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Untertiteln mit Aegisub: So funktioniert es

In meinem letzten Blogpost habe ich 8 Möglichkeiten beschrieben, um SRT-Untertitel („Hilfe, was ist das??“) für ein Video zu erstellen.

Eine dieser Möglichkeiten stelle ich Dir heute mit einem Tutorial genauer vor.

Es ist eine Open-Source-Software namens Aegisub.

Das Programm ist kostenlos und für Mac und Windows erhältlich.

Aegisub wurde ursprünglich für Karaoke entwickelt: Es ging darum, Songtexte in Musikvideos so einzubetten, dass sie zeitlich genau mit dem Gesang übereinstimmten.

Viele Einstellungen möglich

Das Programm ist zwar intuitiv gestaltet, doch es hat sehr viele Einstellungen und Möglichkeiten. Meine Mitarbeiterin Andrea Wildisen musste sich zuerst zurechtfinden und herausfinden, welche dieser vielen Einstellungen wir überhaupt brauchen.

Mit meinem Video-Tutorial ersparst Du Dir das ganze Ausprobieren, Du kannst die Einstellungen gleich von uns übernehmen.

Ich zeige Dir darin:

  • meine Empfehlungen bezüglich Voreinstellungen
  • meinen Workflow beim Untertiteln
  • den Export der fertigen SRT-Datei.

 

Die erwähnten Voreinstellungen siehst Du im Screenshot unten:

Nützliche Funktionen in Aegisub

Andrea erstellt immer wieder Untertitel für mich. Sie hat in der Vergangenheit einige Programme dazu ausprobiert.

Aegisub hat sie am meisten überzeugt, weil es im Gegensatz zu anderen Programmen Funktionen vereint, die man für einen optimalen Workflow benötigt.

Zentral: Es gibt bei Aegisub Tastaturkombinationen (Shortcuts) für die wichtigsten Schritte. Das ermöglicht ein schnelles Arbeiten.

Zwei weitere Stärken von Aegisub:

1. Übersicht über die Zeichenzahl

Damit Untertitel einfach und angenehm lesbar sind, dürfen es nicht zu viele Wörter auf einmal sein.

Der „Character Counter“ ist ein Zähler, der während des Schreibens die Anzahl Zeichen pro Zeile überprüft. Wenn es zu viele werden, um noch gut lesbar zu sein, wird eine Warnung angezeigt.

Auch die „characters per second“ werden gezählt, also die Zeichen, welche pro Sekunde eingeblendet werden. Auch hier erscheint eine Fehlermeldung, wenn es für die Lesbarkeit zu schnell geht.

Die maximale Zeichenzahl lässt sich individuell einstellen:

2. Unterschiedliche Arbeitsbereiche

Mit getrennten, aufeinander folgenden Arbeitsbereichen kommt Struktur in den Prozess. So kannst Du Dich besser auf jeden einzelnen Schritt fokussieren:

Bei der Transkription konzentrierst Du Dich auf das Untertitel-Feld. Du fügst den Text ein und schaust dabei, dass Du nicht zu viele Zeichen pro Linie verwendest.

Danach schaust Du im Untertitel-Gitter nach, ob die Zeichen pro Sekunde okay sind. Falls nötig, kannst Du die einzelnen Untertitel korrigieren.

Beim Spotting (genaues zeitliches Einsetzen der Untertitel) konzentrierst Du dich voll auf die Audio-Spur.

Am Schluss hast Du nochmals alle Untertitel im Überblick. Du schaust sie Dir auf dem Video-Player an und kontrollierst, ob alles passt. Falls nötig, sind Anpassungen möglich.

Download-Link

Wenn Du öfters Videos untertitelst, die einige Minuten dauern, lohnt es sich, Aegisub kennenzulernen.

Zum Download des Programms geht’s hier, und zur aktuellen Version Aegisub 3.2 gibt es ein (englischsprachiges) Benutzerhandbuch hier.

