehr klar und deutlich zu hören.

Auch in ruhigen, geschlossenen Räumen bist Du – bzw. Deine Interviewpartnerin – mit Mikrofon auf dem Video präsenter, der Ton ist klarer.

Zuverlässig für Interviews: das Handmikrofon

Einerseits gibt es dafür das Handmikrofon. Es ist das klassische Interviewmikrofon.

Damit kannst Du jederzeit das Gespräch wieder an Dich nehmen und hast die Kontrolle sowohl über den Verlauf des Interviews als auch über den Ton. Denn Du sorgst selber dafür, dass das Mikrofon nahe genug am Mund des Sprechenden ist.

Handmikrofone, die auch von Musikern für den Gesang verwendet werden, haben XLR-Anschlüsse für eine optimale Tonqualität. Um ein Handmikrofon am Smartphone anzuschliessen, ist deshalb ein Adapter nötig.

Ich benutze das iRig Pre: Am Kästchen des Adapters selber befindet sich der Anschluss für den XLR-Stecker des Mikrofonkabels und das ausgehende Kabel mit einem TRRS-Stecker fürs iPhone. (Ab dem iPhone 7 brauchst Du zusätzlich noch einen Lightning-Adapter, da die Kopfhörerbuchse fehlt.)

Mit dem Handmikrofon hört man die Umgebungsgeräusche praktisch nicht mehr. Im Ratgeber empfehle ich das Røde Reporter Handmik.

Klein und diskret: das Lavaliermikrofon

Wenn ich selber vor der Kamera stehe und etwas erkläre, möchte ich aber meistens nicht noch ein Mikrofon halten müssen. Deshalb arbeite ich auch gerne mit einem Lavaliermikrofon.

Ein Lavaliermikrofon ist ein kleines Mik, das Du Dir ans Hemd oder an die Bluse steckst. Das ist diskret und dennoch nahe dran an der Tonquelle.

Es gibt diverse Modelle – ich verwende das iRig Mic Lav von IK Multimedia.

Adapter nötig?

Vorsicht: Einige Lavaliermikrofone sind für normale Videokameras und nicht für Smartphones konzipiert. Dann brauchst Du einen zusätzlichen Adapter, der in der Kopfhörerbuchse des Smartphones den Mikrofon-Zugang erreicht.

In der Fachsprache wird dieser TRS-zu-TRRS-Adapter genannt.

Kompliziert? Wann Du welchen Adapter brauchst, erkläre ich in diesem Blogbeitrag.

Ansteckmik im Doppelpack

In Interviewsituationen hat das Lavaliermikrofon Nachteile: Wenn ich nur eines davon habe und dieses meiner Interviewpartnerin an die Bluse hefte, sind auf dem Video nur ihre Antworten gut hörbar – meine Fragen jedoch nicht.

Dafür gibt es aber eine tolle Lösung: Das iRig Mic Lav gibt es auch im Doppelpack. Mit dem Doppelstecker kann man zwei Mikrofone verbinden und beide direkt am Smartphone anschliessen. So ist das gesamte Gespräch in gutem Ton auf dem Video zu hören.

Zum iRig Mic Lav 2 Pack habe ich einmal einen Blogpost geschrieben.

In welchen Situationen sich ein Handmikrofon besser eignet und in welchen ein Ansteckmik, beschreibe ich in diesem Blogeintrag.

Weiter weg mit der Kamera

Wenn Du weiter von der Kamera weg bist, gibt es für die iRig Mic Lav’s noch ein Verlängerungskabel.

Mit den zusätzlichen 6 Metern hast Du beim Filmen mehr Spielraum. Damit Du zum Beispiel auch die Umgebung ins Bild nehmen kannst.

Ratgeber für eine komplette Ausrüstung

Stativ, Mikrofon – und allenfalls Adapter und Kabel: Das ist es schon! Wenn Du Dein Smartphone zu einer Profi-Kamera aufrüsten möchtest, brauchst Du also gar nicht viel.

Ich habe die Produkte, die ich empfehle, in einem PDF-Ratgeber zusammengestellt. Zum kostenlosen Download geht’s hier.

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Gutes Licht für Deine Videos (3/3): Das sind meine Lampen-Tipps

In meinen letzten zwei Blogeinträgen habe ich die Grundlagen des Arbeitens mit Licht erklärt:

(Hast Du Dir meinen Ratgeber zu diesen beiden Themen schon geholt? Dort hast Du alle Infos kompakt beieinander.)

 

Endlich gibt es preiswerte Lampen!

Wenn ich vor wenigen Monaten nach meinen Lichtempfehlungen gefragt wurde, habe ich jeweils LED Panels für 1000.- pro Stück empfohlen, weil ich einfach keine günstige, gute Variante kannte.

Als ich vor einigen Wochen bei Fotichästli vorbei ging und die verschiedenen Lampen in ihrem Sortiment sah, die gute Qualität haben und preiswert sind, wusste ich, jetzt ist es endlich Zeit, Lampen-Tipps zusammenzustellen.

In diesem Blogpost erkläre ich Dir verschiedene gängige Typen von Lampen, die beim Filmen verwendet werden, und liste ihre Vor- und Nachteile auf.

Dazu habe ich Dir ein PDF zusammengestellt, wo ich Dir verschiedene Modelle aufliste, die ich zum Kauf empfehle.

Softbox: Weiches Licht, einfach zu handeln

Vielleicht hast Du schon eines meiner Videos gesehen. Die filme ich meistens bei mir in meinem Büro. Für gutes Licht stelle ich jeweils zwei Softboxen auf.

Softboxen sind „Schirme“, die innen weiss oder silbern reflektierend sind und in der Mitte eine Lampe oder einen Blitz haben.

Softbox

Vorteile von Softboxen:

  • Sie geben weiches Licht, das nicht blendet. Auch die Schatten sind weich.
  • Falls Dein Interviewpartner eine Brille hat, gibt es mit Softboxen weniger Spiegelungen.
  • Einfach zu handeln! Mit Softboxen kannst Du nicht viel falsch machen.
  • Kaltes Licht, gut kombinierbar mit Tageslicht von draussen (z.B. Fenster als Hairlight).

Nachteile von Softboxen:

  • Das Aufstellen und Zusammenräumen ist eher aufwändig, wenn man die Box immer wieder zusammenbauen muss. Das kommt aber auch aufs Produkt an. Meine beiden Softboxen bleiben immer im Büro stehen und deshalb habe ich sie schnell aufgestellt.
  • Fixe Lichtstärke, nicht dimmbar (z.B. Softboxen als Key und Fill light wären gleich stark – nicht optimal).
  • Lichttemperatur nicht veränderbar (kalt).
  • Das Licht ist nicht so stark, man muss mit den Lampen relativ nah zum Gesicht. Wenn man nur alleine eine Moderation aufnimmt oder ein Einzelinterview filmt, ist das kein Problem. Aber bei einer Talk-Situation mit zwei oder mehr Personen wären die Lampen schnell mal im Bild.
  • Oft haben Softboxen nur ein Kabel und können nicht mit Akku betrieben werden. Auch hier wieder: Bei mir im Büro ist das kein Problem, aber wenn man unterwegs oder auch draussen filmt, muss man sich immer um den Stromanschluss kümmern.

