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Kabellose Mikrofone – Bluetooth und Funkstrecken

Die meisten Mikrofone, die ich hier im Blog schon vorgestellt habe, funktionieren mit Kabel. Das ist die günstigste und einfachste Variante. Doch sobald sich eine Person spricht und sich bewegt vor der Kamera, braucht es eine kabellose Lösung.

Diesen Blogbeitrag habe ich im September 2019 upgedatet. Im ersten Video stelle ich Dir die neusten kabellosen Mikrofone vor. Im Text unten findest Du alle Produkte, die ich empfehle, und auch mein erstes Video zum Thema.

Samson Go Mic Mobile: vielseitig und flexibel

Beim Samson Go Mobile wird der Empfänger mit einem Kabel mit dem Smartphone verbunden, dann an diesem festgeklickt. So fungiert er gleichzeitig (wenn nötig) als Stativadapter.

Samson Go Mic Mobile

Samson Go Mic Mobile (Empfänger)

Der grosse Vorteil dieser kabellosen Mikrofonlösung ist, dass sie sehr flexibel ist: Das Samson Go Mic Mobile funktioniert mit iPhone, Android-Smartphone und normalen Kameras. Das System wird mit Lightning-, USB-C-, als auch 3,5mm-Klinkenkabel für den Empfänger geliefert. (Vorsicht: Ältere Android-Geräte, die noch eine Kopfhörerbuchse haben, unterstützen teilweise das Audiosignal im Stecker noch nicht. Mit neueren Android-Smartphones sollte es aber in der Regel funktionieren.)

Beim Empfänger lässt sich ein Kopfhörer einstecken, auch das ein Vorteil. Und die Lautstärke lässt sich am Empfänger kontrollieren und regeln.

Zudem ist es auch möglich, zwei Mikrofone zu verwenden: Sehr praktisch, wenn ich einen Interviewgast habe oder zwei Leute vor der Kamera, die etwas sagen. Die Aufnahme kann dann in einer oder zwei Audiospuren gespeichert werden. (Das ist z.B. beim Røde SC-6-Adapter, über den ich ebenfalls zwei Mikrofone ans Smartphone anschliessen kann, nicht möglich.)

Samson Go Mic Mobile (Sender und Empfänger)

Fazit: Das Samson Go Mic Mobile finde ich vor allem für das Smartphone eine gute Lösung. Ich brauche keine zusätzlichen Kabel-Adapter, sondern kann gleich das richtige Kabel für mein Smartphone nehmen. Die Kopfhörerbuchse ist auch ein Mehrwert. Wer zwei Audiospuren mit einem Smartphone aufnehmen will, ist hier super bedient.

Ich habe die Variante mit Lavalier-Mikrofon getestet (erhältlich z.B. bei Brack, CHF 219.-). Es gibt aber auch eine Variante mit Handmikrofon (bei Brack CHF 259.-). Das Handmik ist ebenfalls kabellos – super!

Wann Du besser mit Lavaliermik, wann mit Handmikrofon arbeitest, darüber habe ich diesen Blogbeitrag geschrieben. Du kannst Dir auch den kostenlosen Ratgeber heruntrerladen.

Ratgeber: Mikrofontypen im Vergleich

Sennheiser Memory Mic: eher gross, kein Audiomonitoring, unzuverlässig

Der Nachteil des Sennheiser Memory Mic fällt gleich ins Auge: Es ist sehr gross und man kann es nicht verstecken. Für Moderations-Situationen ist es also nicht sehr schön.

Sennheiser Memory Mic

Das zweite Nachteil: Man kann keinen Windschutz befestigen. Gerade draussen ist das heikel.

Der dritte Nachteil: Ich muss mit der dazugehörigen Video-App arbeiten, kann also nicht z.B. mit Filmic Pro arbeiten. Die App lässt kein Audiomonitoring zu, ich kann also während der Aufnahme den Ton nicht kontrollieren. Ich habe auch praktisch keine Möglichkeiten für zusätzliche Bildeinstellungen in dieser Video-App, zum Beispiel für die Aufnahme auf die Tele-Linse meines iPhone X zu wechseln.