 

Filmst Du regelmässig? Wenn Du Tipps möchtest, um Dich als Moderator oder Deine Interviewpartner ins beste Licht zu rücken, hol Dir meinen Ratgeber „Gutes Licht für Deine Videos“ (PDF).

5 Gründe für Untertitel – und wie das SRT-Format Dich weiterbringt

Als Videoproduzentin ist mir ein schönes Bild wichtig. Deswegen finde ich Untertitel eigentlich störend.

Manchmal sind sie aber nötig, und oft bringen sie sogar mehr Vorteile als erwartet.

Vor etwa zwei Jahren bekam ich zum ersten Mal von einem Auftraggeber die Anweisung, ein deutsch gesprochenes Video noch deutsch zu untertiteln. Warum?

Untertitel werden immer gefragter

Viele Leute schauen Videos auf dem Smartphone unterwegs und haben manchmal keine Kopfhörer eingesteckt. Mit Untertiteln kommt der Inhalt des Videos dennoch rüber.

Das Video, das ich damals untertitelt habe, war vom gesamten Konzept her auf Mobile ausgelegt.

Und das mobile unterwegs-sein ist nur einer der Gründe.

Was sonst noch für Untertitel spricht, darauf gehe ich in diesem Blogeintrag ein: Ich gebe Dir 5 gute Gründe für Untertitel.

Und dann geht es auch darum, dass Untertitel immer mehr können. Dass sie flexibler sind und man als Konsumentin mehr individuell einstellen kann. Ich stelle Dir das SRT-Format vor, das dies ermöglicht.

5 Gründe für Untertitel

1. Übersetzung

Ganz klar: Sehr häufig werden Untertitel immer noch als Übersetzung gebraucht.

Wenn der Interviewpartner Französisch spricht, aber das Video auch in der Deutschschweiz gesehen wird, ist eine Untertitelung die beste und kostengünstigste Lösung. Auch wenn Du ein Schweizerdeutsch gesprochenes Video in Standard-Deutsch untertitelst, ist das eine Übersetzung!

Die Alternativen: Bei Newsbeiträgen im Fernsehen kommen selten Untertitel zum Einsatz. Dort spricht häufig ein Sprecher in der Zielsprache über die leiser gemachten fremdsprachigen Aussagen („overvoice“). Bei Filmen und in der Werbung wird oft synchronisiert.

2. Unterwegs oder im Büro ohne Kopfhörer

Einen der wichtigsten Gründe für Untertitel habe ich bereits erwähnt: Leute schauen Videos häufig ohne Ton. Im Zug ohne Kopfhörer, während der Arbeit (Kopfhörerverbot in vielen Büros), in einer lauten Umgebung, oder wenn es einfach gerade zu umständlich wäre, die Kopfhörer hervorzusuchen, aber mit Ton in dieser Situation gerade nicht geht.

Ganze 82% der Videos auf Facebook werden ohne Ton angeschaut. Für in Websites eingebettete Videos habe ich keine solche Zahl, doch es wird dort ähnlich sein.

Es ist also eigentlich unverzichtbar, ein Video zu untertiteln, damit Deine Message oder die Deines Interviewpartners rüberkommt. Du erschliesst Dir damit ein Publikum, das sonst nichts von Deinem Video hat und es deshalb auch nicht beachtet.

Achtung: Beim Untertiteln nicht freestylen

Wenn Ton- und Untertitelsprache die gleiche ist, empfehle ich, 1:1 das Gleiche zu übernehmen und in den Untertiteln wenn immer möglich nicht zu kürzen oder zu paraphrasieren. Denn wenn jemand gleichzeitig zuhört und liest, stört es extrem, wenn die Untertitel vom Gesprochenen abweichen. (Natürlich ohne „ähm“s u.ä. 😉 )

Übrigens unterscheidet man bei Untertiteln zwischen „Closed Captions“, die ein- oder ausgeschaltet werden können, und „Open Captions“, die fix zum Video gehören.

3. Videos starten im Autoplay-Modus

Facebook pusht Videoinhalte. Dazu gehört Autoplay: Videos starten schon, ohne dass man darauf klickt. Auch bei Twitter und LinkedIn ist das so, und auch YouTube-Videos starten automatisch, wenn sie über einen Link geöffnet werden.

