Kategorie: Strategie

5 Gründe für Untertitel – und wie das SRT-Format Dich weiterbringt

Als Videoproduzentin ist mir ein schönes Bild wichtig. Deswegen finde ich Untertitel eigentlich störend.

Manchmal sind sie aber nötig, und oft bringen sie sogar mehr Vorteile als erwartet.

Vor etwa zwei Jahren bekam ich zum ersten Mal von einem Auftraggeber die Anweisung, ein deutsch gesprochenes Video noch deutsch zu untertiteln. Warum?

Untertitel werden immer gefragter

Viele Leute schauen Videos auf dem Smartphone unterwegs und haben manchmal keine Kopfhörer eingesteckt. Mit Untertiteln kommt der Inhalt des Videos dennoch rüber.

Das Video, das ich damals untertitelt habe, war vom gesamten Konzept her auf Mobile ausgelegt.

Und das mobile unterwegs-sein ist nur einer der Gründe.

Was sonst noch für Untertitel spricht, darauf gehe ich in diesem Blogeintrag ein: Ich gebe Dir 5 gute Gründe für Untertitel.

Und dann geht es auch darum, dass Untertitel immer mehr können. Dass sie flexibler sind und man als Konsumentin mehr individuell einstellen kann. Ich stelle Dir das SRT-Format vor, das dies ermöglicht.

5 Gründe für Untertitel

1. Übersetzung

Ganz klar: Sehr häufig werden Untertitel immer noch als Übersetzung gebraucht.

Wenn der Interviewpartner Französisch spricht, aber das Video auch in der Deutschschweiz gesehen wird, ist eine Untertitelung die beste und kostengünstigste Lösung. Auch wenn Du ein Schweizerdeutsch gesprochenes Video in Standard-Deutsch untertitelst, ist das eine Übersetzung!

Die Alternativen: Bei Newsbeiträgen im Fernsehen kommen selten Untertitel zum Einsatz. Dort spricht häufig ein Sprecher in der Zielsprache über die leiser gemachten fremdsprachigen Aussagen („overvoice“). Bei Filmen und in der Werbung wird oft synchronisiert.

2. Unterwegs oder im Büro ohne Kopfhörer

Einen der wichtigsten Gründe für Untertitel habe ich bereits erwähnt: Leute schauen Videos häufig ohne Ton. Im Zug ohne Kopfhörer, während der Arbeit (Kopfhörerverbot in vielen Büros), in einer lauten Umgebung, oder wenn es einfach gerade zu umständlich wäre, die Kopfhörer hervorzusuchen, aber mit Ton in dieser Situation gerade nicht geht.

Ganze 82% der Videos auf Facebook werden ohne Ton angeschaut. Für in Websites eingebettete Videos habe ich keine solche Zahl, doch es wird dort ähnlich sein.

Es ist also eigentlich unverzichtbar, ein Video zu untertiteln, damit Deine Message oder die Deines Interviewpartners rüberkommt. Du erschliesst Dir damit ein Publikum, das sonst nichts von Deinem Video hat und es deshalb auch nicht beachtet.

Achtung: Beim Untertiteln nicht freestylen

Wenn Ton- und Untertitelsprache die gleiche ist, empfehle ich, 1:1 das Gleiche zu übernehmen und in den Untertiteln wenn immer möglich nicht zu kürzen oder zu paraphrasieren. Denn wenn jemand gleichzeitig zuhört und liest, stört es extrem, wenn die Untertitel vom Gesprochenen abweichen. (Natürlich ohne „ähm“s u.ä. 😉 )

Übrigens unterscheidet man bei Untertiteln zwischen „Closed Captions“, die ein- oder ausgeschaltet werden können, und „Open Captions“, die fix zum Video gehören.

3. Videos starten im Autoplay-Modus

Facebook pusht Videoinhalte. Dazu gehört Autoplay: Videos starten schon, ohne dass man darauf klickt. Auch bei Twitter und LinkedIn ist das so, und auch YouTube-Videos starten automatisch, wenn sie über einen Link geöffnet werden.

Die meisten Videos (ausser YouTube) starten dabei ohne Ton, zumindest wenn das Smartphone auf lautlos gestellt ist. Wenn Dein Video Untertitel hat, holst Du die Aufmerksamkeit der Internetnutzer in diesem Moment ab. Denn das Auge liest Text automatisch mit. Unvermittelt schenkt man einem solchen Video und seinem Inhalt Aufmerksamkeit, ohne dies bewusst gewollt zu haben.

Facebook gibt an, dass die Dauer, die Videos mit Untertiteln angeschaut werden, um 12% länger ist als ohne Untertitel.

