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Meine Video-Ausrüstung, Teil 3: Für professionelle Drehs

Vor meiner Sommerpause habe ich Dir meine Video-Ausrüstung zum Filmen mit Smartphone und zum Filmen auf Reisen vorgestellt. Vielleicht hast Du davon in den letzten Wochen schon etwas ausprobieren können!

Im dritten und letzten Teil meiner Ausrüstungs-Serie zeige ich Dir meine Profi-Ausrüstung. Ich benutze sie, wenn ich zu Kunden gehe, um Interviews und B-Roll zu filmen, aber auch, wenn ich im Büro Tutorials aufnehme.

Professionell, aber mobil

Kern der Ausrüstung ist die Sony PXW FS5, meine grosse Videokamera. Es gehört aber neben der Kamera noch viel mehr zu dieser Ausrüstung.

Insgesamt füllt dieses Equipment drei Taschen. Darin ist alles gut und übersichtlich verstaut.

  1. Tasche: Kamera und -Zubehör
  2. Tasche: Stative
  3. Tasche: Licht

 

1. Das Kernstück: Der Kamerakoffer

Meine Kamera Sony PXW-FS5

Über meine Kamera und was mich daran überzeugt, habe ich hier einen ausführlichen Blogpost geschrieben.

Das Kit-Objektiv, das von Anfang an dabei war, benutze ich vor allem für Reportagen. Denn wenn es schnell gehen muss, ist der Auto-Fokus sehr nützlich. Dank der grossen Brennweite kann ich nahe hinzoomen, ohne das Objektiv zu wechseln. Dafür kriege ich wegen der eher grossen Blendenzahl nicht so viel Tiefenunschärfe.

 

Zusätzliche Objektive

Ich habe mehrere zusätzliche Objektive. Mit dem Canon-Objektiv EF 24-70mm arbeite ich am liebsten. Die Brennweite lässt sich verändern und ich kann mit einer kleinen Blende arbeiten und kriege so eine schöne Tiefenunschärfe ins Bild. Ich muss zwar den Fokus manuell verstellen, aber das bin ich mich gewohnt.

Damit ich an meiner Sony-Kamera überhaupt Canon-Objektive montieren kann, brauche ich einen Adapter. Meiner ist der Speed-Booster von Meta Bones.

Mein Tele-Objektiv ist von Sony. Damit kann ich nahe heranzoomen – zum Beispiel an einem Event, wo ich die Leute aus der Entfernung filmen möchte, oder in der Natur, wenn ich zu Fuss nicht näher heran kann. Auch damit lassen sich schöne Bilder aufnehmen, auch mit Tiefenunschärfe.

 

Für den guten Ton: Mikrofone und Kopfhörer

Ein Richtmikrofon Røde NTG-1: Damit nehme ich die Umgebungsgeräusche auf. Wenn es mal windig ist, kann ich einen Windschutz montieren.

Meine Funkstrecke von Sennheiser ist immer mit dabei. Der Empfänger wird auf der Kamera montiert und den Sender erhält mein Interviewpartner. Meine Funkstrecke Sennheiser EW100-G3 ist heute nicht mehr erhältlich. Eine Alternative ist das Sennheiser ew 112P G4-B.

 

Sennheiser ew 112P G4-B

Damit die Funkstrecke komplett ist, braucht es noch ein Mikrofon: Ich arbeite mit einem Lavaliermikrofon von Voice Technologies, dem VT506WATER. Wie der Produktname schon antönt, ist es wasserfest und hält Regen aus.

Ein Handmikrofon MD 46 von Sennheiser. Damit führe ich Interviews. Dazu gehören ein XLR-Kabel (3 m, z.B. bei Brack erhältlich) und ein Büsi (Fellüberzug), damit Windgeräusche minimiert werden.

Richt-, Hand- oder Lavaliermikrofon: Wann sich welcher Mikrofontyp am besten eignet, beschreibe ich in diesem Blogpost.

Wenn ich nicht selber vor der Kamera stehe, habe ich immer meinen Kopfhörer auf. Es ist mir sehr wichtig, immer volle Kontrolle über den Ton zu haben.