Der Ton wird im Gerät gespeichert und nach der Aufnahme mit der App synchronisiert und ins Video integriert. Facebook- oder YouTube-Live-Videos sind damit also nicht möglich. Das Synchronisieren hat beim ersten Test funktioniert, beim zweiten schon nicht mehr, ist also ziemlich unzuverlässig. Im Video zu diesem Blogbeitrag nehme ich deswegen den Ton noch mit einem zweiten Mikrofon auf, als Backup.

Sennheiser Memory Mic

Hier trage ich das Sennheiser Memory Mic und ein zweites Lavaliermikrofon mit „Büsi“ (Windschutz)

Fazit: Für mich ist das Sennheiser Memory Mic (erhältlich z.B. bei House of Sound, ca. CHF 174.-) eine schwerfällige Lösung, zu kompliziert und unzuverlässig. 

Røde Wireless GO: noch kleiner, ohne Batterie

Die Funkstrecke Røde Wireless GO besteht aus zwei kleinen Kästchen – einem Sender und einem Empfänger.

Rode Wireless Go

Røde Wireless Go, Sender mit Windschutz und Empfänger mit Kamerakabel

Das im Sender integrierte Mikrofon ist recht gut, wenn man es nahe genug an der Tonquelle befestigt. Es ist ein kleiner Windschutz dabei, den man aufstecken kann. Das Mikrofonkästchen ist kleiner als das Sennheiser Memory Mic, das ich weiter unten noch vorstelle.

Cool: Weil es so klein ist, habe ich dieses Mikrofon sogar im Reisegepäck nach Kasachstan mitgenommen. Bisher habe ich in den Ferien immer auf Funkstrecken verzichtet.

Ich habe für meinen Test auch noch ein Lavaliermikrofon an den Sender gekoppelt (wird nicht mitgeliefert). Der Vorteil: Das ist diskreter und ich kann das Mikrofon noch näher zu meinem Gesicht bringen. Für Profis empfehle ich da zum Beispiel das VT506 ECO (mit 3,5mm-TRS-Stecker bestellen), eine günstigere Variante ist das Røde SmartLav+ (TRRS-TRS-Adapter nötig).

VT506 ECO

Voice Technologies Switzerland hat mir das VT506 Eco zum Test zur Verfügung gestellt.

Das Røde Wireless GO ist für normale Kameras konzipiert, lässt sich aber mit einem TRRS-Adapter problemlos mit Smartphones verwenden (erkläre ich hier). Es braucht keine App, sondern kann einfach angestellt und mit dem Kabel am Smartphone oder an der Kamera verbunden werden. Vom Prinzip her ist es vergleichbar mit dem Røde Filmmaker Kit, ist aber kleiner und leichter. Das Filmmaker Kit soll über eine Distanz von 100m funktionieren, das Wireless GO immerhin über 70m.

Ein zweiter grosser Vorteil: Das Røde Wireless GO hat keine Batterien, sondern wird direkt aufgeladen. Der Akku sollte 7h halten, das ist ziemlich lang. Das kann aber auch ein Nachteil sein: Batterien kann man überall kaufen, aber wenn man vergessen hat, Sender und Empfänger aufzuladen, ist man aufgeschmissen.

Auch preislich ist es recht ok: Es kostet bei Brack CHF 198.-.

Mein Fazit: Ein sehr cooles Gadget, wenn man es mit einem Lavalier-Mik ergänzt. Ich kann das Røde Wireless GO für jede Kamera empfehlen – Spiegelreflex, Systemkamera, Smartphone (mit TRRS-Adapter).