Das kann sich positiv auf die Reichweite Deiner Videos auswirken: Facebook schliesst aus der längeren Sehdauer, dass Deine Inhalte interessant sind, und positioniert sie deshalb an höherer Stelle.

4. Barrierefreiheit

Thinh-Lay Bosshart ist mit ihrer Agentur BossharTong spezialisiert auf barrierefreies Web. Ich habe sie schon ein paar Mal um Tipps gebeten, weil sie sich mit dem Erstellen von Untertiteln sehr gut auskennt.

Für diesen Blogeintrag habe ich Thinh-Lay gefragt, ob es in diesem Bereich auch gesetzliche Richtlinien gibt. Sie gab mir folgende Auskunft:

„In der Schweiz ist seit 2004 das Behindertengleichstellungsgesetz in Kraft. Das BehiG betrifft auch die Barrierefreiheit im Web. Was als barrierefrei gilt, ist in den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.0) des W3C festgelegt. Diese Guidelines dienen als Grundlage für die Anforderungen an Behörden und Unternehmen.

Ein Grundprinzip ist, dass Informationen für alle Menschen wahrnehmbar sein sollen. Im Idealfall werden damit zwei oder mehr Sinne angesprochen.

Bei Video-Content braucht es also eine gleichwertige Textalternative. Das kann in Form eines beschreibenden Textes sein, oder in Form einer Audio-Deskription; einer zusätzlichen Tonspur, in der die Szenen beschrieben werden. Auf diese Weise ist der Inhalt auch für Menschen mit Sehbehinderung oder für Blinde zugänglich.

Für gesprochene Inhalte braucht es Untertitel, damit der Inhalt für Menschen mit Hörbehinderung zugänglich ist.“

Untertitel: Nicht Empfehlung, sondern Pflicht

Grundsätzlich sind auch private Unternehmen gesetzlich verpflichtet, alle Inhalte barrierefrei zur Verfügung zu stellen, um niemanden zu diskriminieren. Untertitel sind also mehr als nur empfohlen – sie sind Pflicht.

„In der Praxis sieht es jedoch so aus, dass die Mehrheit aller Unternehmen dieser Pflicht nicht nachkommen“, bedauert Thinh-Lay Bosshart. Betroffene, die sich diskriminiert fühlen, müssten nämlich tatsächlich rechtlich aktiv werden. „Das macht verständlicherweise kaum jemand.“

Auf der Website von BossharTong gibt es weiterführende Informationen und Links zum Thema Barrierefreiheit sowie auch eine Anleitung für Untertitel.

5. Suchmaschinenoptimierung (SEO)

Nicht zuletzt verschaffen Dir Untertitel auch einen Vorteil bei den Suchmaschinen. Wenn Du sie in eine separate Textdatei verpackst, ist diese für Suchroboter sichtbar. Dadurch wird Dein gesamtes Video indexiert, nicht nur der Titel und die Kurzbeschreibung.

Das verbessert das Ranking Deiner Videos bei Google etc. Das Video kann bei einer Suche besser gefunden werden.

Auch innerhalb einer firmeneigenen Website werden Videos mit einer separaten Untertitel-Textdatei bei einer Begriffs-Suche mit einbezogen.

Aus der Not eine Tugend

Untertitel sind also nicht einfach störende Elemente im Video. Sie können auch einiges und bringen Dir als Videoproduzentin durchaus Vorteile.

Kennst Du die Online-News-Videos, die mit auffallendem, weiss/gelb/schwarzem Text funktionieren? AJ+, oder in der Schweiz Nouvo SRF. Sie machen sozusagen aus der Not eine Tugend:

Diese Formate machen die Untertitel zu ihrem Programm. Sie vermitteln News kurz, direkt und rein visuell – ohne Einbusse, wenn man das Video ohne Ton anschaut. Der Text (von „Untertiteln“ kann man hier eigentlich nicht mehr sprechen) spielt eine zentrale Rolle. Die Videos sind optimiert für ein junges Zielpublikum und für Mobile.

Das SRT-Format

Untertitel ausblenden, die Sprache wechseln, die Schrift vergrössern – all das ist möglich mit dem SRT-Untertitelformat. Es gibt auch noch andere solche Formate (.sub, .ass, .ssa), aber SRT ist am gängigsten.

SRT steht für SubRip. Die Untertitel sind in einer Textdatei verpackt, die zusätzlich zum Video produziert wird und die Endung .srt hat.

Du kannst eine SRT-Datei entweder im Text-Editor oder mit einem speziellen Programm erstellen. Mehr dazu dann in meinem nächsten Blogpost.