LED-Panel: Starkes Licht, vielfältig einsetzbar

Wenn ich auf Dreh bin, habe ich zwei LED-Panels dabei. Das sind „Licht-Platten“, deren Fläche mit LED-Lämpchen bestückt ist.

LED-Panel

Vorteile von LED-Panels:

  • Starkes Licht. Und je grösser die Fläche, desto mehr LEDs und desto mehr Licht (im Ratgeber habe ich Panels in zwei verschiedene Grössen).
  • Dimmbar, je nach Stimmung oder wenn es jemanden blendet. Dann brennen einfach weniger Lämpchen.
  • Kann gut mit Akku betrieben werden (Sehr praktisch – früher kein Akku, würde ihn nicht mehr hergeben)

Nachteile von LED-Panels:

  • Hartes Licht – das heisst: mehr Schatten, es blendet eher, Vorsicht wegen Spiegelungen in der Brille.
  • Achtung: Es gibt LED-Panels mit Lüftung. Die darf man natürlich im Video nicht hören…

Es gibt verschiedene Modelle von LED-Panels:

  • Es gibt LED Panels, die sind nicht beweglich. Die steckt man gerade auf Lichtstativ und das Licht kommt dann von vorn. Ich gebe aber gerne Licht von oben, weil die Schatten schöner fallen und vor allem bei Brillenträger ist das wegen den Spiegelungen in der Brille sehr hilfreich.
  • Nur Kalt, plus „Diffuser“, das ist eine matte Kunststoffplatte) für weicheres Licht.
  • Mit Diffuser für Lichttemperatur (blaue oder gelbe Tafel). Das finde ich unpraktisch, weil das Licht dann meist extrem blau oder extrem gelb ist, und meistens braucht man etwas dazwischen.

    Verschiedene Diffuser

  • Bi-Color: Diese LED-Panels empfehle ich. Hier ist die Farbtemperatur stufenlos verstellbar, Lämpchen mit kaltem und warmem Licht werden einfach je nach Bedarf ein- oder ausgeschaltet. So kann ich die Lampe z.B. an das Raumlicht anpassen. Allerdings heisst das auch: Wenn ich nur warmes oder nur kaltes Licht will, leuchtet nur die Hälfte der Lämpchen. Ich empfehle wegen dieser Lichteinbusse eher das grosse LED-Panel. Je nachdem reicht aber auch die halbe Lichtstärke, denn die Kameras sind heute lichtstärker als früher.

Mein Tipp: Setze bei einer Dreipunkte-Ausleuchtung als Fill Light eine Softbox ein und nimm als Keylight ein LED-Panel, das stärker ist. Das ist eine schöne Kombi.

Spot für Hair-Light

Mit einem einzelnen Spot kannst Du punktuelles Licht setzen, zum Beispiel als Hair Light in der Dreipunkte-Ausleuchtung.

Spots haben in der Regel kaltes Licht, aber oft aufsteckbare Farbfilter (wie der im Ratgeber).

Was ist mit der integrierten Kameralampe?

Als Videojournalistin hatte ich ein Kameralicht dabei. Das Ziel war ja, schnell arbeiten zu können und nicht noch Lampen mit mir herumtragen und aufstellen zu müssen.

Das kleine Lämpchen, das in der Kamera oder im Smartphone eingebaut ist, kann das Gesicht der gefilmten Person zusätzlich etwas aufhellen. Es kann auch ein Strahlen ins Auge geben – das bezeichnen Profis als „Leben“ im Auge.

Licht besser von der Seite als von vorne

Das Kameralicht sollte aber nur im absoluten Notfall als Hauptlicht eingesetzt werden. Denn wenn das Licht frontal von vorne kommt, wirkt das Gesicht flach.

Im Ratgeber empfehle ich ein Modell von Fotichästli, das mit einer Querstange an der Kamera befestigt wird. Das heisst, das Licht kommt von der Seite. Das ist viel schöner als ein frontales Licht, denn es entstehen leichte Schatten, welche die Gesichtszüge betonen.

Low-Budget-Option: Anstatt der integrierten Kameralampe kannst Du auch die Taschenlampe eines anderen Smartphones als zusätzliche Lichtquelle verwenden. Am besten funktioniert das mit einer Taschenlampen-App mit unterschiedlichen Lichtstärken und Wärmegraden, und wenn Du das Smartphone auf einem Stativ befestigst.

Zusätzlich: Lichtstative und Akkus

Wenn Du eine Lampe kaufst, ist normalerweise kein Licht-Stativ dabei. Es muss zusätzlich bestellt werden.

Lampen haben standardmässig nur ein Kabel dabei. Akkus erleichtern das Filmen extrem, wenn man mobil sein will – ich würde meine nie mehr hergeben. Beim Bestellen von Akkus die entsprechenden Ladegeräte nicht vergessen!

Ratgeber „Ausrüstung Licht“

Damit Du alles zusammen hast und nichts vergessen geht, habe ich Dir einen Ratgeber zusammen gestellt mit meinen Empfehlungen für Lampen, Stative und Akkus. Du kannst den Ratgeber kostenlos herunterladen.

Welche Erfahrungen mit Videolicht hast Du gemacht? Ich würde mich über Deinen Kommentar freuen.

An dieser Stelle Danke an Fotichaestli.ch, das mir die Produkte zum Testen zur Verfügung gestellt hat!

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Gutes Licht für Deine Videos (2/3): Die Dreipunkte-Ausleuchtung

Im letzten Blogeintrag ging es darum, wie Du mit dem Licht vor Ort arbeiten kannst, wenn Du ohne zusätzliche Lampen filmst.

Oft musst Du in diesen Situationen Kompromisse eingehen. Du stellst zum Beispiel Deinen Interviewpartner nahe ans Fenster, um sein Gesicht schön von der Seite auszuleuchten – dafür hast Du im Hintergrund eine Wand mit unschönen Schreibzetteln.

3 Vorteile von Lampen

Das ist für mich der grösste Vorteil davon, mit Lampen zu arbeiten. Du kannst dort filmen, wo der Hintergrund optimal ist. Du musst keine Kompromisse eingehen und hast sowohl einen schönen Hintergrund als auch gutes Licht auf dem Gesicht Deines Interviewpartners.

Es gibt aber noch weitere Vorteile, wenn Du Lampen zur Verfügung hast:

  • Du kannst beim Bild durch die Beleuchtung mehr herausholen und auch vor hellem Hintergrund filmen.
  • Du hast immer genügend Licht dabei und bist nicht auf das Tageslicht oder das Raumlicht angewiesen.