 

Akkus, Batterien und sonstiges Kleinzubehör

Ein Ersatz-Akku Sony BP-U30 für die Kamera ist Gold wert: Damit kann ich über zwei Stunden länger filmen. Aber auch kleine Batterien für meine Funkstrecke habe ich immer im Gepäck.

Um die Linse zwischendurch zu reinigen, brauche ich eine kleine Pumpe (zum Beispiel diese hier). Damit kann ich Staub wegblasen.

Im Sommer befestige ich um das Display der Kamera einen aufklappbaren Sonnenschutz Orca. Dieser hilft, wenn es sehr hell ist und das Display deswegen fast nicht erkennbar ist.

Eine Dose Gesichtspuder – damit ich mich und/oder meinen Interviewpartner vor der Aufnahme abpudern kann und das Gesicht nicht glänzt. Puder ist in Kosmetikabteilungen erhältlich. Es gibt Universal-Puder ohne Farbpigmente, die sich für alle Teints eignen, zum Beispiel dieses hier.

 

2. Stative: Leicht und unkompliziert ist wichtig

Mein Dreibein-Stativ ist von Manfrotto. Das Stativ ist aus Karbon.Der Kopf dreht schön und hat eine Schnell-Wechsel-Platte. Mein absolutes Lieblingsstativ.

Wenn es schnell gehen muss, greife ich gerne zum Einbein-Stativ. Es ist auch von Manfrotto und besitzt die gleiche Schnell-Wechsel-Platte wie das Dreibein-Stativ, sodass ich die Kamera auch während eines Drehs vom einen auf das andere wechseln kann. Das Stativ ist sehr einfach höhenverstellbar und der kleine Dreifuss unten lässt sich bewegen.

 

3. Licht-Ausrüstung: Der grösste Koffer

Lampen

Zwei LED-Panels: Beide sind dimmbar, d.h. ich kann die Lichtstärke einstellen, und bicolor, damit ich kälteres oder wärmeres Licht wählen kann. Ich arbeite gerne mit dieser grossen LED-Lampe.

Für eine Dreipunkte-Ausrüstung brauche ich noch einen Spot. Ich habe einen von Dedolight, der ist veraltet. Alternative: Spot von Jinbei.

 

Stative

Zwei Licht-Stative (Jinbei), die schnell aufgestellt sind, tragen die LED-Panels. Und das Velbon-Stativ, das ich schon in den anderen beiden Ausrüstungs-Beiträgen vorgestellt habe, kommt hier als Licht-Stativ für den Spot mit. Darauf kann ich auch eine zweite Kamera (z.B. das Smartphone) befestigen.

Zubehör

Für jede Lampe habe ich zwei Akkus. Das ist einfacher, als wenn ich mit Stromkabeln arbeiten muss: Ich kann schnell umstellen und niemand stolpert über ein Kabel. Und mit je zwei Akkus pro Lampe kann ich zwei bis drei Stunden filmen. (Zur Godox-Lampe passen dieser Akku und dieses Ladegerät.)

Die Weisskarte steckt auch noch irgendwo im Lichtkoffer. Den Weissabgleich könnte ich auch der Kameraautomatik überlassen, aber ich mache das oft manuell. Der Weissabgleich dient dazu, die Lichttemperatur optimal einzustellen. (Ein Weisskartenset findest Du zum Beispiel hier.)

 

Mit der Ausrüstung richtig umgehen

Nun kennst Du den grössten Teil meiner aktuellen Video-Ausrüstung!

Zum Thema Licht habe ich zwei Extra-Ratgeber erstellt: In „Gutes Licht für Deine Videos“ gebe ich Know-How weiter (mit und ohne künstliches Licht). Und im PDF-Ratgeber „Licht-Ausrüstung“ sind die Produkte zusammengefasst, die ich empfehlen kann.

Equipment zu kaufen, ist das eine, damit umgehen zu können, das andere. Ich empfehle Dir, viel auszuprobieren, und Deine Ausrüstung auch anhand von Manuals und YouTube-Tutorials gut kennen zu lernen.

Um die ganze Bandbreite der Möglichkeiten nutzen zu können, braucht es auch etwas Know-How zur Videoproduktion. Dazu gebe ich immer wieder Kurse.

Ratgeber Licht-Ausrüstung

Q&A: Welche Ausrüstung eignet sich für Webinars?

