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Welche Kamera eignet sich für welchen Einsatz?

Webcam, Smartphone, Spiegelreflexkamera und Co.: Wir haben heute unzählige Möglichkeiten, um zu filmen. Eine Kamera, die sich für nahezu jeden Zweck eignet, gibt es nicht. In diesem Blogpost zeige ich dir die unterschiedlichen Vor- und Nachteile, damit du für jeden Einsatz die beste Kamera zur Hand hast.

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Webcam:

Die Webcam hat den Vorteil, dass ich sie stehen lassen kann und somit nicht jedes Mal neu einrichten muss, wenn ich beispielsweise ein Tutorial aufnehme. Die Handhabung ist sehr einfach und mit Quicktimeplayer ist das Video schnell aufgenommen – und die Datei habe ich auch gleich auf dem Computer.

Allerdings empfehle ich eine externe Webcam und nicht etwa die eingebaute zu verwenden: Dadurch kannst du die Webcam mit einem Stativ auf die richtige Höhe bringen und dich somit optimal ins Bild setzen. In einem früheren Blogbeitrag „Wie setze ich mich richtig ins Bild“ zeige ich dir die richtige Positionierung der Webcam.

Zudem ist die Bildqualität bei einer externen Webcam deutlich besser als bei einer eingebauten. Bei Aufnehmen sehe ich auf dem Bildschirm das Bild und kann beispielsweise mithilfe von Apps wie „Webcam Settings“ manuelle Einstellungen vornehmen.

Die Webcam hat aber auch Nachteile: Sie ist nur mit dem Computer einsetzbar, den Ton muss ich  über den Computer regeln und die Webcam kann ich nur fix an einem Platz verwenden. Für unterwegs ist sie nicht geeignet.

Smartphone:

Das Smartphone punktet damit, dass ich es immer dabei habe und damit alles festhalten kann. Mit ergänzenden Apps wird das Smartphone zum kleinsten Videoproduktionsgerät der Welt. Wie du dieses erfolgreich einsetzt, zeige ich dir in meinem videoworkshop.ch.

Aufgenommene Videos kann ich bei Bedarf direkt auf dem Smartphone nachbearbeiten und ins Internet laden. Auch Livevideos von überall sind möglich dank Apps wie Periscope und Facebook live.

Die Kompaktheit bringt aber auch Nachteile: Es gibt keinen optischen Zoom, wir haben nur eine kleine Linse und einen kleinen Chip. Damit bedingt haben Smartphone eine geringe Lichtempfindlichkeit, ermöglichen wenig Tiefenunschärfe und die Bildqualität lässt bei schlechten Lichtverhältnissen deutlich nach. Auch was den Speicherplatz und die Akkulaufzeit betrifft, gibt es Einschränkungen.

Ein wesentlicher Nachteil ist für mich aber: Ich kann das Display nicht drehen, beispielsweise für Selfie-Videos. Ich könnte zwar die Frontkamera verwenden, diese hat aber eine viel schlechtere Auflösung. Deshalb nehme ich Videos möglichst mit der Hauptkamera auf. Doch wenn ich ein Tutorial aufnehme und mich selber filme, ist das ein Problem, da ich nicht vor und hinter der Kamera gleichzeitig stehen kann. Ich weiss dann nicht, wie der Bildausschnitt aussieht. Also muss ich den Aufnahmeknopf drücken, mich vor die Kamera stellen, „hallo“ sagen und wieder hinter die Kamera gehen und im Video nachschauen, ob ich am richtigen Ort stand…

Sobald jemand anders die Kamera bedient, fallen diese Probleme weg.

Videocam:

Auch die Videocam ist klein und handlich, so dass wir sie gut in der Handtasche dabei haben können. Sie bietet im Gegensatz zum Smartphone einen optischen Zoom. Auch den Speicherplatz und die Akkulaufzeit kann ich beliebig erweitern, indem ich das Speichermedium oder den Akku wechsle.

Die möglichen Nachteile von Videocams hängen stark vom Modell ab. So haben beispielsweise eher günstigere Modelle keine Buchse für ein externes Mikrofon. Auch bieten Videocams wenig Möglichkeiten für manuelle Einstellungen: Je nach Modell gibt es keinen manuellen Fokus, so dass die Kamera bei Interviews oft den Fokus auf den Hintergrund wechselt und nicht das Gesicht der interviewten Person fokussiert.