Untertitel-Einstellungen personalisieren

So sieht es in YouTube aus, wenn ein Video SRT-Untertitel enthält und man „Einstellungen“ > „Untertitel“ > „Optionen“ öffnet:

So können z.B. Personen mit einer leichten Sehbehinderung die Untertitel vergrössert anzeigen lassen.

Auch bei Facebook kann man die Anzeigeoptionen für Videos mit SRT-Untertitel festlegen, und zwar über „Einstellungen“ > „Videos“ > „Anzeige der Untertitel“ > „bearbeiten“:

Zeit- und Sprachcode

Wann welcher Untertitel einzublenden ist, wird über einen genauen Timecode festgelegt. Wenn man eine SRT-Datei in einem Textprogramm öffnet, sieht das dann zum Beispiel so aus:

Auch der Dateiname ist codiert, und zwar bezüglich der Sprache: Auf Deutsch z.B. Untertitel_Apfelvideo.de_DE.srt – das heisst: Deutsch, wie es in Deutschland gesprochen wird.

Ein zweites Beispiel: Die Endung für Spanisch, wie es in Kolumbien gesprochen wird, ist es_CO, Spanisches Spanisch wird es_ES codiert. (Die Schweiz ist in der SRT-Sprachenliste nicht vorhanden.)

Nützlich: Transkripts aus SRT-Untertiteln

SRT-Untertitel kann man sich bei YouTube auch als Transkript zum jeweiligen Video anzeigen lassen. So kann man anhand des Textes an einen bestimmten Punkt im Video springen.

Die Transkript-Funktion ist auch besonders nützlich, wenn jemand mit Inhalten aus einem Video weiterarbeiten will.

Zum Beispiel im Rahmen einer Recherche: Dann kann man sich beispielsweise das Transkript speichern oder ausdrucken, oder ein Zitat direkt und deswegen auch bestimmt korrekt herauskopieren.

So sieht das zum Beispiel auf YouTube aus, wenn ein Video SRT-Untertitel hat und ich die Transkript-Funktion einschalte:

Tools, Editors und die Möglichkeiten bei YouTube und Facebook

In den zwei nächsten Blogposts werde ich noch genauer darauf eingehen, wie Du Untertitel denn nun erstellen kannst. Erst werde ich die Möglichkeiten von YouTube und Facebook vorstellen. Und in einem dritten Blogpost der Untertitel-Serie gibt’s ein Tutorial zu einem Tool, mit dem ich gute Erfahrungen beim Erstellen von SRT-Dateien gemacht habe.

Wenn du übrigens regelmässig Videos machst und darin auch Musik verwendest, empfehle ich Dir mein PDF zu Musik in Online-Videos. Ich erkläre darin, wo gute Musik für Videos zu finden ist, und wie Du vorgehst, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.

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Live-Videos im Trend: 5 Gründe, warum sie sich lohnen

Früher war es undenkbar, dass Privatpersonen eigene Videos in die ganze Welt verbreiten. Nur Fernsehstationen konnten live senden. Heute hat sich das verändert: Live-Videos sind ein Riesen-Trend. Alles, was man braucht, sind ein Smartphone und Internetempfang.

In den USA boomen Live-Videos. Sie sind auch spannend für Firmen und Geschäftsleute: Experten machen Live-Schaltungen zu Produkten und Themen und erreichen damit sehr viele Zuschauer.

Videos bringen uns Menschen näher. Live-Videos noch mehr.

1. Live schafft Nähe

Kommunikation wird auch übers Internet immer unmittelbarer. YouTube ist bereits sehr direkt, da es jedem erlaubt, Videos zu verbreiten. Aber es ist vorproduziert (teilweise sehr aufwändig) und nicht zeitgleich. Live wirkt noch authentischer und weil man als Zuschauer die Gelegenheit hat, direkt dabei zu sein, auch exklusiver. Live schafft Nähe und damit Vertrauen.

 

2. Es ist super-simpel, Inhalte schnell ins Netz zu bringen

Periscope war die erste App, welche das live-streamen vom Smartphone extrem einfach machte. Inzwischen ist Facebook ganz vorne mit dabei und pusht Live-Videos sogar aktiv, indem sie in den Timelines weiter oben angezeigt werden. YouTube verfügt über eine Live-Funktion, und neuerdings lassen sich auch auf Instagram und Twitter Videos streamen. Instagram Stories und Snapchat ermöglichen das einfache Produzieren von (fast) Live-Videos. Eine spannende Variante, schnell Inhalte zu produzieren und direkt ins Netz zu bringen!

