Tag: tiefenunschaerfe

Q&A: Wie erzeuge ich geringe Tiefenschärfe beim Filmen mit Smartphone?

Hallo Judith,

Ich habe eine Frage zum Fokus. Wie kriege ich geringe Tiefenschärfe hin?

Manchmal gelingt es mir, auf ein Objekt im Vordergrund zu fokussieren, sodass der Hintergrund unscharf wird. Aber dann kann ich nicht zwischen den beiden Ebenen wechseln. Manchmal schaffe ich es auch gar nicht, überhaupt einen unscharfen Hintergrund hinzubekommen.

Gibt es da eine besondere Herangehensweise oder Tricks? Hat es eventuell etwas mit der Belichtung zu tun, oder mit meinem iPhone? Ich komme da nicht weiter.

Vielen Dank für deine Hilfe. 

Liebe Grüße aus Deutschland

S.

Hallo S.,

vielen Dank für Dein Mail und Deine Anfrage. Ich benutze für die geringe Tiefenschärfe den Begriff „Tiefenunschärfe“, denn dies beschreibt meiner Meinung nach besser und verständlicher, worum es geht. Tiefenunschärfe ist ein Effekt, der ganz vielen Leuten gefällt. Das Hauptobjekt kommt schön zur Geltung, und man kann einen unruhigen Hintergrund kaschieren. Die Gestaltungsmöglichkeiten beim Filmen sind also grösser.

Mit dem Smartphone bringst Du nicht so viel Tiefenunschärfe hin wie etwa mit einer DSLR-Kamera, aber dazu noch etwas später. Um aber grundsätzlich einen unscharfen Hintergrund zu erzeugen, kannst Du folgendes ausprobieren:

Nahe heran ans Objekt

Nimm ein Glas und stelle es auf einen Tisch (oder etwas ähnliches), der relativ weit von der Wand weg ist. Nun gehe mit dem Smartphone möglichst nah ans Glas heran, damit es richtig gross im Bild ist. Das Glas soll das Bild aber nicht ganz füllen, der Hintergrund soll noch zu sehen sein.

Tippe das Glas auf dem Bildschirm an. Der Fokusrahmen auf dem Display bewegt sich dann dorthin und das Glas wird scharfgestellt. Wenn Du genug weit weg bist vom nächsten Hintergrund, wird dieser jetzt unscharf. So erzeugst Du Tiefenunschärfe.

 

Ich bin nah am Glas, der Hintergrund ist weit weg, ich habe Tiefenunschärfe.

 

Ich bin nicht mehr nah am Glas und habe gleich viel weniger Tiefenunschärfe.

Fokus manuell verschieben

Nun tippe auf den Hintergrund, damit dieser scharfgestellt wird. Jetzt sollte das Glas eher unscharf sein.

Glas ist unscharf, der Hintergrund ist scharf.

Du kannst so auch während dem Filmen zwischen Vorder- und Hintergrund wechseln, wie Du es in Deiner Frage beschreibst.

Eine sogenannte „Schärfenfahrt“, bei der sich der Fokus langsam von einer Ebene zur anderen verschiebt, kriegst du leider mit der iPhone-Kamera-App nicht richtig hin. Wenn Du das möchtest, empfehle ich dir zum Beispiel die App Filmic Pro: Sie verfügt über einen „Slider“ für den Fokus. Den kannst du langsamer verschieben, wenn Du eine Schärfenfahrt erhalten möchtest.

Wie bekomme ich eine geringe Schärfentiefe?

Die Tiefenschärfe wird durch vier Faktoren beeinflusst: Sensor der Kamera – Abstand zum Objekt – Brennweite – Blendenzahl.

Je grösser der Sensor der Kamera ist, desto mehr Unschärfe kann ich ins Bild bringen. Im Smartphone steckt ein kleiner Sensor. Wie oben gezeigt, kannst Du jedoch mit dem Smartphone auch mit Nähe zu einem Objekt Tiefenunschärfe produzieren.

Die Brennweite bei einer Kamera veränderst Du, indem Du zoomst. Je grösser die Brennweite ist, desto geringer ist die Tiefenschärfe. Das heisst, je näher Du heranzoomst, desto unschärfer wird der Hintergrund. Die meisten Smartphones haben aber keinen optischen Zoom, also keine Linse, bei der die Brennweite verändert werden kann.