Deshalb lohnt es sich, beim Kauf einer Videocam genau hinzuschauen. Achte unbedingt darauf, dass die Kamera einen Mikrofon-Eingang hat und du den Fokus manuell fixieren kannst.

Kleiner Fotoapparat:

Die Vorteile eines kleinen Fotoapparates sind vergleichbar mit denen einer Videocam: Der Fotoapparat ist klein und leicht, hat einen optischen Zoom und Speicher sowie Akku sind beliebig erweiterbar.

Allerdings gilt zu bedenken, dass Fotoapparate primär dem Fotografieren dienen. Dies bringt einige Einschränkungen mit sich: Wir haben eine begrenzte Aufnahmedauer, oft sind maximal zehn Minuten möglich pro Clip.  Zudem fehlt in der Regel die Möglichkeit, ein externes Mikrofon anzuschliessen.

Spiegelreflexkamera / Systemkamera mit Wechselobjektiven

Die Vor- und Nachteile einer Spiegelreflexkamera oder einer Systemkamera mit Wechselobjektiven hängen stark vom Modell ab.

Grundsätzlich gilt für diese Kameras: Sie haben eine gute Lichtempfindlichkeit und die Aufnahmen haben schöne Farben. Für schöne Bildgestaltung können wir verschiedene Objekte einsetzen, viel Tiefenunschärfe ist möglich. Beim Filmen können wir den Fokus fixieren und es sind manuelle Einstellungen sowie eine gute Kontrolle über das Bild möglich. Mit zusätzlichen Speichermedien und Zusatz-Akkus sind Speicherplatz und Akkulaufzeit beliebig erweiterbar.

Die Spiegelreflexkamera und Systemkamera eignen sich eher für szenisches Arbeiten. Die Arbeit mit diesen Kameras ist eher langsam, wenn man mit verschiedenen Objektiven arbeitet. Je nach Modell reagiert der Fokus langsam, da die Kameras aufs Fotografieren ausgelegt sind. Zum Teil fehlt eine Buchse für ein externes Mikrofon. Auch wenn eine Buchse da ist, gibt es nur eine Audiospur.

Weitere Nachteile: Es gibt keine ND-Filter (Neutraldichtefilter); bei starkem Sonnenlicht muss man zusätzliche Filter montieren oder mit grossen Blendenzahlen arbeiten und somit auf die Tiefenunschärfe verzichten. Auch ist die Kontrolle über die Belichtung manchmal schwierig, da Hilfsmittel wie Zebra oder Histogramm auf dem Display fehlen.

Wie auch beim Fotoapparat gibt es bei der Spiegelreflexkamera die begrenzte Aufnahmedauer von 10 Minuten.

Unterschied zwischen Systemkamera und Spiegelreflex:

Die Fotografen führen da eigene Diskussionen, aber auf einer Ebene, die beim Filmen etwas anders ist.

Die grossen Unterschiede liegen vor allem bei der Grösse und dem Preis. Systemkameras sind eher leichter, kleiner und vor allem günstiger. Sie bieten beim Filmen jedoch für weniger Geld meistens mehr Vorteile: Längere Aufnahmedauer bis zu 30 Minuten sind möglich; die Kameras eignen sich somit für längere Interviews oder fürs Aufzeichnen von Referaten. Grössere Systemkameras haben zudem fast immer einen Mikrofoneingang und eine Kopfhörerbuchse.

ENG, Electronic Newsgathering Camera / VJ Camera

Als letzte Variante stelle ich dir noch die VJ-Kamera beziehungsweise die „Electronic Newsgathering Camera“ vor.

Die ENG-Kamera bietet eine gute Lichtempfindlichkeit und ermöglicht mir manuelle Einstellungen und Kontrolle über das Bild. Ich kann den Fokus fixieren, habe praktisch unbegrenzt Speicherplatz und kann den Akku bei Bedarf austauschen.