Je nach Einstellung sind die Videos danach noch 24 Stunden sichtbar oder bleiben online, damit man sie auch später noch anschauen kann. Bei Snapchat und Instagram lassen sich die Videos auch gezielt an einzelne Leute verschicken oder löschen sich nach dem Anschauen selbst.

 

3. Zwei-Weg-Kommunikation dank Live-Videos

Bei Live-Videos gibt es nicht einfach „Sender“ und „Empfänger“. Die Kommunikation läuft auf beide Seiten: Zuschauerinnen und Zuschauer können Kommentare schreiben oder mit Herzchen ausdrücken, dass ihnen der Stream gefällt. Ich als Produzentin sehe, wer neu dazukommt und kann die Leute begrüssen. Beide Seiten können Fragen stellen und beantworten. Das schafft neue Möglichkeiten.

Der Vergleich mit Webinars drängt sich auf. Diese Tools können zwar verglichen mit Livestreams mehr, aber sie sind fürs Publikum weniger einfach. Im Live-Video muss man sich nicht anmelden, sondern kann ganz einfach reinzappen. Jeder, der deine Seite abonniert hat, sieht im Feed, wenn du live bist. Umgekehrt kann ein Live-Video auch ganz spontan gemacht werden, ohne Ankündigung.

 

4. Es muss nicht perfekt sein

Live-Videos sind casual. Ein Live-Video kann auch aus der Hand gefilmt werden, ohne Stativ, es darf Hochformat sein.

Die Regeln sind aber die gleichen wie allgemein bei der Videoproduktion: Gibt es zu viele Umgebungsgeräusche, lohnt es sich, ein Mikrofon zu verwenden. Wenn ein Video zu verwackelt ist, schalten die Leute weg. Ein Stativ macht die Hände frei, damit man zum Beispiel etwas demonstrieren kann.

Hol dir meinen kostenlosen Ratgeber: „Zubehör fürs Filmen mit dem Smartphone“. Dort findest Du Empfehlungen für Mikrofone und Stative.

 

5. In der Schweiz noch viel Potenzial

Die Zeitverschiebung zu den USA bewirkt, dass weniger Leute aus Europa zu den amerikanischen Videos zuschalten. Die Konkurrenz ist also begrenzt. Hier gibt es im deutschsprachigen Raum noch viel Potenzial. Gerade weil hierzulande noch nicht viele Leute Live-Videos machen, ist es möglich, vieles einfach mal frei auszuprobieren.

 

Live-Videos für Firmen

Ich gebe viele Video-Workshops für Firmen, die mit selbst produzierten Videos näher zu ihren Kunden möchten. Noch näher kommt man mit Live-Videos – da eröffnen sich viele einfache Möglichkeiten.

Ein Beispiel: Das erste Mal habe ich Facebook Live erlebt, als ich in Basel im Auftrag von V-Zug an der Messe „Swissbau“ filmte. Der „Koch des Jahres“ war am Messe-Stand, und anstatt dass man mit Verzögerung darüber berichtet hätte, machten die Verantwortlichen gleich ein Live-Video mit ihm. So erhielten die Facebook-Fans von V-Zug das Gefühl, live etwas mitzuerleben.

 

Zusätzliche Software für Live-Videos

Kürzlich habe ich Facebook Live ausprobiert (schau’s Dir an). Auch auf YouTube habe ich einen Livestream gemacht.

Bei Facebook habe ich direkt in der App auf meinem iPhone den Livestream gestartet, ohne etwas zu installieren. Für den Livestream auf YouTube musste zuerst eine Software installieren. Dieser Weg war einiges umständlicher. Für den YouTube live Test habe ich „Wirecast“ (Testversion) verwendet. Im Video kannst Du deshalb ein Wasserzeichen sehen. Ich habe den Stream mit meiner Webcam aufgenommen.

Mit Airserver“ könnte ich mein iPhone auf dem MacBook spiegeln und so auch von meiner iPhone Kamera ein YouTube-Live-Video senden.

Unterdessen empfahl mir mein Mann Sam Steiner die Software „OBS“. Sie ist gratis. Man kann damit sowohl Live-Videos für YouTube als auch Facebook machen. Der Vorteil einer solchen Software: Man kann mehrere Kameras benutzen und zum Beispiel auch Bauchbinden einblenden. Hier mein YouTube Live-Video:

 

Meine Live-Video-Strategie

Ich werde zukünftig alle zwei Wochen, am Freitagmorgen um ca. 9.30 Uhr, live auf meiner Facebook Fanseite Judith Steiner Videoproduktion sein. Dort werde ich über die Inhalte meines neusten Blogbeitrags sprechen und kurze Fragen beantworten. Alternierend in den Wochen dazwischen gibt es auf meinem privaten Profil einen Stream, in dem ich etwas über das Leben plaudere 🙂

Ich nutze die Kraft von Video, habe aber im Unterschied zu meinen YouTube-Videos keinen Schnitt-Aufwand.

