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Im Test: Zusatz-Objektive fürs Smartphone

Fischauge, Makro, Teleobjektiv: Für Smartphones gibt es diverse Objektive, die man zusätzlich kaufen kann. Das bedeutet: mehr Möglichkeiten beim Filmen und Fotografieren mit dem Smartphone.

Ich selber hatte bisher nicht viele zusätzliche Objektive im Einsatz. Denn wenn ich mit meinem iPhone filme, geschieht dies meist spontan. Weil ich aber häufig gefragt werde, ob ich Aufstecklinsen oder zusätzliche Objektive empfehlen kann, habe ich nun einige Modelle getestet – und zwar nicht nur fürs iPhone.

Im Video stelle ich Dir die Linsen vor. Im Text unten kannst Du alles nochmals ausführlich nachlesen.

Eine Kurzübersicht  über alle Zusatzlinsen findest Du im PDF „Objektive zum Filmen mit dem Smartphone“, welches Du gratis herunterladen kannst. Ich habe Dir auch alle Objektive zu einem online Shop verlinkt.

Billige No-Name-Objektivsets

Es gibt im Internet unzählige billige Objektivsets zu kaufen. Auch ich habe vor etwa einem Jahr mal ein solches bestellt. Und die Objektive sehr bald in den Müll geworfen. Die Qualität ist zu schlecht: Es gibt einen schwarzen Rand im Bild und die Linsen verrutschen die ganze Zeit oder passen von Anfang an nicht richtig.

Hier gibt es wirklich einen grossen Unterschied zu den teureren Produkten, die ich euch im Folgenden vorstellen werde.

olloclip Active Objektivset

olloclip Active Objektivset

Das olloclip Active Objektivset besteht aus einem Teleobjektiv mit 2 x optischem Zoom und einem Weitwinkel. Weitwinkel wird auch „Action Camera“-Sichtfeld genannt, weil viel mehr ins Bild kommt, aber nicht so verzogen wie beim Fischauge.

Es gibt von olloclip auch ein Set mit Fischauge, Weitwinkel und Makroobjektiv; das olloclip Core Set.

Vorteile: Das Bild ist schön, klar und es gibt keine schwarzen Ränder.

Mit dem iPhone 7 Plus ist das Teleobjektiv besonders cool: Dieses iPhone verfügt ja bereits über einen 2x-Zoom in der einen Linse. Indem das olloclip-Teleobjektiv auf dieser Linse positioniert wird und ich diese bei Filmen gezielt anwähle (ist z.B. in Apps wie Filmic Pro oder Pro Camera möglich), habe ich sogar einen 4x optischen Zoom. Somit wird die Dualkamera voll ausgenutzt.

Weiterer Vorteil: Die  Linsen sind robust und das Anstecksystem durchdacht: Am Clip kann ich beide Linsen befestigen, dann je nach Situation den Clip umgedreht aufstecken und so ganz schnell zwischen den beiden Objektiven wechseln.

Dazu gibt es einen Anhänger, mit dem ich den olloclip z.B. an meiner Tasche befestigen kann.

Nachteile: Der olloclip, den ich mir gekauft habe, ist für iPhone 7 und 7 Plus geeignet. Für andere iPhones oder Smartphones passt er nicht und es stellt sich auch die Frage, ob er zum Nachfolgermodell, dem kommenden iPhone 8, passen wird.

Zweiter Nachteil: olloclip ist nur für iPhone erhältlich. Es gab olloclip auch mal für frühere Modelle des Samsung Galaxy, für die aktuellen Galaxy-Smartphones gibt es die Objektive aber nicht mehr.

Preis: Bei Apple kostet das olloclip Active Objektivset ca. CHF 160.

ExoLens mit ZEISS Optik

ExoLens mit ZEISS Optik

ZEISS stellt sehr hochwertige, gute Objektive her, und die gibt es jetzt auch für das Smartphone. Es gibt ExoLens-Objektive sowohl für iPhone als auch für das Samsung Galaxy S6. Eine Freundin lieh mir ihr Galaxy mit den beiden passenden ExoLens-ZEISS-Objektiven zum Ausprobieren aus.