Je nach Format und Speichermedium kann ich bis zu zwei Stunden am Stück filmen, was beim Dokumentieren einer Veranstaltung von Vorteil ist. Anders als bei der Spiegelreflexkamera habe ich zwei Audiospuren, verschiedene ND-Filter und einen grossen Zoom. Dank grossem Zoom kann ich an Veranstaltungen von hinten filmen, ohne den Gästen im Sichtfeld zu stehen. Zuletzt bietet mir die VJ-Kamera verschiedene Hilfsmittel wie Zebra, Histogramm oder die Anzeige des Audiopegels, so dass ich schon beim Filmen die volle Kontrolle über Bild und Ton habe.

Die vielen Vorteile der ENG-Camera bringen auch einige Nachteile mit sich: Die Kamera ist gross und schwer sowie teuer. Sie bietet im Vergleich mit einer Spiegelreflexkamera wenig Tiefenunschärfe und liefert kein „cineastisches Bild“. Aufnahmen einer Spiegelreflexkamera sind oft schöner, die Farben, die Kontraste, die Bewegungen…

Ein wesentlicher Nachteil der VJ-Kamera: Es braucht Erfahrung, um damit arbeiten zu können. Wer ungeübt ist mit den manuellen Einstellungen, ist mit einem Smartphone oder einer Videocam besser bedient.

Zusammenfassung

Die Übergänge zwischen den verschiedenen Kameras sind natürlich fliessend und die beschriebenen Vor- und Nachteile hängen stark vom jeweiligen Modell ab.

Damit du für jeden Verwendungszweck stets die am besten geeignete Kamera zur Hand hast, habe ich dir in der folgenden Tabelle nochmals alle Vor- und Nachteile zusammengestellt, die ich mit den verschiedenen Kameras erlebt habe:

Kamera_ZusammenfassungVerwandte Beiträge:

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Filmen mit der DSLR-Kamera

Filmen mit DSLR

Filmen mit Spiegelreflexkameras ist beliebt. Nicht umsonst. Die DSLRs schenken uns tolle Fotos und die Möglichkeit, die Erinnerungen gleich auch in Film zu verpacken. Alles in einem, ganz bequem. Vorbei sind die Tage, in denen wir mehrere Geräte mitschleppen mussten. Nur… halten die Kameras, was sie versprechen?

Einen Vergleich zwischen DSLR-Kamera und Smartphone findest Du in diesem Blogpost.

Pro und Kontra beim Filmen mit DSLR

Mal vom praktischen Element abgesehen, wie sieht es mit der Qualität von DSLR-Filmen aus?

Auf DSLR gehören gute Objektive, die uns erlauben, mit kleinen Blendenzahlen zu arbeiten. Beim Filmen übersetzt sich das in eine Tiefenunschärfe, die ein Objekt stechend scharf in den Mittelpunkt setzen kann.  Im Bild oben sieht man schön, wie sich das Auge des Fotografen hervorhebt, die Kamera im Vordergrund sowie der Hintergrund unscharf erscheinen und eine gute Tiefenwirkung wiedergeben.

Aber Achtung! Wer qualitativ hochstehende Filme mit der DSLR produzieren will, muss mit seiner Kamera vertraut sein und wissen, wie mit ihr zu arbeiten ist. Eine DSLR eignet sich nicht für jede Art von Filmen.

Die Herausforderung besteht darin je nach Situation das richtige Objektiv zu wählen. Konkret heisst das, dass der Fotograf Zeit zum Wechseln braucht, was bei Events nicht immer möglich ist. Man stelle sich eine Hochzeit vor… der Bräutigamm küsst grad seine Braut und der Kameramensch ist am Objektivwechseln.

Einfacher ist es beim Szenischen Arbeiten. Die Kamera-Einstellungen können vorher in Ruhe festgelegt werden. Schauspieler können eine Szene bei Bedarf auch ein zweites und drittes Mal nachspielen.

DSLR sind primär Fotoapparate

Beim Fotografieren muss das gewünschte Objekt nur beim Abdrücken scharf sein. Beim Filmen ist das anders. Schärfe muss einmal hier, einmal da sein, der Fokus mit dem Objekt mitwandern.