So arbeiten Profis

Die Standard-Methode beim Arbeiten mit Lampen ist die Dreipunkte-Ausleuchtung. Es ist die klassische Ausleuchtung für Interviews, Moderationen etc.

Vorher: Wähle Deinen Hintergrund

Die Regeln, nochmals kurz zusammengefasst:

  • nicht zu unruhig (störende Gegenstände allenfalls entfernen, Tiefenunschärfe nutzen)
  • so wenig Text wie möglich – das Auge beginnt automatisch zu lesen (Ablenkung vom gesprochenen Inhalt)
  • falls vor einer Wand, genügend Abstand lassen, damit kein harter Schatten entsteht und es nicht aussieht, wie „Verbrecherbilder“

1. Key Light

Das Key Light ist das hellste Licht im Setting. Es sorgt dafür, dass Deine Interviewpartnerin gut zu sehen ist.

In der klassischen Dreipunkte-Ausleuchtung scheint das Key Light auf die Gesichtshälfte, die näher bei der Mitte des Bildes ist.

Die Lampe stellst Du möglichst nahe bei der gefilmten Person auf, aber so, dass sie nicht mehr im Bild ist. Ich stelle das Key Light jeweils etwas höher, damit das Gesicht schön in einem schrägen Winkel beleuchtet wird. Dadurch entstehen Schatten und das Gesicht erhält Struktur.

Damit diese Schatten auf der anderen Gesichtshälfte nicht zu dunkel sind, verwenden wir noch eine zweite Lampe:

2. Fill Light

Das Fill Light ist weniger stark als das Key Light. Es kommt ebenfalls von schräg vorne, die Lampe wird relativ nahe bei der gefilmten Person aufgestellt, scheint aber auf die andere Seite des Gesichts.

Wir nehmen dafür weicheres Licht als für das Key Light oder einen Reflektor. Als Fill Light können auch ein Fenster, eine weisse Wand oder ein reflektierender Flipchart dienen!

Mit der Stärke des Fill Light lässt es sich variieren: Wenn das Key Light eindeutig stärker ist, bleibt mehr Schatten und das gibt mehr Charakter ins Gesicht.

3. Hair Light (Back Light)

Das Hair Light (auch „Back Light“ genannt) leuchtet schräg oben auf den Hinterkopf der gefilmten Person (hartes Licht, z.B. Spot). Es gibt mehr Tiefe ins Bild und hebt die Person deutlicher vom Hintergrund ab.

Das Hair Light ist in der Dreipunkte-Ausleuchtung diejenige Lichtquelle, die man am ehesten weglassen kann. Wenn jemand zum Beispiel nicht mehr so viel Haar auf dem Kopf hat, betont man dies mit dem Hair Light eher noch – in diesem Fall lasse ich es weg.

Herausforderung Brillenträger

In der Brille spiegeln sich Lichtquellen. Die Augen sind dann unter Umständen nicht mehr zu sehen. Das macht das Filmen von Personen, die Brille tragen, schwierig – vor allem bei grossen Brillen, wie sie momentan Mode sind.

Beim Aufstellen der Lampen musst Du beachten, dass keine Reflexionen auftauchen. Und wenn es sich nicht vermeiden lässt, dann höchstens am Rand der Brille.

Mein Trick:

Oft hilft es, das Licht leicht von oben herab zu setzen. Dann fallen Reflexionen nicht auf die Augen.

Brille abnehmen – ja oder nein?

Wenn Dein Interviewpartner die Brille immer trägt, gehört sie zur Person. In diesem Fall unbedingt anbehalten.

Ist Deine Interviewpartnerin jedoch manchmal auch mit Kontaktlinsen oder ohne Brille unterwegs, kann sie die Brille für die Aufnahmen auch abnehmen.

Zweipunkte-Ausleuchtung ohne Lampen

Nicht immer hat man drei Lampen. Je nach Budget und je nachdem, wie man unterwegs ist.

Achte jedoch darauf, dass Du mindestens zwei Lichtquellen aufs Gesicht scheinen lässt! Zwei Lampen sind in jedem Fall besser als eine.

Wenn Du nur eine einzige Lampe oder nur ein Fenster mit Tageslicht hast (dazu der erste Blogpost dieser Licht-Serie: „Das Licht vor Ort richtig nutzen“), gibt es Tricks, wie Du noch ein Fill Light erhalten kannst:

  • Zwei Fensterfronten: In diesem Fall stellst Du den Interviewpartner in die Ecke, in der er oder sie von vorne und von seitlich beleuchtet wird. (Hast Du im Hintergrund eine zweite Fensterfront, also Gegenlicht, musst Du diese entweder verdunkeln oder die Perspektive wechseln.)
  • Aber auch eine Wand oder ein Flipchart, welche das Licht etwas reflektieren, können ein zweites Licht (Fill Light) auf das Gesicht geben. Das macht es heller und mildert die Schatten.

Ratgeber „Gutes Licht für Deine Videos“

Zur aktuellen Blogpost-Serie habe ich einen Ratgeber zusammengestellt. Er enthält Tipps, wie Du mit dem Licht vor Ort arbeiten kannst, aber auch kurz zusammengefasst die Erklärung zur Dreipunkte-Ausleuchtung. Hier kannst Du das PDF herunterladen.

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Gutes Licht für Deine Videos: Das Licht vor Ort richtig nutzen

Wenn jemand vor der Kamera steht und spricht, dann muss man das Gesicht dieser Person sehen. Vor allem ihre Augen. So erhält das, was gesprochen wird, Aufmerksamkeit.

Dafür ist es essenziell, dass das Gesicht gut ausgeleuchtet ist.

Mit diesem Blogeintrag beginne ich eine dreiteilige Serie zum Thema „Licht“: Damit deine Videos im besten Licht erscheinen.

Im ersten Teil erkläre ich Dir, wie Du ohne zusätzliche Ausrüstung gutes Licht erzielen kannst. Im zweiten Teil der Serie dann die Grundlagen fürs Filmen mit zusätzlichen Lichtquellen (die Dreipunkte-Ausleuchtung) und im dritten Teil einige Produkte-Tests und Kauf-Empfehlungen.

Ohne Licht-Equipment unterwegs

Wenn Du wissen willst, wie du Gutes Licht ohne Zusatzlampen hinkriegst, kannst Du dieses Video schauen, den Text unten lesen oder den „Ratgeber Licht“ gratis herunter laden. Oder natürlich eine Kombination wählen:-)

Wenn bei mir ein Dreh ansteht, bin ich meistens mit dem Auto unterwegs und habe Koffer mit Lampen und Licht-Stativen dabei. Aber als ich noch als Videojournalistin gearbeitet habe, fuhr ich mit Zug und Bus zu den Interviews. Dabei zog ich meinen Rollkoffer mit der Kamera hinter mir her und trug ein Stativ auf dem Buckel.