Makro- und Teleobjektiv finde ich eine gute Kombination: Wenn ich mir eine Kombination aussuchen könnte, wären dies genau die beiden Linsen, die ich wählen würde.

Für die Makro-Aufnahmen musste ich sehr nahe ans Objekt heran, dass es wirklich scharf wurde und man die Details sah. Das Video wurde deswegen ziemlich verwackelt. Doch gerade weil man so nahe ans Objekt herangeht, ist es sehr schwierig, mit einem Stativ zu arbeiten. Fazit: Für Fotos ist das Makro-Objektiv wunderbar und es gibt wirklich schöne Aufnahmen. Zum Filmen ist es weniger geeignet.

Das Teleobjektiv hingegen ist auch zum Filmen praktisch. Ich war am See und habe die Schwäne und Enten gefilmt, und mit dem Zoom komme ich näher ran, ohne dass der Schwan gleich beisst 😉

Vorteile: Die Bilder sind wirklich sehr schön und die Kombination Makro- und Teleobjektiv macht Sinn.

Nachteile: Wie erwähnt, ist das Makro-Objektiv zum Filmen eher nicht geeignet. Zudem ist das Objektivset, das ich getestet habe, ist nur fürs Samsung Galaxy S6 geeignet. Schon beim Galaxy S7 passt es nicht mehr. Auch das Objektivset für iPhone 6 und 7 passt beim iPhone 7 Plus bereits nicht mehr.

Preis: Fürs Galaxy-Objektiv gibt man rund 116 € aus, fürs iPhone-Modell im Apple Store sogar CHF 240. Dafür, dass man die Linsen nur mit einzelnen Modellen verwenden kann, ein hoher Preis.

Samsung-Set für Galaxy S7

Ich freue mich immer, wenn Blog-Leserinnen oder Leser mit mir Kontakt aufnehmen und mir ihre Erfahrungen weitergeben. So hat mich André Häring von „Aug & Ohr“ kontaktiert. Er besitzt ein Objektiv-Set für das Samsung Galaxy S7, hergestellt von Samsung selber.

Samsung Lens Cover ET-CG930 für Galaxy S7 (Bild: Samsung)

André hat für mich ein Video aufgenommen, in dem er das Set vorstellt. Ihr könnt es euch in meinem YouTube-Video zu diesem Blogeintrag anschauen. Ich fasse seine Erfahrungen zusammen:

Vorteile: Das Set, bestehend aus Tele- und Weitwinkel-Objektiv, Halterung und Abdeckungen, ist schön verarbeitet. Die Objektive sind wertig, aus Metall und mit Glaslinsen, und gut verpackt. Die Objektive werden in die Halterung geschraubt, danach wird die Halterung, eine Art Cover, auf das Smartphone gesteckt. Die Halterung passt perfekt auf das Galaxy S7.

Das Objektiv wird in die Halterung geschraubt. (Screenshot Video André Häring)

Auf mich machen die Linsen im Video einen guten Eindruck, die Bildqualität ist gut und die Verarbeitung, wie bereits erwähnt, ebenfalls.

Dieses Set ist nur fürs Galaxy S7 geeignet. Da das Set aber von Samsung selber stammt, ist die Chance gross, dass sie zu Nachfolgermodellen einfach ein neues Case produzieren, mit dem die Linsen weiterhin zu verwenden sind.

Preis: Online ist das Set direkt bei Samsung erhältlich und kostet rund CHF 90. Ein fairer Preis.

Sony Cybershot (DSC-QX10)

Eine Kamera, verpackt in einem Objektiv: Sony Cybershot DSC-QX10.

Dieses Objektiv von Sony habe ich schon seit drei Jahren. Es ist ein unabhängiges Objektiv, das sich mit dem Smartphone verbinden lässt. Das Smartphone dient nur noch als Display.

Das Objektiv kann entweder unabhängig verwendet oder ans Smartphone angesteckt werden. (Fürs iPhone 7 Plus funktioniert die Halterung gerade noch.)