Meine Live-Videos werde ich im Querformat filmen. Erstens gefällt mir der breite Ausschnitt besser. Zweitens kann ich Breitformat mit jedem Stativ aufnehmen – bei Hochformat ist nicht jedes Stativ mit dem iPhone kompatibel.

Verbinde dich mit mir auf Facebook, damit du die Live-Sessions nicht verpasst!

Darf ein Video im Hochformat sein?

Früher war Video einfach ein Breitformat. Und das war selbstverständlich, denn der Fernseherbildschirm und auch die Kinoleinwand waren einfach breit.

Und heute? Immer mehr Leute filmen mit Ihrem Smartphone Hochformat. Gibt es eine Berechtigung für Videos im Hochformat?

Querformat oder Hochformat

Schaust du so Fernsehen?

Bisher habe ich immer Querformat gepredigt. Jedoch hat sich online einiges getan. Das Bild oben, das „Filmemacher Deutschland“ auf Facebook gepostet haben, hat dort für viel Aufregung gesorgt.

Ich wurde auf dieses Bild aufmerksam, weil mich dort auch jemand in den Kommentaren erwähnt hat. Hier möchte ich mich ausführlicher zum Thema äussern:

Hochformat entwickelt neuen Markt

„Hochformat-Video-Vertreter“ sagen, dass ein Smartphone im Hochformat natürlich in der Hand liegt und es umständlich ist, das Handy für jedes Video ins Querformat zu drehen. Der Instant-Messaging-Dienst Snapchat hat das Problem erkannt und bietet neuerdings Videos auch im Hochformat an.

Falls du Snapchat noch nicht kennst: Das ist ein Dienst der es ermöglicht, Daten an Freunde zu schicken. Diese Daten „zerstören“ sich jedoch nach kurzer Zeit von selbst und bleiben dem Empfänger nur kurz erhalten.

Vox produziert Videos im Hochformat

Doch auf Nachrichtenkanäle wie Vox haben Snapchat für sich entdeckt.  Vox bereitet jeden Tag ein Thema extra für Snapchat auf und produziert dafür Videos im Hochformat. Diese Videos füllen den Bildschirm aus, auch wenn das Smartphone nicht gedreht wird:

Periscope kann hoch und breit

In den Kommentaren zum Facebook-Bild der Deutschen Filmemacher wurde häufig mit Periscope argumentiert. Die Persicope-App ermöglicht Videoübertragungen in Echtzeit, und zwar zu Beginn nur im Hochformat.

Mittlerweile ist das Filmen und Übertragen auch im Querformat möglich.

Darf ich Hochformat filmen?

Meine Antwort: Wenn du ein Video auf deinem Smartphone drehst und dieses später bestimmt auch nur auf deinem Smartphone anschaust, ist Hochformat okay. Wenn du es jedoch auf einem anderen Medium anschauen möchtest, benutze bitte Querformat. Denn dieser „Vorhang-Effekt“ mit zwei schwarzen Balken ist einfach unansehlich.

Warum warnte mich niemand früher vor Hochformat?

Eine Mutter besuchte bei mir einen Final Cut Pro x Kurs, damit sie Ihre Familienvideos zusammen schneiden konnte. Die Videos im Querformat konnte sie schön aneinander reihen, die im hohen Format bekamen entweder zwei schwarze Balken auf der Seite oder sie musste das Bild stark aufziehen, damit es den Bildschirm ausfüllte. Dabei gingen Bildqualität und viele Bildinformationen verloren. Sie meinte enttäuscht: „Warum warnte mich niemand früher vor Hochformat?“

Eine kleine Handbewegung, die viel bewirkt

Deshalb warne ich hier alle iPhone- und Android-Filmer: Das Smartphone mag vielleicht im Hochformat natürlicher in der Hand liegen doch ein gutes Video sollte doch die Handbewegung um 90 Grad wert sein.

Die Veränderung des Videokonsums birgt Chancen für Selbstgedrehtes

Statistik Videokonsum online
Die Band The Buggles schrieb 1979 mit ihrem Welthit „Video killed the radio star“ Geschichte. Interessanterweise war dies das allererste Video, das jemals auf MTV ausgestrahlt wurde. Für die Buggles blieb es bei diesem einen Erfolg, das Phänomen neues Medium verdrängt altes Medium scheint jedoch aktueller denn je. Oder wie ein es die Band The Limousines vor ein paar Jahren ausdrückte: „Internet killed the video star„.