Ist die Blende weit offen, hast Du eine kleine Blendenzahl und Tiefenunschärfe. Das iPhone 7 hat eine Blende von f1,8, was eigentlich eine sehr kleine Blende ist. Trotzdem ist es schwierig, den Hintergrund unscharf zu halten. Das zeigt, dass die Blende nicht der wichtigste Faktor in Bezug auf die Tiefenschärfe ist, auch wenn das oft geglaubt wird.

Das iPhone hat einen kleinen Sensor, und schon das macht Tiefenunschärfe schwierig; die kleine Brennweite durch den fehlenden Zoom kommt noch dazu. Viel besser für Aufnahmen mit Tiefenunschärfe geeignet als Smartphones sind Kameras mit Wechselobjektiven (DSLR, Systemkameras, Cinema Cameras). Dank grossem Sensor und kleiner Brennweite bringe ich auch mit einer f4 Blende mehr Tiefenunschärfe ins Bild als mit dem Smartphone mit der f1.8 Blende. 

Wenn Du noch mehr darüber erfahren willst, wie Tiefenschärfe funktioniert, empfehle ich Dir den entsprechenden Artikel bei digitaler-fotokurs.de. Er ist etwas ausführlicher, aber doch nicht zu technisch.

Ablenkung reduzieren mit Tiefenunschärfe

Der schöne Effekt der Tiefenunschärfe kann auch nützlich sein: Gerade gab ich eine Schulung bei der Firma Adesso. Die Teilnehmenden diskutierten, ob sie ihre Statements mit dem Smartphone oder mit einer Canon EOS 100D aufnehmen sollten.

Ich plädierte für die Canon, gerade wegen der Möglichkeit der Tiefenunschärfe. Die Interviews wurden nämlich in einem Büro aufgezeichnet, das heisst, es waren Bilder und Bücherregale an den Wänden. Diese können Kontraste und Struktur ins Bild geben, damit wird das Bild spannend. Mit dem Smartphone gefilmt, sieht man aber jeden Buchstaben und jeden Strich – und das lenkt von der sprechenden Person ab.

Mit der Canon-DSLR-Kamera und der entsprechenden Blendenzahl verschwindet der Hintergrund und die Person oder das Objekt im Vordergrund erhalten im Video die ganze Aufmerksamkeit.

Wenn Du mit dem Smartphone beim Interview einen unscharfen Hintergrund hinkriegen willst, musst Du doch recht nah ran:

Schau mir ins Auge, Kleiner 🙂

Zwei verschiedene Brennweiten beim iPhone 7 Plus

Das iPhone 7 Plus besitzt zwei Linsen statt nur eine. Deshalb kann ich die Brennweite verändern. Die erste Linse ist ein Weitwinkel mit einer Brennweite von 28 mm (wie die Linse beim iPhone 7). Die zweite Linse ist ein Teleobjektiv und hat eine Brennweite von 56 mm. Wenn ich also von der ersten auf die zweite Linse wechsle, kann ich zweifach zoomen, bekomme also mehr Tiefenunschärfe:

Das Glas ist zwar grösser im Bild, aber ich war mit der Kamera weiter weg als bei den Bildern vorher.

Porträtmodus beim iPhone 7 Plus

Die Dualkamera des iPhone 7 Plus kommt vor allem beim „Porträtmodus“ zum tragen. Das Teleobjektiv fokussiert den Kopf des Gesprächspartners, das Weitwinkelobjektiv bildet den Hintergrund ab und die Software kombiniert danach die beiden Fotos und macht den Hintergrund unscharf. Dank diesem Modus kann ein viel stärkerer Tiefeneffekt („Bokeh“) erzeugt werden.

Poträtmodus beim iPhone 7 Plus.

 

Aufnahme nur mit Teleobjektiv des iPhones 7 Plus.

 

Aufnahme mit Weitwinkellinse des iPhones 7 Plus. Wegen der hohen Tiefenschärfe kommen mehr Informationen ins Bild, und wegen des Weitwinkels auch mehr in der Breite. Somit habe ich viel mehr Ablenkung.