Vorteile: Ein grosser Vorteil des Cybershot-Objektivs ist die hervorragende Bildqualität. Es verfügt über einen 10x optischen Zoom und einen optischen Bildstabilisator.

Diese Unabhängigkeit gibt viele Möglichkeiten für Kameraperspektiven: Ich kann das Objektiv zum Beispiel ins Gras legen und sehe auf dem Smartphone aus der Froschperspektive, wenn meine Protagonisten daran vorbeigehen. Wenn das Objektiv mal zu weit weg vom Smartphone sein sollte, dann sehe ich das mit einem Symbol auf dem Display. (Für andere Möglichkeiten eines externen Monitors beim Filmen mit Smartphone, siehe dieser Blogeintrag.)

Das Objektiv ist für verschiedene Smartphone-Modelle geeignet. Ich habe es mit dem iPhone 5 und 7 Plus getestet.

Nachteile: Die Verbindung zum Smartphone ist sehr langsam. Das Cybershot-Objektiv wird mit einer App verwendet, die ein WiFi aufbaut und sich mit dem Smartphone verbindet. Für Fotos und Filmaufnahmen ohne viel Bewegung funktioniert das einwandfrei. Ansonsten ist die Übertragung aber immer etwas verzögert oder stockt sogar.

Ein weiterer Nachteil ist, dass beim Filmen die Dateien nur auf der internen SD-Karte gespeichert werden. (Beim Fotografieren landen sie direkt auf dem iPhone-Speicher.) Wenn ich schon mit meinem Smartphone filme, möchte ich die Videos auch gleich anschauen oder schneiden können.

Zum Filmen würde ich dieses Objektiv also nicht empfehlen.

Preis: Bei Digitec.ch ist das Sony Cybershot DSC-QX10 zwar aufgeführt, aber auf unbestimmte Zeit nicht lieferbar. Bei Amazon kostet es 350 €. Für diesen Preis kauft man besser gleich eine richtige Kamera.

Beastgrip

Beastgrip mit verschiedenen Linsen.

Beim Recherchieren zu Objektiven für das Smartphone lernte ich Célia kennen. Sie ist auf Instagram sehr aktiv und macht tolle Bilder.

Ich traf Célia in Zürich, wo sie mit ihr „Beastgrip“ vorstellte. Das ist eine Konstruktion, in die man verschiedene Smartphones hineinschrauben und dann ein Objektive aufstecken kann.

Vorteile: Das Beste am Beastgrip ist, dass die Grösse verstellbar ist. Ich kann also alte iPhones einsetzen, aber auch mein iPhone 7 Plus, Samsung Galaxy – sogar das iPad Mini könnte man noch damit verwenden. Durch die verstellbare Konstruktion halten sie alle sehr gut.

Vorne setzt man dann verschiedene Objektive ein. Zum Beastgrip gehören ein Weitwinkel mit Fischauge und ein Weitwinkel mit Makro.

Es gibt aber auch einen Adapter, mit dem man beliebige Canon- oder Nikon-SLR-Objektive am Beastgrip befestigen kann. Damit kriegt man Bilder im Film-Look mit viel Tiefenunschärfe, wie es sonst mit dem Smartphone nicht möglich ist.

Das Beastgrip kann man gut in der Hand halten und beim Filmen führen, ich kann es aber auch einfach auf ein Stativ schrauben.

Das Beastgrip im Test.

Preis: Das Set mit Beastgrip-Halterung, Weitwinkel-Fischauge, -Makro und Adapter für SLR-Objektive kostet direkt bei Beastgrip 335 $. Sets mit einzelnen dieser Bestandteile sind entsprechend günstiger.

Fazit: Das Beastgrip finde ich wirklich toll, vor allem, weil man mit verschiedenen Smartphones und Objektiven arbeiten kann.

Machen zusätzliche Objektive fürs Smartphone Sinn?

Vor allem beim Beastgrip drängt sich die Frage auf, warum man bei dem ganzen Equipment-Aufwand nicht gleich eine DSLR-Kamera verwendet. Macht es Sinn, ein solches Gerüst zu kaufen und Adapter für teure Objektive?