Die meisten Videos (ausser YouTube) starten dabei ohne Ton, zumindest wenn das Smartphone auf lautlos gestellt ist. Wenn Dein Video Untertitel hat, holst Du die Aufmerksamkeit der Internetnutzer in diesem Moment ab. Denn das Auge liest Text automatisch mit. Unvermittelt schenkt man einem solchen Video und seinem Inhalt Aufmerksamkeit, ohne dies bewusst gewollt zu haben.

Facebook gibt an, dass die Dauer, die Videos mit Untertiteln angeschaut werden, um 12% länger ist als ohne Untertitel.

Das kann sich positiv auf die Reichweite Deiner Videos auswirken: Facebook schliesst aus der längeren Sehdauer, dass Deine Inhalte interessant sind, und positioniert sie deshalb an höherer Stelle.

4. Barrierefreiheit

Thinh-Lay Bosshart ist mit ihrer Agentur BossharTong spezialisiert auf barrierefreies Web. Ich habe sie schon ein paar Mal um Tipps gebeten, weil sie sich mit dem Erstellen von Untertiteln sehr gut auskennt.

Für diesen Blogeintrag habe ich Thinh-Lay gefragt, ob es in diesem Bereich auch gesetzliche Richtlinien gibt. Sie gab mir folgende Auskunft:

„In der Schweiz ist seit 2004 das Behindertengleichstellungsgesetz in Kraft. Das BehiG betrifft auch die Barrierefreiheit im Web. Was als barrierefrei gilt, ist in den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.0) des W3C festgelegt. Diese Guidelines dienen als Grundlage für die Anforderungen an Behörden und Unternehmen.

Ein Grundprinzip ist, dass Informationen für alle Menschen wahrnehmbar sein sollen. Im Idealfall werden damit zwei oder mehr Sinne angesprochen.

Bei Video-Content braucht es also eine gleichwertige Textalternative. Das kann in Form eines beschreibenden Textes sein, oder in Form einer Audio-Deskription; einer zusätzlichen Tonspur, in der die Szenen beschrieben werden. Auf diese Weise ist der Inhalt auch für Menschen mit Sehbehinderung oder für Blinde zugänglich.

Für gesprochene Inhalte braucht es Untertitel, damit der Inhalt für Menschen mit Hörbehinderung zugänglich ist.“

Untertitel: Nicht Empfehlung, sondern Pflicht

Grundsätzlich sind auch private Unternehmen gesetzlich verpflichtet, alle Inhalte barrierefrei zur Verfügung zu stellen, um niemanden zu diskriminieren. Untertitel sind also mehr als nur empfohlen – sie sind Pflicht.

„In der Praxis sieht es jedoch so aus, dass die Mehrheit aller Unternehmen dieser Pflicht nicht nachkommen“, bedauert Thinh-Lay Bosshart. Betroffene, die sich diskriminiert fühlen, müssten nämlich tatsächlich rechtlich aktiv werden. „Das macht verständlicherweise kaum jemand.“

Auf der Website von BossharTong gibt es weiterführende Informationen und Links zum Thema Barrierefreiheit sowie auch eine Anleitung für Untertitel.

5. Suchmaschinenoptimierung (SEO)

Nicht zuletzt verschaffen Dir Untertitel auch einen Vorteil bei den Suchmaschinen. Wenn Du sie in eine separate Textdatei verpackst, ist diese für Suchroboter sichtbar. Dadurch wird Dein gesamtes Video indexiert, nicht nur der Titel und die Kurzbeschreibung.

Das verbessert das Ranking Deiner Videos bei Google etc. Das Video kann bei einer Suche besser gefunden werden.

Auch innerhalb einer firmeneigenen Website werden Videos mit einer separaten Untertitel-Textdatei bei einer Begriffs-Suche mit einbezogen.