Videokonsum immer und überall

Für Freunde des Videos gab es früher bloss die Möglichkeit, TV zu schauen oder ins Kino zu gehen. Heutzutage scheinen die Möglichkeiten dank Kanälen wie Youtube oder Vimeo unendlich. Mit unseren Smartphones können wir jederzeit und überall auf diese Videos zugreifen. Das beeinflusst auch den Videokonsum.

1. Platz für Musikvideos

Am liebsten schauen die Leute Musikvideos online, wie die Statistik oben zeigt. Nicht selten sind die Superstars, die heute teure und hochwertige Videos drehen können dank Youtube berühmt geworden. Bekanntestes und umstrittenstes Beispiel dafür ist Justin Bieber.

Eine Kamera, ein Knopfdruck, ein Talent

Unter den Musikvideos gibt es die teuren „High-End-Produktionen“. Es gibt aber auch sehr viele Musikvideos, die ganz einfach gemacht sind. Der Musiker stellt eine Kamera auf, nimmt die Gitarre und beginnt zu singen. Ist er talentiert, kann er mit einer Kameraeinstellung Tausende von Leuten erreichen.

Das Video unten fand ich über Twitter mit der Frage „Kennt ihr die schon?“. Ich schaute hinein, dachte in den ersten drei Sekunden, dass ich schnell wegzappe, blieb aber bis am Schluss dran.“

2. Platz für selbstgedrehte Videos

Mit diesen Videos sind wir bereits beim zweiten Rang auf der Statistik. Die selbstgedrehten Videos punkten mit Charme, Ausstrahlung und Herz. Die Artisten sind „normale“ Menschen und könnten unsere Nachbarn sein oder am Elternabend neben uns sitzen.

3. Platz für Trailer

Ebenfalls stets beliebt sind und bleiben die Trailer. Es ist doch einfach praktisch, wenn man sich schnell einen Überblick verschaffen und entscheiden kann, ob der Film die 90 Minuten Lebenszeit oder zwanzig Franken Eintritt wert ist.

4. Platz für Gebrauchsanweisungen

Was früher die Gebrauchsanweisung war, nennt sich heute das Tutorial. Diese kommen entweder in professioneller Form daher und erklären beispielsweise die Handhabung des neusten Dyson Staubsaugers. Sie können jedoch auch ganz simpel im Wohnzimmer gedreht werden und die perfekte Anwendung eines Eyeliners aufzeigen. Tutorials sind wie geschaffen für Menschen wie mich, die sich kurz und bündig informieren möchten ohne dazu ewig in Papieren zu blättern.

Julia Graf brachte es mit Schmink-Tutorials zum erfolgreichsten privaten Schweizer YouTube Kanal. Ihr Video für 12 verschiedene Eyeliner-Anwendungen wurde über 4,5 Millionen Mal angeschaut.

Die letzten Plätze für die längeren Filme

Auf den letzten Plätzen der Beliebtheits-Umfragen finden sich Serien, Filme und auch Zeichentrickfilme. Diese Angebote konnten bisher kaum online konsumiert werden. Verschiedene Streamingangebote und Bezahlmöglichkeiten auf Videoplattformen machen das heute möglich. Sie werden aber diese Statistik nicht völlig auf den Kopf stellen.

„Kurz und knackig“ bleibt Leader

Weil wir in der Kaffeepause,  unterwegs oder vor dem Einschlafen einfach lieber auf kurze und knackige Filmchen zugreifen. So werden Youtube und Co. auch in Zukunft noch mehr Nutzer verzeichnen können. Nutzer, welche gerne auch Selbstgedrehtes schauen, weil es echt und authentisch ist, oder informativ und hilfreich, oder zum Lachen bringt und berührt.

Drei verschiedene Möglichkeiten der Videoproduktion

Drei Möglichkeiten der Videoproduktion

Es muss nicht immer die teure Highend-Videoproduktion sein

Schaut man sich heute die sozialen Netzwerke an, sind die geposteten Videos der User kaum zu übersehen. Videobotschaften werden heute immer wichtiger, nicht nur für Privatpersonen.

Auch Unternehmen bedienen sich dieser Technik – jedoch nur teilweise, da viele dieser Unternehmen noch der Meinung sind, dass Videoproduktionen zu aufwendig und zu teuer sind. Doch hier muss unterschieden werden: früher wurden viele Werbespots für das Fernsehen produziert, die dementsprechend in einer hohen Qualität (Highend-Produktion) hergestellt werden müssen. Zusätzlich kostet der Sendeplatz im TV viel Geld, sodass hier einige 100.000 CHF an Kosten entstehen.