Ich persönlich werde mir kein Beastgrip kaufen. Der Grund: Zum Fotografieren mit dem Smartphone, zum Beispiel für Instagram, habe ich gerne die kleinen olloclip-Objektive oder das Sony Cybershot dabei. Diese reichen mir für Zoom- oder Weitwinkel-Aufnahmen völlig.

Wenn ich mit dem Smartphone filme, dann mache ich dies vor allem spontan und ohne zusätzliches Equipment. Wenn ich hingegen geplant filme, verwende ich lieber meine professionelle Ausrüstung, also meine Lumix GH4 oder Sony FS5. Da brauche ich kein zusätzliches Beastgrip.

3 Gründe für zusätzliche Objektive

Es gibt aber durchaus Gründe, warum ein zusätzliches Objektiv für das Smartphone in gewissen Situationen Sinn macht:

1. Kein Umweg über den Computer

Journalisten, die etwa ein Interview filmen und dieses möglichst schnell auf die Redaktion schicken sollen, können dies direkt vom Smartphone aus tun. Der Umweg über einen Computer, den man etwa mit einer Handycam nehmen muss, entfällt. Mit einem zusätzlichen Objektiv hat man aber trotzdem schönere Bilder als mit der einfachen Smartphone-Kamera.

2. Produktion direkt auf dem Smartphone

Wenn man das Video auf dem Smartphone filmt und auch gleich auf diesem Gerät bearbeitet, ist man in der Produktion einfach am schnellsten. Das fertige Video kann man danach auch direkt auf YouTube hochladen. Auch hier können zusätzliche Objektive für mehr Möglichkeiten und bessere Bildqualität sorgen.

3. Live-Videos

Das Smartphone macht es heute möglich, dass wir mit Facebook, Instagram etc. sehr einfach live in die ganze Welt streamen können. Wenn ich ein Teleobjektiv habe, komme ich auch bei einem Live-Video näher heran, zum Beispiel, wenn ich draussen unterwegs bin und aus der Entfernung etwas heranholen möchte.

Ich würde mich freuen, in den Kommentaren von euch zu lesen, welche Objektive ihr verwendet und was ihr für Erfahrungen damit macht!

PDF-Ratgeber

Die verschiedenen Objektive mit Vor- und Nachteilen sowie den Infos zu Preis und Onlineshops habe ich euch in einem kleinen PDF-Ratgeber zusammengestellt. Du kannst ihn mit einem Klick aufs Bild herunterladen.


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Q&A: Wie erzeuge ich geringe Tiefenschärfe beim Filmen mit Smartphone?

Hallo Judith,

Ich habe eine Frage zum Fokus. Wie kriege ich geringe Tiefenschärfe hin?

Manchmal gelingt es mir, auf ein Objekt im Vordergrund zu fokussieren, sodass der Hintergrund unscharf wird. Aber dann kann ich nicht zwischen den beiden Ebenen wechseln. Manchmal schaffe ich es auch gar nicht, überhaupt einen unscharfen Hintergrund hinzubekommen.

Gibt es da eine besondere Herangehensweise oder Tricks? Hat es eventuell etwas mit der Belichtung zu tun, oder mit meinem iPhone? Ich komme da nicht weiter.

Vielen Dank für deine Hilfe. 

Liebe Grüße aus Deutschland

S.

Hallo S.,

vielen Dank für Dein Mail und Deine Anfrage. Ich benutze für die geringe Tiefenschärfe den Begriff „Tiefenunschärfe“, denn dies beschreibt meiner Meinung nach besser und verständlicher, worum es geht. Tiefenunschärfe ist ein Effekt, der ganz vielen Leuten gefällt. Das Hauptobjekt kommt schön zur Geltung, und man kann einen unruhigen Hintergrund kaschieren. Die Gestaltungsmöglichkeiten beim Filmen sind also grösser.

