Wie bringe ich beim Filmen Tiefenschärfe ins Bild?

Judith Steiner

Judith Steiner

Trainerin für Videokompetenz

Viel Tiefenschärfe ist heute in Fotos und Videos sehr beliebt, denn wenn der Hintergrund so unscharf wird, so hebt es das Hauptobjekt schön hervor.
Wie bringe ich aber diese Tiefenschärfe ins Bild und geht es auch mit dem Smartphone?

Tiefenschärfe oder ich sage auch Tiefenunschärfe, weil wir es gerne unscharf im Hintergrund möchten, das hängt von 4 verschiedenen Faktoren ab.

  1. Faktor die Kamera
  2. Die Entfernung zum Objekt
  3. Die Brennweite (da spielt das Objektiv eine Rolle)
  4. Die Blende

Hardware

Beginnen wir bei der Hardware. Im ersten Beispiel filme ich mit der Sony a7 III, das ist eine Vollformat Kamera oder man sagt auch „Full Frame“. Das heisst, diese Kamera hat einen sehr grossen Bildsensor. Wenn ich nun damit filme kriege ich eine gewisse Tiefenschärfe ins Bild. Der Hintergrund wird etwas unscharf.

Videobild mit Vollformat-Kamera Tiefenschärfe

Im zweiten Beispiel filme ich mit der Panasonic Lumix GH4, dies ist keine Vollformat Kamera. Die hat einen Micro Four Third Sensor, damit bekomme ich nicht so viel Tiefenschärfe ins Bild. Obwohl ich die selben Einstellungen habe wie bei der Sony A7 Kamera und sogar eine kleinere Blendenzahl und trotzdem habe ich weniger Tiefenunschärfe.

Videobild mit Lumix GH4, mittere Tiefenschärfe

Im dritten Beispiel filme ich mit dem Smartphone. Da habe ich gar keine Tiefenschärfe mehr im Bild, weil das Smartphone einen sehr kleinen Bildsensor hat. Beim filmen bekomme ich nur Tiefenschärfe ins Bild, wenn ich ganz nah zum Objekt hingehe.

Videobild mit Smartphone, keine Tiefenschärfe

Jetzt sagst du vielleicht, mein Smartphone hat doch eine Portraitfunktion. Das hat das iPhone 11 Pro auch und das Objekt wird scharf und der Hintergrund unscharf. Das ist aber ein Fotomodus und eigentlich eine Fotomontage. Du bringst die Tiefenunschärfe nicht ins Bild wegen der Hardware, sondern wenn du ein Foto machst, dann macht die Kamera gleich 3 Fotos, von unscharf bis scharf und kombiniert diese miteinander. Wenn du mit dem Smartphone filmst, dann filmt es mit 30 Frames pro Sekunde, das heisst es macht in der Sekunde 30 Bilder. Wenn du jetzt das 3fache machst, dann wären das 90 Bilder in der Sekunde und muss diese gleich noch kombinieren und neu berechnen und das braucht sehr viel Rechenleistung. Deshalb kann das Smartphone dies beim Video nicht oder vielleicht noch nicht? Was denkst du? Kommt das? Können unsere Smartphones auch beim Filmen solche Tiefenunschärfe ins Bild bringen? Ich denke schon aber es wird wohl noch eine Weile dauern.

Entfernung

Der zweite Faktor ist die Entfernung zum Objekt. Einerseits wenn ich hier nun mehr Raumtiefe hätte oder die Mauer wegsprengen würde, würde man irgendwo im Hintergrund das Schloss Rapperswil schön unscharf sehen. Es hängt aber auch davon ab, wie nah ich zum Hauptobjekt komme. Wenn ich das Smartphone ganz nah zu mir nehme, dann kriege ich den Hintergrund unscharf, allerdings ist das nicht so vorteilhaft für meine Videotutorials

Portraitfunktion Smartphone

Wenn ich von einer Brennweite von 70mm zurück zoome und die Brennweite auf 35mm wechsle, dann habe ich auch nicht mehr soviel Tiefenschärfe. Deshalb gehe ich so nah ran wie möglich, bei meinem Objektiv sind es die 70mm. Dann habe ich wieder einen leeren Bildausschnitt bin mit der Kamera etwas weiter weg und habe dafür die Tiefenunschärfe im Bild.

Blende

Der vierte Faktor ist die Blende. Wenn ich bei einer Kamera die Blende verändere, dann geht diese normalerweise mechanisch auf und zu. Je weiter ich die Blende öffne umso mehr Tiefenunschärfe bekomme ich ins Bild. Bei meiner Sony Kamera habe ich nun die Blende soweit wie möglich geöffnet.

Videobild Sony-Kamera

Wenn ich nun die Blende schliesse, vom f/5.6 auf eine f/16, so wird das Bild auch dunkler, somit muss ich noch das ISO erhöhen, damit das Bild wieder heller wird und ich habe dann fast keine Tiefenunschärfe mehr im Bild, weil ich die Blende geschlossen habe.
Die kleinste Blendenzahl bei meinem Objektiv ist eine f/5.6, das ist eine relativ grosse Blende, Wenn ich mit meiner Panasonic Lumix arbeite, dann kann ich eine f/2.8 Blende einstellen, damit hätte ich eigentlich noch mehr Tiefenunschärfe aber da der Sensor kleiner ist, doch nicht.

Die Blende ist nicht überall gleich, je kleiner die Zahl der Blende ist, desto mehr Tiefenunschärfe bekomme ich. Die kleinste Blendenzahl ist f/1.2. Die gibt es nur bei wenigen Objektiven und wenn man mit dieser Blende arbeitet, hat man gerade noch die Augenpartie scharf und beim Ohr wird es bereits unscharf.

Objektive mit kleiner Blendenzahl, das heisst, wo man die Blende weit öffnen kann, sind meist teurer und gerade Zoom Objektive haben meistens nicht so kleine Blendenzahlen. Dann habe ich eher eine Festbrennweite am Objektiv wenn ich mit so kleinen f/1.2 Blende arbeiten will.

Zusammenfassung

Zusammengefasst, wenn ich eine Tiefenunschärfe in meinem Bild will, dann filme ich mit der Sony a7 III, weil sie einen grossen Bildsensor hat. Ich stelle die Kamera nicht gleich vor die Nase sondern etwas weiter weg und nehme ein Objektiv mit einer Brennweite welche gross ist. In diesem Fall ist es das 70mm und stelle die Blende auf eine möglichst kleine Blendenzahl. Damit habe ich das Maximum heraus geholt.

Nochmals zurück zum Smartphone, hier habe ich nur einen kleinen Sensor und kann die Blende nicht manuell öffnen. Ich kann teilweise die Brennweite verändern. z.B bei meinem iPhone 11 Pro, habe ich 3 Objektive. Da kann ich vom Weitwinkel auf das Teleobjektiv wechseln, das kann mir in gewissen Fällen mehr Tiefenunschärfe ins Bild geben

Warum ich dir aber trotzdem empfehle, wenn du ein Teleobjektiv am Smartphone hast und dich selber filmen willst oder ein Interview aufnimmst, das erkläre ich dir in einem anderen Video
welches ist das beste Smartphone um zu filmen, wenn du eine Person vor der Kamera hast„.
Da geht es zwar nicht um die Tiefenunschärfe aber ich zeige dir warum das Teleobjektiv „schön macht“

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