Leider funktioniert der Porträtmodus nur beim Fotografieren. Beim Filmen bräuchte es wegen der vielen Aufnahmen pro Sekunde sehr viel Rechenleistung. So ist dieser Vorteil im Videobereich (noch) nicht nutzbar.

Lieber S., die Antwort wurde jetzt ausführlicher als ich geplant hatte 🙂 Gib mir doch ein Feedback, ob das Experiment mit dem Glas geklappt hat! Und Du lieber Blogleser, liebe Blogleserin auch.

Herzlich

Judith

 

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Close-ups und Tiefenunschärfe zum „Tag des Apfels“

  • Heute, 18. September, ist „Tag des Apfels“.  Noch nie war ich so gut vorbereitet auf diesen Tag;-) Dank Beat Hürlimmann durfte ich einen Videobeitrag für diesen fruchtigen Tag produzieren. Auftraggeber sind V-Zug und der Schweizer Obstverband.

Beat Hürlimann schrieb das Konzept. Er wünschte sich von Anfang an eine Geschichte mit vielen Close-ups (Naheinstellungen) und Tiefenunschärfe.

Das kann meine Ausrüstung nicht

Tiefenunschärfe ist von vier Faktoren abhängig:

  • Blende
  • Brennweite
  • Entfernung vom Objekt
  • Sensor

Meine momentane Hauptkamera, die Sony PMW-200, hat einen kleinen Sensor. Deshalb bringe ich auch mit einer Blende von 2.8. praktisch keine Tiefenunschärfe ins Bild.  Was ich oft vermisse.

Falls Du mehr über das Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren für die Tiefenschärfe wissen willst, empfehle ich Dir diesen Beitrag auf Foto-kurs.com.

Die Panasonic Lumix GH3 ist meine Zweitkamera. Interviews führe ich fast keine mit der GH3, da XLR Eingänge fehlen und ich keine Regler habe, um den Ton zu kontrollieren. Für diesen Dreh fehlten mir auch die ND-Filter. Bei hellem Sonnenlicht müsste ich die Blende schliessen, was mir wieder wenig Tiefunschärfe gibt.

Canon und Boris Baldinger bringen mir die Tiefenunschärfe

Kürzlich durfte ich die EOS C100 Mark II von Canon ausleihen. Ich berichtete bereits darüber. Das Arbeiten mit der Kamera machte Spass und die Bilder gefielen mir sehr gut. Deshalb fragte ich bei Canon Schweiz nach, ob ich die Kamera nochmals ausleihen darf.

Fotograf Boris Baldinger lieh mir zwei Objektive. Meistens arbeitete ich mit dem Canon EF 24-70mm f2.8 USM. Mit dem Zoom konnte ich schöne Close-ups aufnehmen. Mit Brennweite 70 und der 2.8 Blende bekam ich die gewünschte Tiefenunschärfe.

Zwischendurch probierte ich auch das Sigma 35mm 1.4. Mit der niederen Blendenzahl ist der Schärfenbereich sehr klein, was toll aussieht. Durch die Festbrennweite ist man dafür unflexibel. Beim Obstlogistiker kam ich wegen den Maschinen nicht so nah an die Äpfel heran, weshalb ich für die vielen Close-ups meistens das Canon EF 24-70mm f2.8 USM benutze.

Canon EOS C 100 Mark II

 

Die passenden Objektive mit der richtigen Kamera

Die EOS C100 Mark II hat 3 ND Filter. Draussen beim Obstproduzenten legte ich meistens 2 bis 3 ND Filter vor die Linse. Durch diese Abdunkelung konnte ich immer auf der 2.8 Blende bleiben. Feinanpassungen fürs Licht machte ich vor allem mit dem ISO Wert. Ideal bei dieser Kamera seien ISO-Werte ab 850. Ich bewegte mich meistens zwischen 850 und 2000.

Das Konzept funktioniert

Die EOS C100 MarkII lieferte die gewünschten Bilder. Diese spickten wir mit Texteinblendern und stellten so die Geschichte „vom Apfelbaum zum Gourmettraum“ zusammen.  Das Konzept gefällt mir und der Dreh machte grossen Spass. Und ich träume im Moment vor allem von Äpfeln und von einer neuen Kamera.

Mehr zur Kampagne gibt es in der Werbewoche.

 

 

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