Mit dem Smartphone bringst Du nicht so viel Tiefenunschärfe hin wie etwa mit einer DSLR-Kamera, aber dazu noch etwas später. Um aber grundsätzlich einen unscharfen Hintergrund zu erzeugen, kannst Du folgendes ausprobieren:

Nahe heran ans Objekt

Nimm ein Glas und stelle es auf einen Tisch (oder etwas ähnliches), der relativ weit von der Wand weg ist. Nun gehe mit dem Smartphone möglichst nah ans Glas heran, damit es richtig gross im Bild ist. Das Glas soll das Bild aber nicht ganz füllen, der Hintergrund soll noch zu sehen sein.

Tippe das Glas auf dem Bildschirm an. Der Fokusrahmen auf dem Display bewegt sich dann dorthin und das Glas wird scharfgestellt. Wenn Du genug weit weg bist vom nächsten Hintergrund, wird dieser jetzt unscharf. So erzeugst Du Tiefenunschärfe.

 

Ich bin nah am Glas, der Hintergrund ist weit weg, ich habe Tiefenunschärfe.

 

Ich bin nicht mehr nah am Glas und habe gleich viel weniger Tiefenunschärfe.

Fokus manuell verschieben

Nun tippe auf den Hintergrund, damit dieser scharfgestellt wird. Jetzt sollte das Glas eher unscharf sein.

Glas ist unscharf, der Hintergrund ist scharf.

Du kannst so auch während dem Filmen zwischen Vorder- und Hintergrund wechseln, wie Du es in Deiner Frage beschreibst.

Eine sogenannte „Schärfenfahrt“, bei der sich der Fokus langsam von einer Ebene zur anderen verschiebt, kriegst du leider mit der iPhone-Kamera-App nicht richtig hin. Wenn Du das möchtest, empfehle ich dir zum Beispiel die App Filmic Pro: Sie verfügt über einen „Slider“ für den Fokus. Den kannst du langsamer verschieben, wenn Du eine Schärfenfahrt erhalten möchtest.

Wie bekomme ich eine geringe Schärfentiefe?

Die Tiefenschärfe wird durch vier Faktoren beeinflusst: Sensor der Kamera – Abstand zum Objekt – Brennweite – Blendenzahl.

Je grösser der Sensor der Kamera ist, desto mehr Unschärfe kann ich ins Bild bringen. Im Smartphone steckt ein kleiner Sensor. Wie oben gezeigt, kannst Du jedoch mit dem Smartphone auch mit Nähe zu einem Objekt Tiefenunschärfe produzieren.

Die Brennweite bei einer Kamera veränderst Du, indem Du zoomst. Je grösser die Brennweite ist, desto geringer ist die Tiefenschärfe. Das heisst, je näher Du heranzoomst, desto unschärfer wird der Hintergrund. Die meisten Smartphones haben aber keinen optischen Zoom, also keine Linse, bei der die Brennweite verändert werden kann.

Ist die Blende weit offen, hast Du eine kleine Blendenzahl und Tiefenunschärfe. Das iPhone 7 hat eine Blende von f1,8, was eigentlich eine sehr kleine Blende ist. Trotzdem ist es schwierig, den Hintergrund unscharf zu halten. Das zeigt, dass die Blende nicht der wichtigste Faktor in Bezug auf die Tiefenschärfe ist, auch wenn das oft geglaubt wird.

Das iPhone hat einen kleinen Sensor, und schon das macht Tiefenunschärfe schwierig; die kleine Brennweite durch den fehlenden Zoom kommt noch dazu. Viel besser für Aufnahmen mit Tiefenunschärfe geeignet als Smartphones sind Kameras mit Wechselobjektiven (DSLR, Systemkameras, Cinema Cameras). Dank grossem Sensor und kleiner Brennweite bringe ich auch mit einer f4 Blende mehr Tiefenunschärfe ins Bild als mit dem Smartphone mit der f1.8 Blende. 

Wenn Du noch mehr darüber erfahren willst, wie Tiefenschärfe funktioniert, empfehle ich Dir den entsprechenden Artikel bei digitaler-fotokurs.de. Er ist etwas ausführlicher, aber doch nicht zu technisch.