Die Schärfeneinstellung kann selber angepasst werden, dazu braucht es jedoch Übung und eine Kamera, die mitmacht. Bei schlechteren oder älteren Modellen kann eine neue Fokussierung (zu) lange dauern, manchmal wird sie sogar mit Geräuschen begleitet, die auf dem Film störend wirken.

Bei Fotos kein Thema, bei Filmen ist der Ton jedoch oft das A und O.  Bei Interviews, Dialogen und Moderationen arbeiten wir mit externen Mikrofonen, was uns nicht selten vor eine neue Herausforderung stellt. DSLR haben nicht immer Mikrofonanschlüsse und wenn, dann fehlt oft eine zweite Buchse für die Kopfhörer. Im Idealfall arbeiten wir mit Mikro und Kopfhörer, hören mit, während dem wir filmen. Semiprofi- und Profi-Videokameras bieten diese Möglichkeit fast immer und schütten gleich noch mit einem praktischen Tonpegeldisplay nach. Natürlich kann mit externen Audiogeräten gearbeitet werden, das gibt aber beim Schnitt extra Arbeit beim Synchronisieren der Spuren.

Jedes Modell funktioniert etwas anders, einige DSLR Kameras sind mehr aufs Filmen ausgelegt, andere weniger, wie das Beispiel unten zeigt.

Canon DSLR 60D und 70D im Vergleich

Anlässlich des Workshops bei Schindler durfte ich mir ein genaueres Bild der Canon DSLR 60D und 70D machen. Beide Kameras sind zweifelslos gut zum Fotografieren, beim Filmen jedoch liegen Welten zwischen den Modellen.

WorkshopteilnehmerInnen filmten die gleiche Situation, zwei miteinander diskutierende Interviewpartner spazierten über den Hof. Eine Teilnehmerin benützte die 60D, eine die 70D.

Bei der älteren 60D war der Autofokus unzuverlässig. Trotz Gesichtserkennung sprang die Schärfe immer wieder vom Geschehen weg und verlagerte sich auf den Hintergrund, der sich nicht einmal bewegte! Die 70D hatte damit keine Probleme. Mit Autofokus blieb die Schärfe schön auf den Gesichtern und passte sich den Bewegungen der Schauspieler an.

Eine weitere Workshop-Situation war ein Interview. Eine sitzende Person spricht, die Kamera steht auf einem Stativ. In solchen Situationen ist es üblich und ratsam, die Person zu fokussieren und dann den Autofokus abzustellen. Sollte sich im Hintergrund etwas bewegen, wird die Schärfe trotzdem auf der sprechenden Person bleiben. Wie haben die 60D und 70D diese Herausforderung gemeistert?

Mit der 60D klappte die Übung nur schlecht. Die automatische Schärfeneinstellung verpasste oft das Gesicht. Den Fokus manuell einzustellen, war schlichtweg eine Überforderung. Das Display war so schlecht, dass wir die Unschärfe des Gesichts erst später beim Rückspielen erkennen konnten. Im Live-Modus (durchs Guckfenster) könnte dieses Problem behoben werden. In unserem Fall war jedoch die Filmerin bedeutend kleiner als der Interviewpartner, die Kamera zu hoch auf dem Stativ für den  Live-Modus.

Die 70D brillierte einmal mehr. Mit kurzem tippen auf den Display konnte der Fokus gewählt, dann auf manuell umgestellt werden. Das Gesicht blieb während des ganzen Interviews scharf.

Das externe Mikrofon funktionierte bei beiden Canon Kameras einwandfrei.

Als Schlussfolgerung bleibt nur noch eines zu sagen: Wollt ihr mit einer DSLR filmen, nehmt euch Zeit für die Kamerawahl und lasst Euch diesbezüglich beraten.

Welche Erfahrungen habt Ihr beim Filmen mit DSLR Kameras gemacht?

Ratgeber Licht

Egal, ob Smartphone oder DSLR: Mit der richtigen Lichtgestaltung holst Du aus Deinen Videos viel mehr heraus. In meinem PDF-Ratgeber „Gutes Licht für Deine Videos“ gebe ich Dir Tipps, wie Du bei Filmaufnahmen das Licht vor Ort optimal nutzen kannst.

Ratgeber anfordern: Gutes Licht für Deine Videos

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