Hallo Judith,

Dein Blog ist super! Ich bin schon lange auf der Suche nach einem Mikrofon u.a. fürs Filmen mit dem iPhone 7 und habe mit Deinem Ratgeber eine super Übersicht bekommen. Danke!

Bevor ich ein Mikrofon kaufe, habe ich aber noch eine Frage. Ich plane ein Webinar zum Thema Backen, also einen Online-Kurs mit Video. Ich habe vor, eine Person zu filmen, die mir im Abstand von ca. 2 Metern gegenüber steht und Kuchen bäckt und dabei erklärt, was sie macht.

1. Welches Mikrofon?

Bei einem Lavaliermic müsste das Kabel entsprechend lang sein. Oder soll ich besser ein Funkmikro verwenden? Würde das Ganze auch mit einem Richtmikrofon funktionieren, das z.B. auf dem Handy steckt oder auf dem Tisch steht? Vielleicht gibt es dann aber Nebengeräusche, weil auf dem Tisch auch die Backutensilien stehen…

Am liebsten möchte ich ein Mikro, das ich auch an meiner DSLR-Kamera (Canon 5D Mark II) oder mit einer GoPro nutzen kann.

2. Welche Kamera?

Was sagst Du dazu, das Webinar mit dem iPhone 7 zu filmen? Sollte ich lieber die DSLR-Kamera verwenden?

Zum Beispiel mit dem Tonor-Richtmikrofon, oder mit dem Røde VMMICRO? Diese kann ich dann aber vielleicht nicht am iPhone nutzen. Oder gibt es dazu einen Adapter?

Es wäre mir super hilfreich wenn Du mir helfen würdest. Welche Mikrofon-Kamera-Kombination würdest Du mir empfehlen?

Viele Grüsse aus N.,

F.

Hallo F.

Vielen Dank für Dein Mail und Dein Feedback. Das sind ziemlich viele Fragen 😉 Aber ich versuche, da mal etwas eine Übersicht hinein zu geben.

Webinar-Software spielt eine Rolle

Weisst Du schon, über welchen Streamingdienst bzw. mit welcher Software Du das Webinar machst? Das kann ausschlaggebend sein. Die meisten Webinare werden mit Webcams aufgenommen. Da eine andere Kamera anzuschliessen, ist nicht so einfach. Oft braucht es extra Hardware und dann spielt auch das Betriebssystem noch eine Rolle: Windows oder Mac? Auf dem Smartphone kannst Du sehr einfach ein Live-Video für Facebook streamen, was z. Bsp. eine einfache Variante sein könnte.

Mehr über die Grundlagen für Webinare und gute Tools dafür hat Christian Bossert in seinem Artikel dazu geschrieben: Webinare und Content Marketing: Positioniere dich als Experte/Expertin und baue deine E-Mail-Liste auf.

1. Welches Mikrofon?

Funkstrecke ist besser als Kabel

In diesem Setting würde ich eher nicht mit einem Lavaliermikrofon mit Kabel arbeiten. Mit der 6m-Verlängerung von Røde würde es zwar wahrscheinlich gehen. Aber der Bäcker bewegt sich ja – im dümmsten Fall stolpert er während dem Webinar noch über das Kabel.

Ich würde deshalb an Deiner Stelle ein Lavaliermikrofon mit Funkstrecke nehmen. Die Funkstrecke kann ich mit jeder Kamera mit XLR oder Klinkenstecker verbinden. Mit dem richtige Adapter kannst Du die Funkstrecke auch an Deinem Smartphone anschliessen.

In meinem Blog habe ich schon mal einige Funkstrecken vorgestellt. Lese dazu meinen Blogeintrag „Kabellose Mikrofone: Funkstrecken und Bluetooth“.

Pro und Kontra Richtmikrofon

Du könntest ein Richtmikrofon verwenden (z.B. Røde VidMic Go), und dieses auf der Kamera befestigen. Die Canon 5D Mark II hat einen Mikeingang, Du kannst das Richtmikrofon damit verbinden und darauf befestigen. Für das Smartphone brauchst Du einen Übergangsstecker TRS – TRRS. Warum, erkläre ich im Blogeintrag „Hilfe – mein Mikrofon funktioniert nicht!“. Und Du brauchst eine extra Halterung, damit Du das Richtmikrofon befestigen kannst. Der Vorteil ist, dass Du kein Kabel mit Deinem Protagonisten vor der Kamera verbinden musst.