RødeLink Filmmaker Kit

In meinem ersten Video über kabellose Mikrofone (das Video findest Du weiter unten) empfehle ich das RødeLink Filmmaker Kit. Mit 290 CHF stach damals dieses Produkt heraus. Ich hatte für meine erste Funkstrecke von Sennheiser 1000 CHF bezahlt (mehr dazu etwas weiter unten in diesem Artikel). Verglichen mit dem Røde Wireless Go ist es kein Schnäppchen mehr.

Die Reichweite des RødeLink Filmmaker Kit ist 100 Meter, etwas weiter als das Wireless Go. Die extra Batterien bringen einen Vorteil, wenn ich einen längeren Event filme und froh bin, wenn ich einfach die Batterien wechseln kann. Bei dieser Funkstrecke ist das Ansteckmikrofon inklusive. Die Frequenz des Funks kann bei Bedarf auch geändert werden.

RødeLink Filmmaker Kit

Fazit: Die Funkstrecke hat ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich kann die Funkstrecke für jede Kamera mit 3.5mm-Klinkeneingang und Smartphone mit TRRS-Adapter empfehlen.

Für Profis: Funkstrecken von Sennheiser

Nun zur Profi-Ausrüstung. Ich verwende häufig meine Funkstrecken von Sennheiser. Ich habe sie in einem älteren Video bereits einmal vorgestellt.

Wie auch bei der Røde-Funkstrecke wird das Mikrofon der Person, die spricht, angesteckt, der Sender zum Beispiel in die Tasche gesteckt. Der Empfänger ist bei der Kamera befestigt. Die beiden Geräte kommunizieren über Funk. Da auch die Polizei diese Technologie benutzt, sind gewisse Frequenzen gesperrt.

Meine ältere Funkstrecke ist die Sennheiser EW100-G3. Sie kostete damals ca. 1000 Franken. Heute ist dieses Produkt nicht mehr erhältlich: Die Frequenzen, die sie verwendet, wurden verboten. Ich verwende sie fast nicht mehr.

Sennheiser EW100-G3 (nicht mehr erhältlich)

Diese Funkstrecke sieht zwar etwas komplizierter aus als die bereits vorgestellten Produkte. Sie funktioniert aber ganz einfach. Das Gehäuse ist aus Metall, also robuster und wertiger als die RødeLink-Funkstrecke. Besonders beim Sender ist das nützlich – es kann gut sein, dass da mal jemand aus Versehen draufsitzt.

Frequenz wechseln

Vorne kann man bei beiden Geräten eine Klappe öffnen und dort Einstellungen machen. Auch die Batterien sind dort drin. An den Einstellungen ändere ich selten etwas. Wichtig ist aber, dass man den Kanal ändern kann. Warum, dazu eine kleine Anekdote:

Letzte Woche filmte ich an einer Messe. Über den Kopfhörer hörte ich während dem Filmen, was mein Interviewpartner Frank sagte. Dabei fiel mir auf, dass es rauschte und surrte – der Ton war einfach nicht gut. Dann änderte ich die Frequenz und gleich war alles bestens. Nach dem Filmen kam jemand von einem anderen Stand zu uns herüber. Er erzählte mir, dass sie soeben eine Live-Vorführung mit Übertragung auf Leinwand gemacht hätten. Der Ton wurde mit einer Funkstrecke verstärkt. Und offenbar waren wir auf der gleichen Frequenz – denn lustigerweise hörten sie bei ihrer Vorführung plötzlich die Stimme von Frank!

Sennheiser AVX MKE-2

Die neuere Funkstrecke von Sennheiser, die AVX MKE-2, funktioniert noch einfacher.

Sennheiser AVX MKE-2

Das kleinere Gerät rechts im Bild ist der Empfänger, der direkt auf der Kamera fixiert und über ein kleines Kabel damit verbunden werden kann. Das Kästchen links ist der Sender mit dem Lavaliermikrofon. Das Geniale an dieser Funkstrecke: Anstatt der Klappe mit den Batterien wie bei der älteren Sennheiser-Funkstrecke habe ich einen Akku. Den kann ich entfernen und aufladen. Das System ist also schon mal ökologischer.