Zusätzliche Hilfsmittel für gutes Licht hatten keinen Platz. Abgesehen davon, dass ich im hektischen VJ-Alltag auch gar nicht die Zeit gehabt hätte, diese auch einzurichten.

Um in deinem Video gutes Licht zu haben, musst Du Dir also nicht unbedingt Lampen oder Scheinwerfer kaufen. Mit etwas Know-How kannst Du mit dem vorhandenen Licht viel machen.

Filmen in Innenräumen: Wo sind die Fenster?

Wenn Du vor einem Fenster filmst, mit Blick nach aussen, dann hast Du unter Umständen einen schönen Hintergrund. Aber Deine Interviewpartnerin ist nur als dunkle Silhouette zu erkennen.

Das kennt man auch aus der Fotografie: Gegenlicht gibt schwarze Silhoutten.

Das Fenster kannst Du aber als Lichtquelle nutzen.

Drehe Dich um 180 Grad, also stelle Deine Interviewpartnerin so, dass das Licht vom Fenster auf ihr Gesicht fällt. Du als Kameramann oder -Frau stehst so, dass Du das Fenster seitlich oder im Rücken hast.

Damit hast Du schon sehr schönes Licht. Ein Fenster ist grossflächig, leuchtet also das Gesicht schön aus. Und weil das Licht von der Seite kommt, entstehen keine Schatten unter den Augen. Zwei grosse Vorteile!

Deshalb die wichtigste Frage bei Interviews in Gebäuden: Wo sind die Fenster? Dorthin bringst Du Deinen Interviewpartner.

Raumlicht ausschalten

Wenn im Raum Licht an ist, schaltest Du dieses idealerweise aus. Dafür gibt es zwei Gründe.

1. Je dunkler der Raum ist und je heller das Gesicht, desto schöner ausgeleuchtet erscheint dieses. Das Gesicht sollte möglichst der hellste Punkt im Bild sein – das zieht die Aufmerksamkeit des Zuschauers an und das Gesprochene wird besser wahrgenommen.

Wenn es sich um eine künstlerische Entscheidung handelt, kannst Du natürlich auch eine Lampe oder ein anderes Licht ins Bild bringen. Grundsätzlich gilt aber die Regel, die ich soeben beschrieben habe.

2. Warmes und kaltes Licht sollte man nicht mischen. Tageslicht ist kalt, künstliches Raumlicht meistens warm. Wenn die beiden Lichtquellen vermischt sind, weiss der automatische Weissabgleich nicht so recht, ob nun warmes oder kaltes Licht die Referenz ist. Wenn der Weissabgleich nicht stimmt, wird das Gesicht im kalten Licht eher bläulich.

Filmen in Räumen ohne Fenster

Am frühen Morgen oder wenn die Sonne schon weg ist, nützen Dir Fenster nicht mehr als Lichtquelle. Es gibt auch Räume, in denen gar kein natürliches Licht vorhanden ist.

In diesem Fall suche ich immer zuerst die Lampen. Zum Beispiel die Deckenbeleuchtung.

Nun stellst Du Deinen Interviewpartner (oder Dich selbst, je nach Aufnahme) so auf, dass das Licht der Deckenlampe schön auf das Gesicht fällt und es keine Augenschatten gibt. In dem Beispiel unten funktioniert die Deckenlampe sehr gut.

 

Falls es Lampen hat, die von der Seite Licht geben, würde ich zuerst diese ausprobieren. Meistens gibt das weniger Schatten unter den Augen.

Oft ist es möglich, in einem Raum das Licht zu verändern oder umzustellen – nutze diese Möglichkeiten!

Unter freiem Himmel

Draussen gelten genau die gleichen Regeln wie diejenigen, die ich für das Filmen in Innenräumen beschrieben habe: Interviewpartnerin oder Moderator brauchen Licht auf dem Gesicht, die Augen müssen zu erkennen sein.

Das funktioniert am besten, wenn es bewölkt ist, oder aber am Morgen oder am späteren Nachmittag/Abend. Denn dann scheint die Sonne nicht mehr von oben herab, sondern tief seitlich ins Gesicht. Sowohl Interviewpartnerin als auch Hintergrund sind hell.

 

Wenn die Sonne hoch am Himmel steht, gibt es harte Schatten auf dem Gesicht. Der Kontrast ist sehr stark und Falten werden unschön betont. Und wenn es sehr hell ist, kneift Dein Interviewpartner die Augen zu. Eine Sonnenbrille ist da natürlich keine Lösung – man soll die Augen ja sehen! 😉 In diesem Beispiel sieht man die Augen auch ohne Sonnenbrille nicht.

 

So funktioniert’s: Geh mit Deinem Interviewpartner weg vom direkten Sonnenlicht. Dabei ist wichtig: Auch der Hintergrund muss im Schatten liegen, damit das Bild ausgeglichen ist.

 

Wenn nur die gefilmte Person im Schatten ist, aber der Hintergrund sonnig, ist entweder die Person zu dunkel…

 

…oder, wenn du die Belichtung an der Kamera anpasst, der Hintergrund überbelichtet.

 

Ein Baum taugt nicht als Schattenspender, denn durch die Blätter scheint immer wieder Sonnenlicht durch. Das kann unschöne helle Flecken auf die gefilmte Person geben.

HDR: Bald auch bei Video?

Wenn Hinter- und Vordergrund unterschiedlich hell sind, kann man das bei Fotos mit HDR etwas ausgleichen. Dabei werden mehrere Bilder auf einmal aufgenommen, jedes mit unterschiedlicher Belichtung. Die Kamera baut diese Bilder dann so zusammen, sodass sowohl Vorder- und Hintergrund schön ausgeleuchtet sind.

Der gleiche Effekt für Videos zu erzeugen, braucht viel mehr Rechenleistung als bei einem Foto. Für ein HDR Foto kombiniert die Kamera 2 bis 3 Bilder. Für ein Video müssen alle Frames doppelt oder dreifach abgelichtet werden. Es gibt zwar bereits HDR Videos, aber noch nicht für den „Normal-User“ Bereich.

 

Und was ist mit dem Hintergrund?

Es kann ein Problem sein, dass Du so den Hintergrund nicht frei auswählen kannst. Doch wenn man das Gesicht der gefilmten Person nicht erkennt, interessiert auch der Hintergrund niemanden. Licht hat erste Priorität, Hintergrund zweite.