Umgekehrt ist es, wenn Du ein Mik für das Smartphone hast (z. Bsp. Røde Smart Lav+). Dann kannst Du dieses mit einem TRRS – TRS-Adapter auch an eine Videokamera anschliessen.

Vorsicht beim Richtmikrofon: Viele Vlogger arbeiten mit Richtmikrofon. Die sind aber nah bei der Kamera und in einem ruhigen Raum. Wird die Distanz zum Richtmikrofon grösser, nimmt das Rauschen zu und die Präsenz der Stimme ab.

Wenn es viele Hintergrundgeräusche hat, z. Bsp. der Arbeitprozess des Bäckers sehr laut ist, versteht man das Gesprochene nicht mehr gut. Deshalb empfehle ich selber keine Richtmikrofone.

Die Regel ist: Das Mikrofon muss zur Tonquelle. Das Richtmikrofon erfüllt diese Regel nicht. Wenn die Umgebung sehr laut ist, z. Bsp. in einem Maschinenraum, braucht es sogar ein Handmikrofon. Siehe dazu meinen Blogbeitrag: „Mikrofontypen im Vergleich“. (Mit einem Klick aufs Bild unten holst Du Dir den Vergleich als PDF.)

Ratgeber: Mikrofontypen im Vergleich

2. Welche Kamera

GoPro – für die spezielle Perspektive

Ich finde GoPro als Action-Cam super für unerwartete Perspektiven: Auf dem Helm in einer Eishöhle, in der Luft, unter Wasser etc. Oder in Deinem Fall an der Knetmaschine befestigt, den Teig filmend oder wie auch immer. Dort wo ich mit einer anderen Kamera auch nicht gut hinkomme. Und dort wo es keine „Botschaft“ gibt, also niemand spricht. Die GoPro keinen Mikrofoneingang. Es gibt Mikrofone für die GoPro, welche Du über den USB Stecker anschliessen kannst. Das kann Sinn machen, wenn Du in einer Eishöhle bist und gleich kommentieren willst, was Du jetzt gerade tust und man dabei noch Deine angestrengte Atmung hört. In Deinem Falle geht es aber ja nicht um dieses extreme Live-Ergebnis:-) Sondern der Inhalt der Worte ist das Wichtige. Der Ton ist extrem wichtig, im Idealfall hörst Du mit dem Kopfhörer mit (Bei Interviews trage ich immer einen Kopfhörer, um die volle Kontrolle über den Ton zu haben). So viel ich weiss, hast Du auf dem Display der GoPro nicht einmal einen Audiopegel für ein wenig Kontrolle über den Ton.

Canon 5D Mark II – Schöne Bilder

Mit der Canon Spiegelreflexkameras machst Du die schönsten Bilder. Du hast viel Tiefenunschärfe, was den meisten Leuten gefällt. Du kannst in den Settings auch einen Audiopegel einschalten, damit Du visuelle Kontrolle über den Ton hast. Bei diesem Modell kannst Du aber nicht gleichzeitig ein Mikrofon anschliessen und mit dem Kopfhörer mithören. Profis benutzen eine externe Audiobox, damit sie Mikrofon und Kopfhörer anschliessen können, aber das alles gleichzeitig an einem Computer anzuschliessen für eine Live-Session wird ganz schön kompliziert. Die Herausforderung hier ist vor allem das Streaming. 

iPhone 7 – Direkt ins Internet streamen

Mit dem iPhone hast Du gegenüber der Spiegelreflexkamera ein wenig Verlust bei den Gestaltungsmöglichkeiten des Bildes. Wenn Du Dich aber nicht gewohnt bist, mit der Canon zu filmen, behältst Du mit dem iPhone wahrscheinlich besser die Schärfe. Du kannst, wie oben beschrieben, alle möglichen Mikrofone benutzen. Es gibt beim Filmen Apps mit Audiopegel oder sogar die Möglichkeit einen Kopfhörer anzuschliessen. Beide Möglichkeiten muss aber die benutzte App bieten. Das einfachste bei dieser Kamera ist der Live Stream. Du kannst ohne Umwege direkt ins Internet streamen. Es gibt auch Webinar Apps für das iPhone wie ClickMeeting, ich habe aber noch nie eine solche App ausprobiert.