Ablenkung reduzieren mit Tiefenunschärfe

Der schöne Effekt der Tiefenunschärfe kann auch nützlich sein: Gerade gab ich eine Schulung bei der Firma Adesso. Die Teilnehmenden diskutierten, ob sie ihre Statements mit dem Smartphone oder mit einer Canon EOS 100D aufnehmen sollten.

Ich plädierte für die Canon, gerade wegen der Möglichkeit der Tiefenunschärfe. Die Interviews wurden nämlich in einem Büro aufgezeichnet, das heisst, es waren Bilder und Bücherregale an den Wänden. Diese können Kontraste und Struktur ins Bild geben, damit wird das Bild spannend. Mit dem Smartphone gefilmt, sieht man aber jeden Buchstaben und jeden Strich – und das lenkt von der sprechenden Person ab.

Mit der Canon-DSLR-Kamera und der entsprechenden Blendenzahl verschwindet der Hintergrund und die Person oder das Objekt im Vordergrund erhalten im Video die ganze Aufmerksamkeit.

Wenn Du mit dem Smartphone beim Interview einen unscharfen Hintergrund hinkriegen willst, musst Du doch recht nah ran:

Schau mir ins Auge, Kleiner 🙂

Zwei verschiedene Brennweiten beim iPhone 7 Plus

Das iPhone 7 Plus besitzt zwei Linsen statt nur eine. Deshalb kann ich die Brennweite verändern. Die erste Linse ist ein Weitwinkel mit einer Brennweite von 28 mm (wie die Linse beim iPhone 7). Die zweite Linse ist ein Teleobjektiv und hat eine Brennweite von 56 mm. Wenn ich also von der ersten auf die zweite Linse wechsle, kann ich zweifach zoomen, bekomme also mehr Tiefenunschärfe:

Das Glas ist zwar grösser im Bild, aber ich war mit der Kamera weiter weg als bei den Bildern vorher.

Porträtmodus beim iPhone 7 Plus

Die Dualkamera des iPhone 7 Plus kommt vor allem beim „Porträtmodus“ zum tragen. Das Teleobjektiv fokussiert den Kopf des Gesprächspartners, das Weitwinkelobjektiv bildet den Hintergrund ab und die Software kombiniert danach die beiden Fotos und macht den Hintergrund unscharf. Dank diesem Modus kann ein viel stärkerer Tiefeneffekt („Bokeh“) erzeugt werden.

Poträtmodus beim iPhone 7 Plus.

 

Aufnahme nur mit Teleobjektiv des iPhones 7 Plus.

 

Aufnahme mit Weitwinkellinse des iPhones 7 Plus. Wegen der hohen Tiefenschärfe kommen mehr Informationen ins Bild, und wegen des Weitwinkels auch mehr in der Breite. Somit habe ich viel mehr Ablenkung.

Leider funktioniert der Porträtmodus nur beim Fotografieren. Beim Filmen bräuchte es wegen der vielen Aufnahmen pro Sekunde sehr viel Rechenleistung. So ist dieser Vorteil im Videobereich (noch) nicht nutzbar.

Lieber S., die Antwort wurde jetzt ausführlicher als ich geplant hatte 🙂 Gib mir doch ein Feedback, ob das Experiment mit dem Glas geklappt hat! Und Du lieber Blogleser, liebe Blogleserin auch.

Herzlich

Judith

 

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Darum brauchen iPhone-Filmer drei Lightning-Anschlüsse

Ich bin jetzt schon einige Wochen mit dem iPhone 7 Plus unterwegs. Ich habe mich langsam daran gewöhnt, immer den kleinen Adapter dabei zu haben, damit ich meine Mikrofone oder Kopfhörer mit Klinkenstecker anschliessen kann. Denn beim iPhone 7 hat man ja keine gewöhnliche Kopfhörer-Buchse mehr, sondern nur noch den einen Lightning-Anschluss.

Immer wieder merke ich aber, dass ein Anschluss einfach zu wenig ist.

Drei Gründe, warum Filmer mehrere Anschlüsse an ihrem Smartphone brauchen:

1. Ton

Es gibt Mikrofone mit Lightning-Anschluss. Zwei davon habe ich kürzlich vorgestellt. Diese Mikrofone sind grundsätzlich super, denn ich brauche keinen Adapter fürs iPhone. Sie lassen sich direkt daran anstecken.