Generell sollte der Hintergrund möglichst ruhig sein und Tiefe geben. Lösungen dafür:

  • Interviewpartner nicht direkt vor eine einfarbige Wand – das gibt wegen dem entstehenden Schatten „Verbrecherbilder“
  • Bilder wenn nötig abhängen, störende Gegenstände entfernen
  • Beim Filmen mit DSLR-Kamera: Tiefenunschärfe nutzen, um den Hintergrund ruhiger zu machen (Blogeintrag dazu: „Wie erzeuge ich geringe Tiefenschärfe beim Filmen mit Smartphone?“)
  • Alternativ: Kamera etwas weiter wegstellen und zoomen – auch das gibt leichte Tiefenunschärfe

 

Ratgeber „Gutes Licht für Deine Videos“

Die wichtigsten Tipps aus diesem Blogeintrag habe ich in einem Ratgeber zusammengefasst. Hier kannst Du das PDF herunterladen. Darin enthalten ist auch die „Dreipunkte-Ausleuchtung“, auf die ich im nächsten Teil dieser Blog-Serie eingehen werde. Im dritten Teil der Serie geht es dann um Ausrüstungs-Tipps (mit einem zusätzlichen Ratgeber dazu).

Viel Spass beim Ausprobieren! Wie immer freue ich mich, wenn Du mir von Deinen Erfahrungen erzählst.

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Im Test: Zusatz-Objektive fürs Smartphone

Fischauge, Makro, Teleobjektiv: Für Smartphones gibt es diverse Objektive, die man zusätzlich kaufen kann. Das bedeutet: mehr Möglichkeiten beim Filmen und Fotografieren mit dem Smartphone.

Ich selber hatte bisher nicht viele zusätzliche Objektive im Einsatz. Denn wenn ich mit meinem iPhone filme, geschieht dies meist spontan. Weil ich aber häufig gefragt werde, ob ich Aufstecklinsen oder zusätzliche Objektive empfehlen kann, habe ich nun einige Modelle getestet – und zwar nicht nur fürs iPhone.

Im Video stelle ich Dir die Linsen vor. Im Text unten kannst Du alles nochmals ausführlich nachlesen.

Eine Kurzübersicht  über alle Zusatzlinsen findest Du im PDF „Objektive zum Filmen mit dem Smartphone“, welches Du gratis herunterladen kannst. Ich habe Dir auch alle Objektive zu einem online Shop verlinkt.

Billige No-Name-Objektivsets

Es gibt im Internet unzählige billige Objektivsets zu kaufen. Auch ich habe vor etwa einem Jahr mal ein solches bestellt. Und die Objektive sehr bald in den Müll geworfen. Die Qualität ist zu schlecht: Es gibt einen schwarzen Rand im Bild und die Linsen verrutschen die ganze Zeit oder passen von Anfang an nicht richtig.

Hier gibt es wirklich einen grossen Unterschied zu den teureren Produkten, die ich euch im Folgenden vorstellen werde.

olloclip Active Objektivset

olloclip Active Objektivset

Das olloclip Active Objektivset besteht aus einem Teleobjektiv mit 2 x optischem Zoom und einem Weitwinkel. Weitwinkel wird auch „Action Camera“-Sichtfeld genannt, weil viel mehr ins Bild kommt, aber nicht so verzogen wie beim Fischauge.

Es gibt von olloclip auch ein Set mit Fischauge, Weitwinkel und Makroobjektiv; das olloclip Core Set.

Vorteile: Das Bild ist schön, klar und es gibt keine schwarzen Ränder.

Mit dem iPhone 7 Plus ist das Teleobjektiv besonders cool: Dieses iPhone verfügt ja bereits über einen 2x-Zoom in der einen Linse. Indem das olloclip-Teleobjektiv auf dieser Linse positioniert wird und ich diese bei Filmen gezielt anwähle (ist z.B. in Apps wie Filmic Pro oder Pro Camera möglich), habe ich sogar einen 4x optischen Zoom. Somit wird die Dualkamera voll ausgenutzt.

Weiterer Vorteil: Die  Linsen sind robust und das Anstecksystem durchdacht: Am Clip kann ich beide Linsen befestigen, dann je nach Situation den Clip umgedreht aufstecken und so ganz schnell zwischen den beiden Objektiven wechseln.

Dazu gibt es einen Anhänger, mit dem ich den olloclip z.B. an meiner Tasche befestigen kann.

Nachteile: Der olloclip, den ich mir gekauft habe, ist für iPhone 7 und 7 Plus geeignet. Für andere iPhones oder Smartphones passt er nicht und es stellt sich auch die Frage, ob er zum Nachfolgermodell, dem kommenden iPhone 8, passen wird.

Zweiter Nachteil: olloclip ist nur für iPhone erhältlich. Es gab olloclip auch mal für frühere Modelle des Samsung Galaxy, für die aktuellen Galaxy-Smartphones gibt es die Objektive aber nicht mehr.

Preis: Bei Apple kostet das olloclip Active Objektivset ca. CHF 160.

ExoLens mit ZEISS Optik

ExoLens mit ZEISS Optik

ZEISS stellt sehr hochwertige, gute Objektive her, und die gibt es jetzt auch für das Smartphone. Es gibt ExoLens-Objektive sowohl für iPhone als auch für das Samsung Galaxy S6. Eine Freundin lieh mir ihr Galaxy mit den beiden passenden ExoLens-ZEISS-Objektiven zum Ausprobieren aus.

Makro- und Teleobjektiv finde ich eine gute Kombination: Wenn ich mir eine Kombination aussuchen könnte, wären dies genau die beiden Linsen, die ich wählen würde.

Für die Makro-Aufnahmen musste ich sehr nahe ans Objekt heran, dass es wirklich scharf wurde und man die Details sah. Das Video wurde deswegen ziemlich verwackelt. Doch gerade weil man so nahe ans Objekt herangeht, ist es sehr schwierig, mit einem Stativ zu arbeiten. Fazit: Für Fotos ist das Makro-Objektiv wunderbar und es gibt wirklich schöne Aufnahmen. Zum Filmen ist es weniger geeignet.

Das Teleobjektiv hingegen ist auch zum Filmen praktisch. Ich war am See und habe die Schwäne und Enten gefilmt, und mit dem Zoom komme ich näher ran, ohne dass der Schwan gleich beisst 😉

Vorteile: Die Bilder sind wirklich sehr schön und die Kombination Makro- und Teleobjektiv macht Sinn.

Nachteile: Wie erwähnt, ist das Makro-Objektiv zum Filmen eher nicht geeignet. Zudem ist das Objektivset, das ich getestet habe, ist nur fürs Samsung Galaxy S6 geeignet. Schon beim Galaxy S7 passt es nicht mehr. Auch das Objektivset für iPhone 6 und 7 passt beim iPhone 7 Plus bereits nicht mehr.

Preis: Fürs Galaxy-Objektiv gibt man rund 116 € aus, fürs iPhone-Modell im Apple Store sogar CHF 240. Dafür, dass man die Linsen nur mit einzelnen Modellen verwenden kann, ein hoher Preis.