3. Eine mögliche Ausrüstung:

– Ein Livestream in Facebook mit dem iPhone 7 (anstatt mit Webinar-Software)
– Mikrofon: Funkstrecke von Røde und ein TRS zu TRRS Stecker.
– Wenn Du mit dem iPhone 7 filmst, brauchst Du noch den Adapter für den Lightning-Anschluss.
– Ich empfehle Dir, je nach Dauer des Webinars, auch einen Doppelstecker für Lightning zu verwenden, damit gleichzeitig Strom geladen werden kann. (Siehe Blogbeitrag „Darum brauchen iPhone-Filmer drei Lightining-Anschlüsse“.)

Ich hoffe das hilft, um etwas mehr den Durchblick zu haben.

Herzliche Grüsse
Judith

Ratgeber Mikrofone zum Filmen mit Smartphone

Kabellose Mikrofone – Bluetooth und Funkstrecken

Die meisten Mikrofone, die ich hier im Blog schon vorgestellt habe, funktionieren mit Kabel. Das ist die günstigste und einfachste Variante. Doch sobald sich eine Person spricht und sich bewegt vor der Kamera, braucht es eine kabellose Lösung.

Diesen Blogbeitrag habe ich im September 2019 upgedatet. Im ersten Video stelle ich Dir die neusten kabellosen Mikrofone vor. Im Text unten findest Du alle Produkte, die ich empfehle, und auch mein erstes Video zum Thema.

Samson Go Mic Mobile: vielseitig und flexibel

Beim Samson Go Mobile wird der Empfänger mit einem Kabel mit dem Smartphone verbunden, dann an diesem festgeklickt. So fungiert er gleichzeitig (wenn nötig) als Stativadapter.

Samson Go Mic Mobile

Samson Go Mic Mobile (Empfänger)

Der grosse Vorteil dieser kabellosen Mikrofonlösung ist, dass sie sehr flexibel ist: Das Samson Go Mic Mobile funktioniert mit iPhone, Android-Smartphone und normalen Kameras. Das System wird mit Lightning-, USB-C-, als auch 3,5mm-Klinkenkabel für den Empfänger geliefert. (Vorsicht: Ältere Android-Geräte, die noch eine Kopfhörerbuchse haben, unterstützen teilweise das Audiosignal im Stecker noch nicht. Mit neueren Android-Smartphones sollte es aber in der Regel funktionieren.)

Beim Empfänger lässt sich ein Kopfhörer einstecken, auch das ein Vorteil. Und die Lautstärke lässt sich am Empfänger kontrollieren und regeln.

Zudem ist es auch möglich, zwei Mikrofone zu verwenden: Sehr praktisch, wenn ich einen Interviewgast habe oder zwei Leute vor der Kamera, die etwas sagen. Die Aufnahme kann dann in einer oder zwei Audiospuren gespeichert werden. (Das ist z.B. beim Røde SC-6-Adapter, über den ich ebenfalls zwei Mikrofone ans Smartphone anschliessen kann, nicht möglich.)

Samson Go Mic Mobile (Sender und Empfänger)

Fazit: Das Samson Go Mic Mobile finde ich vor allem für das Smartphone eine gute Lösung. Ich brauche keine zusätzlichen Kabel-Adapter, sondern kann gleich das richtige Kabel für mein Smartphone nehmen. Die Kopfhörerbuchse ist auch ein Mehrwert. Wer zwei Audiospuren mit einem Smartphone aufnehmen will, ist hier super bedient.

Ich habe die Variante mit Lavalier-Mikrofon getestet (erhältlich z.B. bei Brack, CHF 219.-). Es gibt aber auch eine Variante mit Handmikrofon (bei Brack CHF 259.-). Das Handmik ist ebenfalls kabellos – super!

Wann Du besser mit Lavaliermik, wann mit Handmikrofon arbeitest, darüber habe ich diesen Blogbeitrag geschrieben. Du kannst Dir auch den kostenlosen Ratgeber heruntrerladen.