Mittlerweile gibt es deutlich einfachere Möglichkeiten Videos zu erstellen, die zudem wesentlich günstiger sind. Heute ist der Anspruch der User ein anderer als früher. Auf YouTube sind Videos gefragt, die authentisch, echt und hilfreich sind.

1. Möglichkeit: Videos selber drehen

Die meisten von uns besitzen ein Smartphone, welches bereits mit einer guten Kamera ausgestattet ist.

Apps wie Instagram und Vine laden regelrecht dazu ein, kleine Videos selbst zu gestalten, um einen Einblick in die Situation und der Stimmung des Ortes wiederzugeben. Zudem gibt es Apps, die die Kamera unseres Smartphones erheblich verbessern können. Mit der App „Filmic Pro“ können wir sogar den Fokus und die Blende manuell festlegen und damit hervorragend Stimmungsbilder sammeln.

Will ich diese Bilder unterwegs zu einem kleinen Clip zusammen fügen, bearbeite ich das Video in der iPhone App iMovie und dann den kurzen Stimmungsbericht gleich auf Facebook, YouTube und Co. teilen.

Auch kleine Handycams und Fotokameras stehen für den Videodienst bereit. Schnittprogramme werden immer günstiger, sodass für die Eigenproduktion kaum Geld investiert werden muss.

2. Möglichkeit: Produktionen über VJs

Bei dieser Variante gibt es eine Person, die die Produktion von A bis Z selbst übernimmt. Man sagt ihr VideojournalistIn (VJ). Das heisst, sie führt die Kamera, leitet das Interview, schneidet im Nachgang, schreibt und vertont einen Off-Text und legt Musik in den Hintergrund.

Diese Person nimmt also alle Arbeiten vor, bis der Beitrag vollständig fertig ist. Eine eigene Ausrüstung und ein eigener Schnittplatz sind heutzutage sehr kostengünstig und machen somit diese One-WoMan-Show möglich. Das spart Zeit und Manpower und führt zu günstigeren Preisen.

Was kann ein Videojournalist demnach bieten: Er/sie kann Interviews führen, Testimonials aufnehmen, Eventberichte mit Stimmungsbildern und Stimmen der Besucher erstellen, kleine Imagefilme drehen, Portraits sowie redaktionelle Newsberichte anfertigen.

Die fertigen Videoproduktionen kann das Unternehmen auf seiner Webseite oder auf sozialen Netzwerke veröffentlichen.

3. Möglichkeit: Highend-Produktionen

Highend-Produkte werden für aufwendige Firmenfilme, TV-Spots für Fernseh oder Kino und Werbefilme im Internet erstellt.

Hierzu wird zum einen eine Agentur für das Drehbuch benötigt. Zum anderen sind ein Regisseur, ein Kameramensch sowie Personen für Licht und Ton unerlässlich. Das Licht wird aufwendig und perfekt gesetzt. Der Ton mit verschiedenen Mikrofonsystemen aufgenommen. Dazu kommen oft Schauspieler, Visagisten etc. Was grosse Kosten mit sich bringt.

Die Produktionsgrössen dazwischen

Dennoch gibt es auch Produktionsformen, die zwischen den drei Genannten liegen.

Beispiel:
Eine Firma will in ihren Kursen zu Beginn ein kleines Anleitungsvideo zeigen, Anweisungen für Raucher, für Esser und Flüchtende im Fall, dass es brennt. Diese Videos sollen klare „Verhaltensregeln“ transportieren, aber lustig, unterhaltsam und „kinomässig“ daher kommen.

Eine solche Produktion kann ein Videojournalist nicht alleine umsetzen. Es besteht jedoch die Möglichkeit, den Beitrag in einem kleinen Team zu erstellen. Videojournalisten haben ein grosses Netzwerk und können dementsprechend die richtigen Personen organisieren. Ich biete diese Zwischenlösungen auch an.

Zwischen den selbstgedrehten Videos und den VJ-Produktionen liegen auch kleine Filmwelten. Wer einige Tricks der Videokunst kennt, kann aber schon mit einem Smartphone Filme erstellen, die professioneller wirken, als viele Videobotschaften im weltweiten Netz.

Hilfreiche Tipps findet Ihr hier in meinem Blog, bekommt Ihr mit meinem Newsletter oder lernt Ihr in meinem Videokurs.

Wie wertvoll sind virale Videos?