Samsung-Set für Galaxy S7

Ich freue mich immer, wenn Blog-Leserinnen oder Leser mit mir Kontakt aufnehmen und mir ihre Erfahrungen weitergeben. So hat mich André Häring von „Aug & Ohr“ kontaktiert. Er besitzt ein Objektiv-Set für das Samsung Galaxy S7, hergestellt von Samsung selber.

Samsung Lens Cover ET-CG930 für Galaxy S7 (Bild: Samsung)

André hat für mich ein Video aufgenommen, in dem er das Set vorstellt. Ihr könnt es euch in meinem YouTube-Video zu diesem Blogeintrag anschauen. Ich fasse seine Erfahrungen zusammen:

Vorteile: Das Set, bestehend aus Tele- und Weitwinkel-Objektiv, Halterung und Abdeckungen, ist schön verarbeitet. Die Objektive sind wertig, aus Metall und mit Glaslinsen, und gut verpackt. Die Objektive werden in die Halterung geschraubt, danach wird die Halterung, eine Art Cover, auf das Smartphone gesteckt. Die Halterung passt perfekt auf das Galaxy S7.

Das Objektiv wird in die Halterung geschraubt. (Screenshot Video André Häring)

Auf mich machen die Linsen im Video einen guten Eindruck, die Bildqualität ist gut und die Verarbeitung, wie bereits erwähnt, ebenfalls.

Dieses Set ist nur fürs Galaxy S7 geeignet. Da das Set aber von Samsung selber stammt, ist die Chance gross, dass sie zu Nachfolgermodellen einfach ein neues Case produzieren, mit dem die Linsen weiterhin zu verwenden sind.

Preis: Online ist das Set direkt bei Samsung erhältlich und kostet rund CHF 90. Ein fairer Preis.

Sony Cybershot (DSC-QX10)

Eine Kamera, verpackt in einem Objektiv: Sony Cybershot DSC-QX10.

Dieses Objektiv von Sony habe ich schon seit drei Jahren. Es ist ein unabhängiges Objektiv, das sich mit dem Smartphone verbinden lässt. Das Smartphone dient nur noch als Display.

Das Objektiv kann entweder unabhängig verwendet oder ans Smartphone angesteckt werden. (Fürs iPhone 7 Plus funktioniert die Halterung gerade noch.)

Vorteile: Ein grosser Vorteil des Cybershot-Objektivs ist die hervorragende Bildqualität. Es verfügt über einen 10x optischen Zoom und einen optischen Bildstabilisator.

Diese Unabhängigkeit gibt viele Möglichkeiten für Kameraperspektiven: Ich kann das Objektiv zum Beispiel ins Gras legen und sehe auf dem Smartphone aus der Froschperspektive, wenn meine Protagonisten daran vorbeigehen. Wenn das Objektiv mal zu weit weg vom Smartphone sein sollte, dann sehe ich das mit einem Symbol auf dem Display. (Für andere Möglichkeiten eines externen Monitors beim Filmen mit Smartphone, siehe dieser Blogeintrag.)

Das Objektiv ist für verschiedene Smartphone-Modelle geeignet. Ich habe es mit dem iPhone 5 und 7 Plus getestet.

Nachteile: Die Verbindung zum Smartphone ist sehr langsam. Das Cybershot-Objektiv wird mit einer App verwendet, die ein WiFi aufbaut und sich mit dem Smartphone verbindet. Für Fotos und Filmaufnahmen ohne viel Bewegung funktioniert das einwandfrei. Ansonsten ist die Übertragung aber immer etwas verzögert oder stockt sogar.

Ein weiterer Nachteil ist, dass beim Filmen die Dateien nur auf der internen SD-Karte gespeichert werden. (Beim Fotografieren landen sie direkt auf dem iPhone-Speicher.) Wenn ich schon mit meinem Smartphone filme, möchte ich die Videos auch gleich anschauen oder schneiden können.

Zum Filmen würde ich dieses Objektiv also nicht empfehlen.

Preis: Bei Digitec.ch ist das Sony Cybershot DSC-QX10 zwar aufgeführt, aber auf unbestimmte Zeit nicht lieferbar. Bei Amazon kostet es 350 €. Für diesen Preis kauft man besser gleich eine richtige Kamera.

Beastgrip

Beastgrip mit verschiedenen Linsen.

Beim Recherchieren zu Objektiven für das Smartphone lernte ich Célia kennen. Sie ist auf Instagram sehr aktiv und macht tolle Bilder.

Ich traf Célia in Zürich, wo sie mit ihr „Beastgrip“ vorstellte. Das ist eine Konstruktion, in die man verschiedene Smartphones hineinschrauben und dann ein Objektive aufstecken kann.

Vorteile: Das Beste am Beastgrip ist, dass die Grösse verstellbar ist. Ich kann also alte iPhones einsetzen, aber auch mein iPhone 7 Plus, Samsung Galaxy – sogar das iPad Mini könnte man noch damit verwenden. Durch die verstellbare Konstruktion halten sie alle sehr gut.

Vorne setzt man dann verschiedene Objektive ein. Zum Beastgrip gehören ein Weitwinkel mit Fischauge und ein Weitwinkel mit Makro.

Es gibt aber auch einen Adapter, mit dem man beliebige Canon- oder Nikon-SLR-Objektive am Beastgrip befestigen kann. Damit kriegt man Bilder im Film-Look mit viel Tiefenunschärfe, wie es sonst mit dem Smartphone nicht möglich ist.

Das Beastgrip kann man gut in der Hand halten und beim Filmen führen, ich kann es aber auch einfach auf ein Stativ schrauben.

Das Beastgrip im Test.

Preis: Das Set mit Beastgrip-Halterung, Weitwinkel-Fischauge, -Makro und Adapter für SLR-Objektive kostet direkt bei Beastgrip 335 $. Sets mit einzelnen dieser Bestandteile sind entsprechend günstiger.

Fazit: Das Beastgrip finde ich wirklich toll, vor allem, weil man mit verschiedenen Smartphones und Objektiven arbeiten kann.

Machen zusätzliche Objektive fürs Smartphone Sinn?

Vor allem beim Beastgrip drängt sich die Frage auf, warum man bei dem ganzen Equipment-Aufwand nicht gleich eine DSLR-Kamera verwendet. Macht es Sinn, ein solches Gerüst zu kaufen und Adapter für teure Objektive?

Ich persönlich werde mir kein Beastgrip kaufen. Der Grund: Zum Fotografieren mit dem Smartphone, zum Beispiel für Instagram, habe ich gerne die kleinen olloclip-Objektive oder das Sony Cybershot dabei. Diese reichen mir für Zoom- oder Weitwinkel-Aufnahmen völlig.