Ratgeber: Mikrofontypen im Vergleich

Sennheiser Memory Mic: eher gross, kein Audiomonitoring, unzuverlässig

Der Nachteil des Sennheiser Memory Mic fällt gleich ins Auge: Es ist sehr gross und man kann es nicht verstecken. Für Moderations-Situationen ist es also nicht sehr schön.

Sennheiser Memory Mic

Das zweite Nachteil: Man kann keinen Windschutz befestigen. Gerade draussen ist das heikel.

Der dritte Nachteil: Ich muss mit der dazugehörigen Video-App arbeiten, kann also nicht z.B. mit Filmic Pro arbeiten. Die App lässt kein Audiomonitoring zu, ich kann also während der Aufnahme den Ton nicht kontrollieren. Ich habe auch praktisch keine Möglichkeiten für zusätzliche Bildeinstellungen in dieser Video-App, zum Beispiel für die Aufnahme auf die Tele-Linse meines iPhone X zu wechseln.

Der Ton wird im Gerät gespeichert und nach der Aufnahme mit der App synchronisiert und ins Video integriert. Facebook- oder YouTube-Live-Videos sind damit also nicht möglich. Das Synchronisieren hat beim ersten Test funktioniert, beim zweiten schon nicht mehr, ist also ziemlich unzuverlässig. Im Video zu diesem Blogbeitrag nehme ich deswegen den Ton noch mit einem zweiten Mikrofon auf, als Backup.

Sennheiser Memory Mic

Hier trage ich das Sennheiser Memory Mic und ein zweites Lavaliermikrofon mit „Büsi“ (Windschutz)

Fazit: Für mich ist das Sennheiser Memory Mic (erhältlich z.B. bei House of Sound, ca. CHF 174.-) eine schwerfällige Lösung, zu kompliziert und unzuverlässig. 

Røde Wireless GO: noch kleiner, ohne Batterie

Die Funkstrecke Røde Wireless GO besteht aus zwei kleinen Kästchen – einem Sender und einem Empfänger.

Rode Wireless Go

Røde Wireless Go, Sender mit Windschutz und Empfänger mit Kamerakabel

Das im Sender integrierte Mikrofon ist recht gut, wenn man es nahe genug an der Tonquelle befestigt. Es ist ein kleiner Windschutz dabei, den man aufstecken kann. Das Mikrofonkästchen ist kleiner als das Sennheiser Memory Mic, das ich weiter unten noch vorstelle.

Cool: Weil es so klein ist, habe ich dieses Mikrofon sogar im Reisegepäck nach Kasachstan mitgenommen. Bisher habe ich in den Ferien immer auf Funkstrecken verzichtet.

Ich habe für meinen Test auch noch ein Lavaliermikrofon an den Sender gekoppelt (wird nicht mitgeliefert). Der Vorteil: Das ist diskreter und ich kann das Mikrofon noch näher zu meinem Gesicht bringen. Für Profis empfehle ich da zum Beispiel das VT506 ECO (mit 3,5mm-TRS-Stecker bestellen), eine günstigere Variante ist das Røde SmartLav+ (TRRS-TRS-Adapter nötig).

VT506 ECO

Voice Technologies Switzerland hat mir das VT506 Eco zum Test zur Verfügung gestellt.

Das Røde Wireless GO ist für normale Kameras konzipiert, lässt sich aber mit einem TRRS-Adapter problemlos mit Smartphones verwenden (erkläre ich hier). Es braucht keine App, sondern kann einfach angestellt und mit dem Kabel am Smartphone oder an der Kamera verbunden werden. Vom Prinzip her ist es vergleichbar mit dem Røde Filmmaker Kit, ist aber kleiner und leichter. Das Filmmaker Kit soll über eine Distanz von 100m funktionieren, das Wireless GO immerhin über 70m.

Ein zweiter grosser Vorteil: Das Røde Wireless GO hat keine Batterien, sondern wird direkt aufgeladen. Der Akku sollte 7h halten, das ist ziemlich lang. Das kann aber auch ein Nachteil sein: Batterien kann man überall kaufen, aber wenn man vergessen hat, Sender und Empfänger aufzuladen, ist man aufgeschmissen.