Bei dieser Funkstrecke muss ich gar nichts einstellen. Anstecken, einschalten, und los geht’s! Nicht einmal die Frequenz kann ich hier manuell verstellen. Ja, Du hast richtig gelesen: Ich kann die Frequenz nicht ändern. Doch vorher habe ich ja gerade erzählt, wie wichtig das ist? Die Sennheiser AVX MKE-2 erkennt selbständig, wenn ein Kanal nicht sauber ist, das heisst, wenn eine Frequenz schon von jemand anderem belegt ist. „Tubelisicher“, würden wir auf Schweizerdeutsch sagen.

Preisunterschied wegen XLR-Anschluss

Das hat natürlich seinen Preis: In der Schweiz kostet diese Funkstrecke aktuell ca. 820 Franken. Warum dieser Preisunterschied zur RødeLink-Funkstrecke, die ich vorher vorgestellt habe?

Eines habe ich bereits erwähnt, nämlich die robustere Verarbeitung. Vor allem aber ist die Tonqualität noch besser. Die Sennheiser-Funkstrecke ist nämlich über einen XLR-Anschluss mit der Kamera verbunden (auf dem letzten Foto gut zu sehen). XLR-Kabel sind weniger störungsanfällig. Sie liefern vor allem bei langen Kabelstrecken und in einer lauten Umgebung einen stabileren Ton als die Kabel mit 3,5mm-Klinkenstecker.

Beim Filmen mit Handy fällt dieser Unterschied nicht ins Gewicht. Dort empfehle ich Dir mit gutem Gewissen die günstigere Funkstrecke von Røde. Wenn Du aber professionell unterwegs bist, lohnt es sich, hier mehr Geld in die Hand zu nehmen. Falls Du dann doch einmal mit dem Smartphone filmen willst, kann die Funkstrecke trotz des XLR-Kabels dort eingesteckt werden – mit dem Adapter iRig Pre (bei iPhone 7 zusätzlich Klinke-zu-Lightning-Adapter).

Was ist mit Bluetooth?

Ich wurde schon häufig gefragt, ob es nicht Bluetooth-Mikrofone gebe. Doch, gibt es! Ich habe mich lange nicht damit beschäftigt, weil ich Bluetooth-Verbindungen unzuverlässig finde.

Ich wurde neugierig, als mir ein Videoproduzent erzählte, dass er gute Erfahrungen mit dem Nikon Wireless Mikrofon ME-W1 gemacht habe, einem Bluetooth-Mikrofon. Im Test hat es mich jedoch nicht überzeugt – der Sender/Mikrofon ist klobig und unschön im Bild. Wenn man es besser versteckt, ist der Ton hingegen nicht mehr gut.

Ich kann also nach wie vor keine Bluetooth-Lösung empfehlen.

Fazit: Welches Mik überzeugt?

Wenn ich professionell filme, nutze ich meine Sennheiser-Funkstrecke AVX MKE-2 zusammen mit der Sony FS-5.

Zum Filmen mit dem Smartphone oder meiner Panasonic Lumix GH4 bin ich Fan des Røde Wireless Go geworden: Es passt von der Grösse her sogar ins Reisegepäck, der Ton ist gut und in Kombination mit einem Lavaliermik ist es im Bild total diskret.

Welche Lösung überzeugt Dich? Gib mir doch ein Feedback, welche Mikrofonlösung Dir am besten entspricht und was Du für Erfahrungen damit machst. Ich freue mich über Deinen Kommentar.

Übersicht Mikrofone für das Smartphone:

Mit dem richtigen Adapter lässt sich jedes Mikrofon am Smartphone anschliessen. Wenn Du vor allem mit dem Smartphone filmst, gebe ich Dir in diesem Ratgeber meine Mikrofon-Empfehlungen. Du kannst ihn kostenlos herunterladen:

Ratgeber Mikrofone zum Filmen mit Smartphone

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