Wenn ich mit dem Smartphone filme, dann mache ich dies vor allem spontan und ohne zusätzliches Equipment. Wenn ich hingegen geplant filme, verwende ich lieber meine professionelle Ausrüstung, also meine Lumix GH4 oder Sony FS5. Da brauche ich kein zusätzliches Beastgrip.

3 Gründe für zusätzliche Objektive

Es gibt aber durchaus Gründe, warum ein zusätzliches Objektiv für das Smartphone in gewissen Situationen Sinn macht:

1. Kein Umweg über den Computer

Journalisten, die etwa ein Interview filmen und dieses möglichst schnell auf die Redaktion schicken sollen, können dies direkt vom Smartphone aus tun. Der Umweg über einen Computer, den man etwa mit einer Handycam nehmen muss, entfällt. Mit einem zusätzlichen Objektiv hat man aber trotzdem schönere Bilder als mit der einfachen Smartphone-Kamera.

2. Produktion direkt auf dem Smartphone

Wenn man das Video auf dem Smartphone filmt und auch gleich auf diesem Gerät bearbeitet, ist man in der Produktion einfach am schnellsten. Das fertige Video kann man danach auch direkt auf YouTube hochladen. Auch hier können zusätzliche Objektive für mehr Möglichkeiten und bessere Bildqualität sorgen.

3. Live-Videos

Das Smartphone macht es heute möglich, dass wir mit Facebook, Instagram etc. sehr einfach live in die ganze Welt streamen können. Wenn ich ein Teleobjektiv habe, komme ich auch bei einem Live-Video näher heran, zum Beispiel, wenn ich draussen unterwegs bin und aus der Entfernung etwas heranholen möchte.

Ich würde mich freuen, in den Kommentaren von euch zu lesen, welche Objektive ihr verwendet und was ihr für Erfahrungen damit macht!

PDF-Ratgeber

Die verschiedenen Objektive mit Vor- und Nachteilen sowie den Infos zu Preis und Onlineshops habe ich euch in einem kleinen PDF-Ratgeber zusammengestellt. Du kannst ihn mit einem Klick aufs Bild herunterladen.


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Q&A: Wie erzeuge ich geringe Tiefenschärfe beim Filmen mit Smartphone?

Hallo Judith,

Ich habe eine Frage zum Fokus. Wie kriege ich geringe Tiefenschärfe hin?

Manchmal gelingt es mir, auf ein Objekt im Vordergrund zu fokussieren, sodass der Hintergrund unscharf wird. Aber dann kann ich nicht zwischen den beiden Ebenen wechseln. Manchmal schaffe ich es auch gar nicht, überhaupt einen unscharfen Hintergrund hinzubekommen.

Gibt es da eine besondere Herangehensweise oder Tricks? Hat es eventuell etwas mit der Belichtung zu tun, oder mit meinem iPhone? Ich komme da nicht weiter.

Vielen Dank für deine Hilfe. 

Liebe Grüße aus Deutschland

S.

Hallo S.,

vielen Dank für Dein Mail und Deine Anfrage. Ich benutze für die geringe Tiefenschärfe den Begriff „Tiefenunschärfe“, denn dies beschreibt meiner Meinung nach besser und verständlicher, worum es geht. Tiefenunschärfe ist ein Effekt, der ganz vielen Leuten gefällt. Das Hauptobjekt kommt schön zur Geltung, und man kann einen unruhigen Hintergrund kaschieren. Die Gestaltungsmöglichkeiten beim Filmen sind also grösser.

Mit dem Smartphone bringst Du nicht so viel Tiefenunschärfe hin wie etwa mit einer DSLR-Kamera, aber dazu noch etwas später. Um aber grundsätzlich einen unscharfen Hintergrund zu erzeugen, kannst Du folgendes ausprobieren:

Nahe heran ans Objekt

Nimm ein Glas und stelle es auf einen Tisch (oder etwas ähnliches), der relativ weit von der Wand weg ist. Nun gehe mit dem Smartphone möglichst nah ans Glas heran, damit es richtig gross im Bild ist. Das Glas soll das Bild aber nicht ganz füllen, der Hintergrund soll noch zu sehen sein.

Tippe das Glas auf dem Bildschirm an. Der Fokusrahmen auf dem Display bewegt sich dann dorthin und das Glas wird scharfgestellt. Wenn Du genug weit weg bist vom nächsten Hintergrund, wird dieser jetzt unscharf. So erzeugst Du Tiefenunschärfe.

 

Ich bin nah am Glas, der Hintergrund ist weit weg, ich habe Tiefenunschärfe.

 

Ich bin nicht mehr nah am Glas und habe gleich viel weniger Tiefenunschärfe.

Fokus manuell verschieben

Nun tippe auf den Hintergrund, damit dieser scharfgestellt wird. Jetzt sollte das Glas eher unscharf sein.

Glas ist unscharf, der Hintergrund ist scharf.

Du kannst so auch während dem Filmen zwischen Vorder- und Hintergrund wechseln, wie Du es in Deiner Frage beschreibst.

Eine sogenannte „Schärfenfahrt“, bei der sich der Fokus langsam von einer Ebene zur anderen verschiebt, kriegst du leider mit der iPhone-Kamera-App nicht richtig hin. Wenn Du das möchtest, empfehle ich dir zum Beispiel die App Filmic Pro: Sie verfügt über einen „Slider“ für den Fokus. Den kannst du langsamer verschieben, wenn Du eine Schärfenfahrt erhalten möchtest.

Wie bekomme ich eine geringe Schärfentiefe?

Die Tiefenschärfe wird durch vier Faktoren beeinflusst: Sensor der Kamera – Abstand zum Objekt – Brennweite – Blendenzahl.

Je grösser der Sensor der Kamera ist, desto mehr Unschärfe kann ich ins Bild bringen. Im Smartphone steckt ein kleiner Sensor. Wie oben gezeigt, kannst Du jedoch mit dem Smartphone auch mit Nähe zu einem Objekt Tiefenunschärfe produzieren.

Die Brennweite bei einer Kamera veränderst Du, indem Du zoomst. Je grösser die Brennweite ist, desto geringer ist die Tiefenschärfe. Das heisst, je näher Du heranzoomst, desto unschärfer wird der Hintergrund. Die meisten Smartphones haben aber keinen optischen Zoom, also keine Linse, bei der die Brennweite verändert werden kann.

Ist die Blende weit offen, hast Du eine kleine Blendenzahl und Tiefenunschärfe. Das iPhone 7 hat eine Blende von f1,8, was eigentlich eine sehr kleine Blende ist. Trotzdem ist es schwierig, den Hintergrund unscharf zu halten. Das zeigt, dass die Blende nicht der wichtigste Faktor in Bezug auf die Tiefenschärfe ist, auch wenn das oft geglaubt wird.