Aus der Not eine Tugend

Untertitel sind also nicht einfach störende Elemente im Video. Sie können auch einiges und bringen Dir als Videoproduzentin durchaus Vorteile.

Kennst Du die Online-News-Videos, die mit auffallendem, weiss/gelb/schwarzem Text funktionieren? AJ+, oder in der Schweiz Nouvo SRF. Sie machen sozusagen aus der Not eine Tugend:

Diese Formate machen die Untertitel zu ihrem Programm. Sie vermitteln News kurz, direkt und rein visuell – ohne Einbusse, wenn man das Video ohne Ton anschaut. Der Text (von „Untertiteln“ kann man hier eigentlich nicht mehr sprechen) spielt eine zentrale Rolle. Die Videos sind optimiert für ein junges Zielpublikum und für Mobile.

Das SRT-Format

Untertitel ausblenden, die Sprache wechseln, die Schrift vergrössern – all das ist möglich mit dem SRT-Untertitelformat. Es gibt auch noch andere solche Formate (.sub, .ass, .ssa), aber SRT ist am gängigsten.

SRT steht für SubRip. Die Untertitel sind in einer Textdatei verpackt, die zusätzlich zum Video produziert wird und die Endung .srt hat.

Du kannst eine SRT-Datei entweder im Text-Editor oder mit einem speziellen Programm erstellen. Mehr dazu dann in meinem nächsten Blogpost.

Untertitel-Einstellungen personalisieren

So sieht es in YouTube aus, wenn ein Video SRT-Untertitel enthält und man „Einstellungen“ > „Untertitel“ > „Optionen“ öffnet:

So können z.B. Personen mit einer leichten Sehbehinderung die Untertitel vergrössert anzeigen lassen.

Auch bei Facebook kann man die Anzeigeoptionen für Videos mit SRT-Untertitel festlegen, und zwar über „Einstellungen“ > „Videos“ > „Anzeige der Untertitel“ > „bearbeiten“:

Zeit- und Sprachcode

Wann welcher Untertitel einzublenden ist, wird über einen genauen Timecode festgelegt. Wenn man eine SRT-Datei in einem Textprogramm öffnet, sieht das dann zum Beispiel so aus:

Auch der Dateiname ist codiert, und zwar bezüglich der Sprache: Auf Deutsch z.B. Untertitel_Apfelvideo.de_DE.srt – das heisst: Deutsch, wie es in Deutschland gesprochen wird.

Ein zweites Beispiel: Die Endung für Spanisch, wie es in Kolumbien gesprochen wird, ist es_CO, Spanisches Spanisch wird es_ES codiert. (Die Schweiz ist in der SRT-Sprachenliste nicht vorhanden.)

Nützlich: Transkripts aus SRT-Untertiteln

SRT-Untertitel kann man sich bei YouTube auch als Transkript zum jeweiligen Video anzeigen lassen. So kann man anhand des Textes an einen bestimmten Punkt im Video springen.

Die Transkript-Funktion ist auch besonders nützlich, wenn jemand mit Inhalten aus einem Video weiterarbeiten will.

Zum Beispiel im Rahmen einer Recherche: Dann kann man sich beispielsweise das Transkript speichern oder ausdrucken, oder ein Zitat direkt und deswegen auch bestimmt korrekt herauskopieren.

So sieht das zum Beispiel auf YouTube aus, wenn ein Video SRT-Untertitel hat und ich die Transkript-Funktion einschalte:

Tools, Editors und die Möglichkeiten bei YouTube und Facebook

In den zwei nächsten Blogposts gehe ich noch genauer darauf ein: 8 Möglichkeiten zum Erstellen von SRT-Untertiteln. Und hier findest Du ein Tutorial zu „Aegisub“, einem Tool, mit dem ich gute Erfahrungen beim Erstellen von SRT-Dateien gemacht habe.

Wenn du übrigens regelmässig Videos machst und darin auch Musik verwendest, empfehle ich Dir mein PDF zu Musik in Online-Videos. Ich erkläre darin, wo gute Musik für Videos zu finden ist, und wie Du vorgehst, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.

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