Auch preislich ist es recht ok: Es kostet bei Brack CHF 198.-.

Mein Fazit: Ein sehr cooles Gadget, wenn man es mit einem Lavalier-Mik ergänzt. Ich kann das Røde Wireless GO für jede Kamera empfehlen – Spiegelreflex, Systemkamera, Smartphone (mit TRRS-Adapter).

RødeLink Filmmaker Kit

In meinem ersten Video über kabellose Mikrofone (das Video findest Du weiter unten) empfehle ich das RødeLink Filmmaker Kit. Mit 290 CHF stach damals dieses Produkt heraus. Ich hatte für meine erste Funkstrecke von Sennheiser 1000 CHF bezahlt (mehr dazu etwas weiter unten in diesem Artikel). Verglichen mit dem Røde Wireless Go ist es kein Schnäppchen mehr.

Die Reichweite des RødeLink Filmmaker Kit ist 100 Meter, etwas weiter als das Wireless Go. Die extra Batterien bringen einen Vorteil, wenn ich einen längeren Event filme und froh bin, wenn ich einfach die Batterien wechseln kann. Bei dieser Funkstrecke ist das Ansteckmikrofon inklusive. Die Frequenz des Funks kann bei Bedarf auch geändert werden.

RødeLink Filmmaker Kit

Fazit: Die Funkstrecke hat ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich kann die Funkstrecke für jede Kamera mit 3.5mm-Klinkeneingang und Smartphone mit TRRS-Adapter empfehlen.

Für Profis: Funkstrecken von Sennheiser

Nun zur Profi-Ausrüstung. Ich verwende häufig meine Funkstrecken von Sennheiser. Ich habe sie in einem älteren Video bereits einmal vorgestellt.

Wie auch bei der Røde-Funkstrecke wird das Mikrofon der Person, die spricht, angesteckt, der Sender zum Beispiel in die Tasche gesteckt. Der Empfänger ist bei der Kamera befestigt. Die beiden Geräte kommunizieren über Funk. Da auch die Polizei diese Technologie benutzt, sind gewisse Frequenzen gesperrt.

Meine ältere Funkstrecke ist die Sennheiser EW100-G3. Sie kostete damals ca. 1000 Franken. Heute ist dieses Produkt nicht mehr erhältlich: Die Frequenzen, die sie verwendet, wurden verboten. Ich verwende sie fast nicht mehr.

Sennheiser EW100-G3 (nicht mehr erhältlich)

Diese Funkstrecke sieht zwar etwas komplizierter aus als die bereits vorgestellten Produkte. Sie funktioniert aber ganz einfach. Das Gehäuse ist aus Metall, also robuster und wertiger als die RødeLink-Funkstrecke. Besonders beim Sender ist das nützlich – es kann gut sein, dass da mal jemand aus Versehen draufsitzt.

Frequenz wechseln

Vorne kann man bei beiden Geräten eine Klappe öffnen und dort Einstellungen machen. Auch die Batterien sind dort drin. An den Einstellungen ändere ich selten etwas. Wichtig ist aber, dass man den Kanal ändern kann. Warum, dazu eine kleine Anekdote:

Letzte Woche filmte ich an einer Messe. Über den Kopfhörer hörte ich während dem Filmen, was mein Interviewpartner Frank sagte. Dabei fiel mir auf, dass es rauschte und surrte – der Ton war einfach nicht gut. Dann änderte ich die Frequenz und gleich war alles bestens. Nach dem Filmen kam jemand von einem anderen Stand zu uns herüber. Er erzählte mir, dass sie soeben eine Live-Vorführung mit Übertragung auf Leinwand gemacht hätten. Der Ton wurde mit einer Funkstrecke verstärkt. Und offenbar waren wir auf der gleichen Frequenz – denn lustigerweise hörten sie bei ihrer Vorführung plötzlich die Stimme von Frank!

Sennheiser AVX MKE-2

Die neuere Funkstrecke von Sennheiser, die AVX MKE-2, funktioniert noch einfacher.