Der Werbeclip „The Swisscom S5 Pulse Challenge“ verbreitet sich in der Schweiz auf den sozialen Plattformen. Als ich ihn gestern Mittag (17. Juni) auf Facebook teilte, hatte er rund 4000 Views. 29 Stunden später sind es bereits über 31’000. Nach Kevin Nalty (YouTube) gilt heute ein Video als viral, wenn es innerhalb von 3 bis 7 Tagen mehr als 5 Millionen angeklickt wurde.
Schafft die Swisscom ein weiteres virales Video?

Erstes virales Video der Swisscom

Vor einem Jahr veröffentlichte die Swisscom mit „All eyes on the S4“ bereits ein Video im ähnlichen Stil. Ein paar „gekaufte Views“ halfen zwar am Anfang, den Film unter die Leute zu bringen (alike.ch berichtete), danach verbreitete er sich aber sehr schnell. Nach einer Woche wies der Clip bereits 2,6 Millionen Views auf.

Statistik Galaxy S4

Für die Schweiz sind das Grossartige Zahlen. Bei so vielen Views würde ich von einem viralen Erfolg sprechen.

Besonders wertvoll sind die neuen Abonnenten

Die Leute fragen oft, wie komme ich zu einem viralen Video? Solche Klickraten auf einem Video sind für die Swisscom und Samsung natürlich toll. Aber viel wichtiger scheint mir die Frage nach den Abonnenten. Vor dem Erfolg des Galaxy S4 Videos hatte die Swisscom 1200 Abonnenten ihres YouTube Kanals. Heute sind es 5581. In meinen Augen sind diese Zahlen noch wertvoller.

Über 1 Million Subscribers

Passion4Profession ist zur Zeit der meist abonnierte Schweizer-YouTube-Kanal (Socialbaker.com). Sie haben über eine Million Subscribers. Bei jeder Veröffentlichung von einem neuen Fitness-Video auf Passion4Profession werden über 1 Million Menschen darüber informiert. Die Kundenbindung ist viel stärker.

Die Chance für kleine Unternehmen

Virale Videos sind oft aufwendig produziert, somit eher teuer. Kleine Firmen, die bei YouTube in erster Linie an virale Videos denken, scheuen zurück und lassen es mit den Bewegtbildern ganz bleiben. Was zu kurz gedacht ist. Um eine Firma dem Kunden näher zu bringen, hilft Video. Video kann die Menschen hinter dem Brand zeigen, die Firmenphilosophie vermitteln, Produkte vorstellen, Bedienungshilfen geben und vieles mehr. Solche Videos generieren nicht Millionen von Views, aber gewinnen Abonnenten, die gerne bei der Firma dran bleiben.

Unter-35-Jährige nutzen YouTube öfter als Facebook

Während alle von Neuerungen bei Facebook reden, ist es still um die Video-Plattform YouTube. Mit einer Milliarde monatlich aktiver Nutzer spielt YouTube aber in derselben Liga an der oberen Spitze des Web-Bergs mit. Von Vielen wird YouTube häufiger verwendet als Facebook.

YouTube bei Jüngeren vor Facebook

The Intelligence Group hat in einer Studie vom November 2013 gezeigt, dass drei Viertel der 14- bis 18-Jährigen YouTube regelmässig nutzen. In derselben Altersgruppe gaben „nur“ 60% an, Facebook regelmässig zu besuchen. Bei 19- bis 24-Jährigen ist YouTube dann nur noch knapp vorne. In der Kategorie 25- bis 34-Jährige kippt das Bild dann. Je älter, desto Facebook.

Total (14-34) ergibt das eine Nutzung von YouTube von 68% vor Facebook mit 66%.

youtube-vs-facebook

In der Schweiz?

Auf der Konsumseite wird sich ein ähnliches Bild abzeichnen. Jüngere Generationen verbringen viel Zeit mit Online-Videos.

Auf der Produktionsseite sieht es hierzulande ganz anders aus. Es gibt wenige „YouTuber“ mit grosser Reichweite. Auch Unternehmen scheinen das Thema Online-Video noch eher etwas planlos anzusehen. Es besteht hier eine Hürde von Unwissen oder Angst vor hohen Kosten, die gerade auch kleinere Unternehmen bislang davon abhält, erste Schritte zu tätigen. Dabei gäbe es viel Potential mit den handelsüblichen Geräten – und sogar Smartphones, die wir mittlerweile permanent mit dabei haben.

Eine unvollständige Liste von Schweiz YouTube-Kanälen mit Statistiken zu Zuwächsen und Abonnentenzahlen gibt es bei SocialBakers zu finden.

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