Gerade bei Interviews möchte ich aber beim Filmen gerne den Ton mithören. Die Lightning-Buchse ist jedoch schon durch das Mikrofon belegt und ich kann keinen Kopfhörer anschliessen. Es fehlt mir ein Anschluss.

2. Strom

Normalerweise lade ich nicht gleichzeitig den Akku meines iPhones, wenn ich filme. Denn es ist mühsam, mit dem Smartphone stets auch noch die angeschlossene Powerbank mit zu bewegen oder diese zu fixieren. Wo ich aber mehr Batterie als gewöhnlich brauche, sind Livestreams. Denn nicht nur das Filmen frisst Strom, sondern auch die Übertragung ins Internet.

Um also zum Beispiel eine längere Veranstaltung auf Facebook Live zu übertragen, kann es also sein, dass der Akku nicht ausreicht. Dann möchte ich eine Powerbank anschliessen. Wenn ich aber gleichzeitig auch ein Mikrofon verwende, habe ich schon wieder einen Anschluss zu wenig.

3. Monitor

Vor kurzem habe ich Euch hier im Blog gezeigt, wie ihr einen externen Monitor an euer iPhone anschliessen könnt. Eine der Varianten ist eine Kabelverbindung zum Computer mit dem Programm Quicktime.

Auch dort wieder: Wenn ich ein Mikrofon benutze, kann ich nicht gleichzeitig ein Kabel anschliessen, um mich mit einem Computer zu verbinden. Noch eine Situation, in der ich einen Anschluss zu wenig habe.

Lösung: Aus einem Lightning-Anschluss mach zwei

Es gibt einen Adapter mit Doppelstecker, den Belkin Lightning Audio + Charge Rockstar. Er macht aus einem Lightning-Anschluss zwei.

 

 

Damit kann ich ein Lightning-Mikrofon anschliessen und zusätzlich auch eine Powerbank, einen Kopfhörer, ein Kabel zur Steckdose oder zum Monitor.

Es gibt im Internet zu diesem Adapter einige Bewertungen von unzufriedenen Kunden. Als ich ihn ausprobiert habe, hat er jedoch gut funktioniert.

Adapter mit USB und Kopfhörerbuchse

Ich habe noch ein zweites Gadget gekauft und ausprobiert: Einen Adapter mit zwei Kabeln. Das eine ist Lightning-Anschluss, das andere ist nur ein Klinkenstecker.

Das Problem: Die zweite Buchse funktioniert nicht für das Mikrofon, denn es ist kein sogenannter TRRS-Anschluss. Man kann dort wirklich nur einen Kopfhörer anschliessen. Wenn ich Musik hören und gleichzeitig das iPhone aufladen will, ist das super, aber zum Filmen nützt mir dieser Stecker nichts.

Besser noch warten

Wenn Du schon häufig gedacht hast, dass dir ein Lightning-Anschluss fehlt, kann ich Dir den Belkin-Stecker empfehlen. Wenn Du aber noch ohne zweiten Anschluss auskommst, warte lieber noch. Das Wall Street Journal hat nämlich berichtet, dass mit dem iPhone 8 diesen Herbst wahrscheinlich der USB-C-Anschluss kommt und Lightning wieder verschwindet. Das würde heissen, dass wieder neue Mikrofonlösungen und Adapter gefragt sind. Ich würde deswegen zu diesem Zeitpunkt nicht zu viel Geld in zusätzliche Anschlüsse investieren.

Mikrofon-Empfehlungen

Falls Du Dich trotzdem für Mikrofone mit Lightning-Anschluss interessierst, schau Dir mein Video an, in dem ich zwei davon vorstelle.

Es gibt auch Lightning-Adapter für Mikrofone mit Klinkenstecker. Diese haben nämlich immer noch viele Stärken. In meinem Ratgeber: „Mikrofone zum Filmen mit Smartphone“ habe ich Dir diverse Möglichkeiten zusammengestellt, mit Vor- und Nachteilen. Hol dir das PDF hier.

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