Sennheiser AVX MKE-2

Das kleinere Gerät rechts im Bild ist der Empfänger, der direkt auf der Kamera fixiert und über ein kleines Kabel damit verbunden werden kann. Das Kästchen links ist der Sender mit dem Lavaliermikrofon. Das Geniale an dieser Funkstrecke: Anstatt der Klappe mit den Batterien wie bei der älteren Sennheiser-Funkstrecke habe ich einen Akku. Den kann ich entfernen und aufladen. Das System ist also schon mal ökologischer.

Bei dieser Funkstrecke muss ich gar nichts einstellen. Anstecken, einschalten, und los geht’s! Nicht einmal die Frequenz kann ich hier manuell verstellen. Ja, Du hast richtig gelesen: Ich kann die Frequenz nicht ändern. Doch vorher habe ich ja gerade erzählt, wie wichtig das ist? Die Sennheiser AVX MKE-2 erkennt selbständig, wenn ein Kanal nicht sauber ist, das heisst, wenn eine Frequenz schon von jemand anderem belegt ist. „Tubelisicher“, würden wir auf Schweizerdeutsch sagen.

Preisunterschied wegen XLR-Anschluss

Das hat natürlich seinen Preis: In der Schweiz kostet diese Funkstrecke aktuell ca. 820 Franken. Warum dieser Preisunterschied zur RødeLink-Funkstrecke, die ich vorher vorgestellt habe?

Eines habe ich bereits erwähnt, nämlich die robustere Verarbeitung. Vor allem aber ist die Tonqualität noch besser. Die Sennheiser-Funkstrecke ist nämlich über einen XLR-Anschluss mit der Kamera verbunden (auf dem letzten Foto gut zu sehen). XLR-Kabel sind weniger störungsanfällig. Sie liefern vor allem bei langen Kabelstrecken und in einer lauten Umgebung einen stabileren Ton als die Kabel mit 3,5mm-Klinkenstecker.

Beim Filmen mit Handy fällt dieser Unterschied nicht ins Gewicht. Dort empfehle ich Dir mit gutem Gewissen die günstigere Funkstrecke von Røde. Wenn Du aber professionell unterwegs bist, lohnt es sich, hier mehr Geld in die Hand zu nehmen. Falls Du dann doch einmal mit dem Smartphone filmen willst, kann die Funkstrecke trotz des XLR-Kabels dort eingesteckt werden – mit dem Adapter iRig Pre (bei iPhone 7 zusätzlich Klinke-zu-Lightning-Adapter).

Was ist mit Bluetooth?

Ich wurde schon häufig gefragt, ob es nicht Bluetooth-Mikrofone gebe. Doch, gibt es! Ich habe mich lange nicht damit beschäftigt, weil ich Bluetooth-Verbindungen unzuverlässig finde.

Ich wurde neugierig, als mir ein Videoproduzent erzählte, dass er gute Erfahrungen mit dem Nikon Wireless Mikrofon ME-W1 gemacht habe, einem Bluetooth-Mikrofon. Im Test hat es mich jedoch nicht überzeugt – der Sender/Mikrofon ist klobig und unschön im Bild. Wenn man es besser versteckt, ist der Ton hingegen nicht mehr gut.

Ich kann also nach wie vor keine Bluetooth-Lösung empfehlen.

Fazit: Welches Mik überzeugt?

Wenn ich professionell filme, nutze ich meine Sennheiser-Funkstrecke AVX MKE-2 zusammen mit der Sony FS-5.

Zum Filmen mit dem Smartphone oder meiner Panasonic Lumix GH4 bin ich Fan des Røde Wireless Go geworden: Es passt von der Grösse her sogar ins Reisegepäck, der Ton ist gut und in Kombination mit einem Lavaliermik ist es im Bild total diskret.

Welche Lösung überzeugt Dich? Gib mir doch ein Feedback, welche Mikrofonlösung Dir am besten entspricht und was Du für Erfahrungen damit machst. Ich freue mich über Deinen Kommentar.

Übersicht Mikrofone für das Smartphone:

Mit dem richtigen Adapter lässt sich jedes Mikrofon am Smartphone anschliessen. Wenn Du vor allem mit dem Smartphone filmst, gebe ich Dir in diesem Ratgeber meine Mikrofon-Empfehlungen. Du kannst ihn kostenlos herunterladen:

Ratgeber Mikrofone zum Filmen mit Smartphone

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