Doppelt gemoppelt: Wenn die zweite Kameraperspektive ablenkt

Vor kurzem schaute ich mir ein Video von Todd Herman, einem erfolgreichen Geschäftsmann, der viele Menschen coacht und weiterbringt. Seine Videos finden ein riesiges Publikum, seine Inhalte sind sehr inspirierend.

Doch die Kameraführung in diesem Video lenkte mich total ab. Deshalb beschloss ich, einen Blogbeitrag über das Thema zu verfassen.

Unterschiedliche Beziehungen zum Zuschauer

Bei Videos gibt es zwei grundlegende Arten von Beziehung, die die sprechende Person mit dem Zuschauer aufbaut.

In einem Interview erhält der Zuschauer eine Aussenperspektive: Die Person im Interview spricht nicht mit dem Zuschauer, sondern mit dem Interviewpartner. Deshalb schaut die interviewte Person nicht direkt in die Kamera, sondern zum Gesprächspartner.

Als Zuschauer spüre ich quasi die angesprochene Person neben der Kamera, so dass der Blickkontakt zu mir nicht fehlt.

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Anders ist es bei einer Moderation: Katja Stauber beginnt beispielsweise die Tagesschau mit „Grüezi, herzlich willkommen zur Tagesschau“ und blickt dabei in die Kamera.

Als ZuschauerIn fühle ich mich direkt angesprochen durch die Anrede, dazu gehört der Blickkontakt. Ohne Blickkontakt wäre es befremdlich.

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Heute ist es einfach, mit zwei Kameras zu arbeiten

Man findet heutzutage immer häufiger Videos, die mit zwei Kameras gefilmt wurden.

Dies liegt zum einen daran, dass das Equipment nicht mehr so teuer ist und man leichter an zwei Kameras, beziehungsweise Smartphones gelangt.

Zum anderen ist die Bearbeitung dank diverser Schnittprogramme um einiges einfacher geworden.

Bei Interview ist eine zweite Kamera schön…

Bei der Frage nach einer oder zwei Kameras muss der Schnitt in den Mittelpunkt gestellt werden.

Wie erwähnt, gibt es zwei Szenarien, in denen wir zwei Kameras einsetzen können: Interviews und Moderationen.

Wenn ich ein Interview schaue, kann die Technik mit zwei Kameras sehr schön und angenehm sein, da ich dadurch unterschiedliche Blickwinkel erhalte. Ich bin Beobachter eines Gesprächs.

Bei einem Interview kann eine Aufnahme mit zwei Kameras also sehr gut funktionieren. Dies zeigt folgendes Beispiel meines Kollegen Markus Bärtschi von videokommunikator.ch.

Die Übersetzerin im Bild erklärt ihre Arbeit bei Diction.ch. Als Zuschauer erhält man eine Aussenansicht, die Übersetzerin spricht nicht direkt zu mir.

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(Quelle: Markus Bärtschi, videokom.ch)

… bei Moderation störend

Bei Moderationen verhält es sich anders.

Der Moderator muss sich bei der Aufnahme entscheiden, in welche Kamera er schaut. Hat es zwei Kameras gleichzeitig, schaut der Moderator an einer Kamera vorbei.

Das im Einstieg erwähnte Video von Todd Hermann wurde mit zwei Kameras aufgenommen. Beim ersten Bild schaut er mich an, beim zweiten schaut er an mir vorbei.

Inhaltlich spricht er im Video aber immer direkt zu mir. Jedes mal wenn er „you“ in der zweiten Einstellung sagt, bin ich irritiert, weil er mich nicht anschaut.

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Todd Herman

Natürlich springt mir ein solcher Schönheitsfehler wohl schneller ins Auge als den meisten Betrachtern.

Aber ich glaube, dass der direkte Blick in die Kamera auch unbewusst mich besser abholt und mehr Vertrauen schafft.

Lieber zweimal filmen als mit zwei Kameras

Meine Empfehlung für dich lautet: Wenn du in deinem Video direkt zum Zuschauer sprichst, nimm es nicht mit zwei Kameras auf. Denn du möchtest eine Verbindung herstellen und Vertrauen aufbauen.

Statt zwei Kameras empfehle ich dir, das Video zweimal mit verschiedenen Einstellungen oder gleich mit einer 4K-Kamera aufzunehmen. Die Cadrage kannst du anschliessend in der Postproduktion verändern.

Die verschiedenen Schnittmöglichkeiten zeige ich Dir im Blogbeitrag „Die Videoauflösung 4K bringt Vorteile in der Postproduktion“.

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Wie ergeht es dir mit solchen Zwei-Kamera-Aufnahmen? Empfindest du sie ebenfalls als irritierend oder hast du eine andere Sicht auf die Dinge? Es gibt ja schliesslich immer mehrere Einstellungen für jede Thematik!