Das iPhone hat einen kleinen Sensor, und schon das macht Tiefenunschärfe schwierig; die kleine Brennweite durch den fehlenden Zoom kommt noch dazu. Viel besser für Aufnahmen mit Tiefenunschärfe geeignet als Smartphones sind Kameras mit Wechselobjektiven (DSLR, Systemkameras, Cinema Cameras). Dank grossem Sensor und kleiner Brennweite bringe ich auch mit einer f4 Blende mehr Tiefenunschärfe ins Bild als mit dem Smartphone mit der f1.8 Blende. 

Wenn Du noch mehr darüber erfahren willst, wie Tiefenschärfe funktioniert, empfehle ich Dir den entsprechenden Artikel bei digitaler-fotokurs.de. Er ist etwas ausführlicher, aber doch nicht zu technisch.

Ablenkung reduzieren mit Tiefenunschärfe

Der schöne Effekt der Tiefenunschärfe kann auch nützlich sein: Gerade gab ich eine Schulung bei der Firma Adesso. Die Teilnehmenden diskutierten, ob sie ihre Statements mit dem Smartphone oder mit einer Canon EOS 100D aufnehmen sollten.

Ich plädierte für die Canon, gerade wegen der Möglichkeit der Tiefenunschärfe. Die Interviews wurden nämlich in einem Büro aufgezeichnet, das heisst, es waren Bilder und Bücherregale an den Wänden. Diese können Kontraste und Struktur ins Bild geben, damit wird das Bild spannend. Mit dem Smartphone gefilmt, sieht man aber jeden Buchstaben und jeden Strich – und das lenkt von der sprechenden Person ab.

Mit der Canon-DSLR-Kamera und der entsprechenden Blendenzahl verschwindet der Hintergrund und die Person oder das Objekt im Vordergrund erhalten im Video die ganze Aufmerksamkeit.

Wenn Du mit dem Smartphone beim Interview einen unscharfen Hintergrund hinkriegen willst, musst Du doch recht nah ran:

Schau mir ins Auge, Kleiner 🙂

Zwei verschiedene Brennweiten beim iPhone 7 Plus

Das iPhone 7 Plus besitzt zwei Linsen statt nur eine. Deshalb kann ich die Brennweite verändern. Die erste Linse ist ein Weitwinkel mit einer Brennweite von 28 mm (wie die Linse beim iPhone 7). Die zweite Linse ist ein Teleobjektiv und hat eine Brennweite von 56 mm. Wenn ich also von der ersten auf die zweite Linse wechsle, kann ich zweifach zoomen, bekomme also mehr Tiefenunschärfe:

Das Glas ist zwar grösser im Bild, aber ich war mit der Kamera weiter weg als bei den Bildern vorher.

Porträtmodus beim iPhone 7 Plus

Die Dualkamera des iPhone 7 Plus kommt vor allem beim „Porträtmodus“ zum tragen. Das Teleobjektiv fokussiert den Kopf des Gesprächspartners, das Weitwinkelobjektiv bildet den Hintergrund ab und die Software kombiniert danach die beiden Fotos und macht den Hintergrund unscharf. Dank diesem Modus kann ein viel stärkerer Tiefeneffekt („Bokeh“) erzeugt werden.

Poträtmodus beim iPhone 7 Plus.

 

Aufnahme nur mit Teleobjektiv des iPhones 7 Plus.

 

Aufnahme mit Weitwinkellinse des iPhones 7 Plus. Wegen der hohen Tiefenschärfe kommen mehr Informationen ins Bild, und wegen des Weitwinkels auch mehr in der Breite. Somit habe ich viel mehr Ablenkung.

Leider funktioniert der Porträtmodus nur beim Fotografieren. Beim Filmen bräuchte es wegen der vielen Aufnahmen pro Sekunde sehr viel Rechenleistung. So ist dieser Vorteil im Videobereich (noch) nicht nutzbar.

Lieber S., die Antwort wurde jetzt ausführlicher als ich geplant hatte 🙂 Gib mir doch ein Feedback, ob das Experiment mit dem Glas geklappt hat! Und Du lieber Blogleser, liebe Blogleserin auch.

Herzlich

Judith

 

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„Hilfe – mein Mikrofon funktioniert nicht!“

Da kauft man sich ein Mikrofon mit Klinkenstecker, schliesst es am Smartphone an, und – nichts. Kein Ton auf der Aufnahme. Was ist falsch gelaufen? Warum funktioniert das Mikrofon nicht?

Ich kann Dich beruhigen: Für das Problem gibt es eine simple Lösung. Du musst Dein Mikrofon nicht zurückschicken 😉 Die Antwort liegt in der Technik des Klinkensteckers.

Der Anschluss fürs Mikrofon ist versteckt

Das Smartphone hat eigentlich keinen Mikrofoneingang. Aber da es in den Smartphone-Kopfhörern ein kleines Mik zum Telefonieren hat, hat Apple und Co. in der Kopfhörerbuchse einen Mikrofoneingang „versteckt“.

Wenn du das Kabel des Original-Kopfhörers mit integriertem Mikrofon anschaust, siehst du, dass dort drei Ringe sind. Bei einem normalen Kopfhörerstecker mit 3,5mm-Klinke sind es nur zwei. Ebenfalls nur zwei Ringe haben Mikrofone mit Klinkenstecker, die nicht speziell für Smartphones entwickelt worden sind. Mit dem dritten Ring können die iPhone-Kopfhörer den versteckten Mikrofonanschluss aktivieren.

Vergleich: TRS-Stecker (mit zwei Ringen) und TRRS-Stecker (drei Ringe).

Mit einem Adapter geht’s

Der Anschluss mit zwei Ringen heisst „TRS“, der mit drei Ringen „TRRS“. Damit unser normales Mikrofon auch an diesem versteckten Anschluss andocken kann, braucht es einen Adapter: TRS zu TRRS. Damit kannst Du jedes normale Mikrofon auch an ein Smartphone anschliessen.

TRS zu TRRS-Adapter (Bild: Digitec)

Umgekehrt ist es, wenn Du ein Mik für das Smartphone hast (z.B. Røde Smart Lav+): Dann kannst Du dieses mit einem TRRS-zu-TRS-Adapter auch an eine Videokamera anschliessen. 

TRRS zu TRS-Adapter (Bild: Digitec)

Für alle Fälle ausgerüstet

Übrigens: Sogar ein Mik mit XLR-Anschluss kannst Du mit dem Smartphone verwenden. Dafür empfehle ich Dir den Adapter iRig Pre.

iRig Pre (Bild: Digitec)

Kennst Du meinen Ratgeber „Das Mikrofonset für alle Fälle“ schon? Auch die beiden TRS/TRRS-Adapter sind dort drin. Damit Du beim Filmen für alle Situationen gerüstet bist!

Das kleine Kabel macht es möglich: Du brauchst nur ein Mikrofon, aber kannst das Kabel mit Smartphone und Videocam verbinden!

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